Eine Frau holt einen übergroßen Wecker aus ihrer Aktentasche
Mitarbeiter schaffen mehr - wenn sie nicht dauernd auf die Uhr gucken müssen. Bildrechte: Colourbox.de

Home Office Flexible Arbeitszeiten machen Mitarbeiter produktiver

Flexible Arbeitszeiten steigern nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch die Produktivität der Mitarbeiter, zeigt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft.

von Niklas Ottersbach

Eine Frau holt einen übergroßen Wecker aus ihrer Aktentasche
Mitarbeiter schaffen mehr - wenn sie nicht dauernd auf die Uhr gucken müssen. Bildrechte: Colourbox.de

Das Kind zum Arzt bringen, früher Feierabend machen, später die Arbeitszeit nachholen. All das ist bei Jan Pasemann vom Arbeitgeberverband Sachsen-Anhalt jetzt schon Alltag. Aber das sei eben Büro-Arbeit, sagt er. Nicht jeder Job sei Home-Office-tauglich. "Es gibt Unternehmen, die in einem kontinuierlichen Schichtbetrieb arbeiten, da sind flexible Arbeitszeitmodelle wie meines so nicht möglich."

Die neue Flexibilität beginnt also nicht am Hochofen. Home-Office im Pflegedienst wird auch schwierig. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die Jan Pasemann vertritt, sei das schon eher in der Praxis üblich.

Hierarchien schaffen Verluste

Überzeugt werden müssen vor allem Großbetriebe mit strenger Hierarchie. Dort sind flexible Arbeitszeiten theoretisch möglich, werden praktisch aber selten gelebt. Der Schweizer Arbeitspsychologe Felix Frei stellt fest, dass bei vielen eine starre Präsenzkultur herrscht.

Da gilt einfach: Wo oben Patronales ist, ist unten Infantiles nicht weit. Das heißt, die Chefs machen die Erfahrung, wenn sie mal nicht hingucken, versuchen sich viele Leute irgendwo zu drücken und sich kleine Freiräume zu schaffen. Das ist ein systemischer Preis für Hierarchie. Es ist nicht einfach irgendwelchen ängstlichen oder misstrauischen Chefs geschuldet.

Felix Frei , Arbeitspsychologe

Umdenken nötig

Die Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft soll da ein Umdenken befördern, hofft Autor Dominik Enste. Er hat die Mitarbeiter-Zufriedenheit von 44.000 Arbeitnehmern in ganz Europa ausgewertet. Das Ergebnis: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

Und unser Werben geht dahin: Lieber mit den 5 bis 8 Prozent Mitarbeitern zu leben, die eine Vertrauenskultur ausnutzen, als negative Effekte zu erzeugen, weil man über alle hinweg stärkere Kontrollen und Stechuhr und ähnliches einführt.

Dominik Enste

Auch das ist ein Ergebnis der Studie: Wie schnell jemand arbeitet, hängt nur für zwei Prozent der Befragten davon ab, wie oft der Chef kontrolliert. Deutlich wichtiger für die eigene Produktivität sei das Arbeitstempo der Kollegen und Kunden. Insgesamt also ein Plädoyer für Chefs: Einfach mal loszulassen.

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 09:55 Uhr

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