Was ist das, was kann man tun? Das Impostor-Phänomen: Der gefühlte Hochstapler

BRISANT | 15.10.2019 | 17:15 Uhr

Einen herausragenden Uni-Abschluss hingelegt, die Karriereleiter hoch geklettert: Wer das geschafft hat, kann eigentlich zufrieden sein. Doch das Hochstapler-Phänomen lässt zahlreiche Menschen straucheln - auch eine erfolgreiche Sängerin. Sie denkt, sie hätte den Erfolg nicht verdient.

Ein junger Mann mit Kapuzen-T-Shirt
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Menschen mit dem Hochstapler-Phänomen sind Menschen, die oft sehr erfolgreich sind, sehr gute Leistungen zeigen, sich diese aber nicht selbst zuschreiben können. Sie machen Glück, schlichten Zufall oder einen netten Prüfer für ihre Erfolge verantwortlich und nehmen an, das Erreichte stehe ihnen eigentlich nicht zu. Damit leben Menschen, die unter diesem Phänomen leiden, in ständiger Angst, enttarnt zu werden, dass jemand ihre "Schwächen" entdecken könnte.

Es gibt nicht nur Selbstüberschätzung

Es gibt also nicht nur den Hang zur Selbstüberschätzung in der Natur des Menschen, sondern auch das andere Extrem: So neigen Betroffene dazu, sich trotz vorhandener Kompetenz zu unterschätzen. Das kann im schlimmsten Fall zu einer Depression führen - im besseren Fall sorgt es nur für ein paar verpasste Chancen im Leben. Die Psychologie nennt das Hochstapler-Phänomen auch Impostor-Phänomen. Was es genau bedeutet, erklärt Dr. Annegret Wolf von der Martin-Luther-Universität bei MDR Wissen.

Das bedeutet, dass kompetente, richtig hoch qualifizierte Menschen nicht in der Lage sind, objektiv messbare Erfolge wie zum Beispiel Schulnoten, Jobangebote, Empfehlungen oder stabile Beziehungen für sich zu verbuchen. Die haben immer das Gefühl, ein intellektueller Hochstapler zu sein und irgendwann entlarvt zu werden.

Dr. Annegret Wolf Martin-Luther-Universität Halle

Junge Frau mit Laptop lehnt an einer Bürowand
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Wo man sich über- und wo unterschätzt

Das Impostor-Phänomen ist etwas, was häufig bei Berufsanfängern festgestellt werden kann, so Wolf. Tatsächlich schließen sich Unter- und Überschätzen gar nicht zwingend aus. Häufig sei es so, dass wir uns überschätzen, wenn es um Alltagsdinge gehe wie beispielsweise Autofahren und uns unterschätzen, wenn es um fachlich spezifische Dinge gehe. Woher das kommt, ist noch nicht so richtig klar, sagt Wolf.

Wo liegen die Ursachen der gefühlten Hochstapelei?

Die Psychologie vermutet die Ursachen zum einen in frühkindlichen Erfahrungen und zum anderen in der individuellen Persönlichkeit des Menschen. Insgesamt sind die "Unterschätzer" eher in der Minderheit, erklärt Wolf: "In der Regel zeigt sich in der Gesellschaft eher die Selbstüberschätzung: Man geht davon aus, dass circa 60 Prozent der Menschen sich überschätzen und die restlichen unterschätzen sich eher."

Was können Betroffene tun?

Was kann man tun, wenn man am Hochstapler-Phänomen leidet? Psychologin Sonja Rohrmann rät im SWR zu Selbsthilfemaßnahmen bei leichteren Fällen. So gebe es spezielle Bücher zum Thema, die helfen könnten, störende Denkmuster abzulegen. Zudem gebe es auch die Möglicheit, Untertsützung von außen, durch Supervision und Coaching, zu erhalten. Darüber hinaus würden auch Kurzzeittherapien angeboten, in denen man lernt, mehr Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln.

Betroffenen, bei denen das Hochstapler-Phänomen sehr stark ausgeprägt ist, rät Sonja Rohrmann eine psychotherapeutische Behandlung.

Ellie Goulding boxt gegen das Hochstapler-Phänomen

Ein prominentes Beispiel für das Hochstapler-Phänomen ist Sängerin Ellie Goulding, die ihre psychischen Probleme bei Instagram öffentlich machte. Gouldings Weg, nicht den Verstand zu verlieren, sei Sport. "Laufen und Boxen hauptsächlich", schreibt sie unter ihrem Post.

Quellen: mdr wissen, swr

Dieses Thema im Programm Das Erste | BRISANT | 15. Oktober 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 16:28 Uhr

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... werden 7 Stunden neues Videomaterial auf YouTube hochgeladen. Das entspricht 420 Stunden in einer Minute. Auf YouTube wird pro Tag mehr Videomaterial als auf Netflix und Facebook zusammen angeschaut. Deutsche schauen durchschnittlich 11 Minuten pro Tag. Bildrechte: Colourbox.de