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Die Himmelsscheibe fliegt zur ISS

Stand: 20. Dezember 2020, 00:00 Uhr

Ein Stück Sachsen-Anhalt hebt ab in den Weltraum. Die Himmelsscheibe von Nebra ziert das Missionslogo von Deutschlands nächstem Astronauten Matthias Maurer. Die Archäologen bei uns in der Region sind begeistert.

Wie es ganz genau war, können wir natürlich nicht wissen. Aber vor so in etwa 4000 Jahren stand womöglich auf dem Himmelberg bei Nebra ein weiser Mann und blickte in den Himmel. Seine Aufgabe: Den Bauern sagen, wann es wieder Zeit zur Vorbereitung des Ackers wäre.

In seinen Händen trug der Mann einen bedeutenden Schatz: Das Metallobjekt, das wir heute als Himmelsscheibe von Nebra kennen. Darauf zu sehen war die wohl erste konkrete Darstellung des Himmels. Neben dem Vollmond und dem zunehmenden Mond war dabei auch der Sternhaufen der Plejaden, der zum Sternbild Stier gehört. Die Himmelsdarstellung half, so glauben es Forscher um Sachsen-Anhalts Landesarchäologen Harald Meller, den Bauern der frühen Bronzezeit, die Zeitpunkte für Aussaat und Ernte zu bestimmen.

Zuletzt hatten zwei Forscher zwar erklärt, die Scheibe sei womöglich längst nicht so alt wie vermutet und damit kulturell auch nicht so bedeutsam, doch Meller bleibt bei seiner Darstellung.

Wie dem auch sei. Wenn man heute auf dem Himmelberg steht und nach oben schaut, dann kann man an manchen Tagen jedenfalls einen hellen Punkt von Südwest nach Südost über den Himmel ziehen sehen, an den vor 4000 Jahren nicht einmal zu denken war: die Internationale Raumstation. Auch vor Weihnachten ist das wieder möglich, genaue Beobachtungsdaten gibt es hier.

Erster Einsatz für Astronaut Maurer

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Im Herbst kommenden Jahres fliegt nun der nächste Astronaut aus Deutschland zur Station. Der Nachfolger von „Astro Alex“ Gerst heißt Matthias Maurer und es ist sein erster Einsatz. Das Besondere ist nun: Die Himmelsscheibe von Nebra ziert das Logo seiner Mission „Cosmic Kiss“, also kosmischer Kuss.

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„Der Name steht für die besondere Verbindung, die die ISS zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern der Erde und dem Kosmos herstellt“, sagt Maurer. „Und er vermittelt, wie wichtig Partnerschaften bei der weiteren Erforschung von Mond und Mars sind, ebenso wie der Respekt, der Schutz und der Erhalt der Natur auf unserem Heimatplaneten."

Mond und Mars sind auf dem von Maurer mit der Esa-Designerin Sarah Poletti entworfenen Missionslogo zu sehen, dazu eine vereinfacht dargestellte, fast herzförmige ISS. Die Station ist mit einem menschlichen Herzschlag verbunden, der sich von der Erde bis zum Mond erstreckt. Eingebettet ist das alles in eine Darstellung, die von der Himmelsscheibe übernommen ist, inklusive des Plejaden-Sternhaufens.

Verbindung zu den Menschen der Bronzezeit

Die Faszination für den Weltraum habe schon seit Ewigkeiten bestanden, sagt Maurer. „Menschen blicken seit dem Anbeginn der Zeit in den Himmel, um Kenntnisse über das Universum, den Ursprung des Lebens, zu sammeln.“ Der Astronaut wird diese Kenntnisse nun selbst im All sammeln, ein halbes Jahr soll er nach dem Flug mit einem amerikanischen SpaceX-Transporter auf der Raumstation bleiben.

Am Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle freut man sich natürlich über Maurers Wahl für das Missionslogo. Hier wird die Himmelsscheibe schließlich ausgestellt – wenn nicht gerade Corona-Pause ist. „Wir sind stolz, diesen Fund von Weltgeltung in unserem Land zu haben, der die Bedeutung Sachsen-Anhalts als ein kulturelles Herz Deutschlands eindrucksvoll unterstreicht. Herrn Maurer gratuliere ich sehr herzlich zu seiner Berufung und wünsche ihm schon jetzt viel Erfolg für seine Mission“, sagt Landesarchäologe Meller.

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Archäologie und Astronomie seien die beiden Wissenschaften, so der Archäologe, in denen sich die Sehnsüchte und die großen Fragen der Menschheit bündelten: „Woher kommen wir und wohin gehen wir? Die Himmelsscheibe von Nebra verbindet mit ihrem Blick in den Kosmos der Bronzezeit beides auf einzigartige Weise.“

Beim Landesmuseum weist man außerdem noch auf einen anderen Zusammenhang hin. Astronaut Maurer ist ja ausgebildeter Materialwissenschaftler. Auf der Raumstation, so hat er gesagt, wird er auch an neuen Legierungen arbeiten. Und da sagt man jetzt in Halle: Auch das verbinde den Raumfahrer mit den Metallurgen der frühen Bronzezeit. Wie bei der Himmelsscheibe würden also auch hier Kosmos und Metallurgie verschmelzen.

Dieses Thema im ProgrammMDR JUMP am Wochenende | 19. Dezember 2020 | 13:10 Uhr

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