Starlink-Satelliten: Was hinter den leuchtenden Ketten am Nachthimmel steckt

Immer wieder zieht eine Kette wie leuchtende Sterne am Nachthimmel über Mitteldeutschland. Dabei handelt es sich nicht um UFOs, sondern den Beginn einer Satelliten-Mission, die uns allen in Zukunft den Zugang zum Internet erleichtern soll.

Starlink-Satelliten
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Das Thema mit dem Ausbau des schnellen Internets beschäftigt uns in Mitteldeutschland seit vielen Jahren. Während es in Städten wie Magdeburg, Erfurt und Leipzig mittlerweile erste Gigabit-Anschlüsse (also 1.000.000-er-Leitungen) gibt, sind in ländlichen Regionen wie im Kreis Stendal oft nur 6.000-er-Leitungen verfügbar. Der Tesla-Chef Elon Musk will daran etwas ändern und ein weltweit flächendeckendes schnelles Internet auf die Beine stellen. Davon sind allerdings nicht alle überzeugt.

Internet aus dem All

Hinter der Idee steckt der Gedanke, den Ausbau des schnellen Internets nicht über Glasfaserkabel im Boden zu gestalten, sondern die Versorgung aus dem Weltall heraus zu ermöglichen. Dazu soll mit dem Projekt "Starlink" ein Netz von Satelliten um die Welt gespannt werden. Die US-Behörden haben bereits den Einsatz von 12.000 Satelliten genehmigt, weitere 30.000 sind geplant. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es rund um die Welt nur ca. 2.200 Satelliten. Für die Versorgung mit flächendeckendem Internet würden schon wenige tausend Satelliten reichen. Die große Anzahl ist aber geplant, um vor allem hohe Internetgeschwindigkeiten zu ermöglichen.

Mission, die für alle sichtbar ist

Falcon 9-Rakete startet in den USA mit 60 Starlink-Satelliten an Board
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Derzeit starten 1 bis 2 Raketen jeden Monat und bringen mehrere dutzende Satelliten auf den Weg ins All. Diese wandern wie an einer Perlenkette aufgefädelt über den Nachthimmel. Dieses Phänomen lässt sich auch bei uns in Mitteldeutschland beobachten. Die nächsten Termine dafür sind:

  • 23. Mai 2020 von Süd nach Südost
  • 24. Mai 2020 von Südwest nach Süd

Pläne bringen nicht nur Vorteile

Darstellung von Weltraumschrott im orbit der Erde. Die Darstellung ist nicht maßstabsgetreu.
Darstellung von Weltraumschrott im Orbit der Erde. Die Darstellung ist nicht maßstabsgetreu. Bildrechte: ESA

Was sich für uns faszinierend beobachten lässt, bringt aber auch einige Nachteile und Gefahren mit sich. Die sonnenreflektierenden Satelliten tragen zu einer Lichtverschmutzung bei und erschweren den Astronomen die Sicht auf den Himmel. Aber auch langfristig können sich aus dem Projekt auch Probleme ergeben. Das Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt kritisiert, dass mit der großen Anzahl von Flugkörpern ein Kaskadeneffekt droht. Dahinter steckt die Gefahr, dass ein defekter unkontrollierbarer Satellit auf einen anderen trifft und diesen zerstört. Dieser wiederum treibt dann auch umher und zerstört andere Flugkörper. Ein Schneeballeffekt also. Das Problem daran ist, dass diese kaputten Teile im Weltall immer mehr werden. Damit können sich Satelliten nicht nur gegenseitig außer Gefecht setzen, sondern auch andere Weltraum-Missionen gefährden. Auch die Internationale Raumstation ISS muss darauf achten, mit Schrott im All nicht zu kollidieren. Eine Lösung für diesen Weltraum-Schrott gibt es bisher noch nicht.

Die Starlink-Satelliten haben eine Lebensdauer von 5 Jahren. Danach werden sie kontrolliert Richtung Erde gesteuert und verglühen. Wenn das komplette Starlink-Netz später einmal aufgebaut ist, müssen somit jährlich 6.000 Satelliten ausgetauscht werden. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Verkehr im All, auf den alle anderen Satelliten und Missionen achten müssen.

Start in den USA, später weltweit

In Nordamerika sollen die ersten Satelliten noch in diesem Jahr fertig positioniert werden, damit dort Internet aus dem All zeitnah eingeführt werden kann. Bereits bis zum nächsten Jahr soll das Angebot in allen restlichen bewohnten Gebieten der Welt stehen. Das verantwortliche US-Raumfahrtunternehmen SpaceX spricht von einem kostengünstigen Angebot, wie das genau ausfallen wird, ist bisher noch nicht bekannt. Um das Internet empfangen zu können, sei allerdings ein Empfänger notwendig, der so groß wie eine kleine oder mittlere Pizza sein soll.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Feiertag | 20. Mai 2020 | 15:45 Uhr

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