Baby hängt im Tragetuch bei der Mutter und schreit
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Frischgebackene Eltern Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien

Eigentlich haben werdende Eltern neun Monate Zeit, sich auf den Neuankömmling einzustellen. Kinderzimmer einrichten, Namen aussuchen, Ratgeber wälzen. Oftmals kommt es dann doch ganz anders, wenn der Nachwuchs erst mal da ist. Viele Eltern sind dann manchmal ratlos und auch überfordert. Aber wie meistere ich diese Situationen?

Baby hängt im Tragetuch bei der Mutter und schreit
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Jedes Baby schreit. Das ist die erste Möglichkeit des Kindes, sich mitzuteilen. Es schreit also immer – egal, ob es Hunger oder Durst hat, seine Mutter vermisst oder die Windeln nass sind. Diese Kinder lassen sich meist wieder beruhigen, wenn ihr Bedürfnis gestillt ist: wenn es getrunken hat oder die Windel wieder trocken ist. Aber es gibt auch Babys, die lassen sich gar nicht beruhigen. Wenn das Kleine stundenlang schreit, mit hochrotem Kopf und verkrampften Fingern, zehrt das nicht nur an den Nerven des Kindes.

Überforderte Eltern

"Ich muss das als Mutter doch schaffen“, denken viele. Und machen sich damit noch mehr Druck. Denn es gibt sogenannte Schreibabys, die einfach intensiver und öfter schreien als andere Kinder. Wenn ein Baby über drei Wochen hinweg mindestens drei Mal pro Woche mehr als drei Stunden am Stück schreit, gilt es nach der Definition des US-amerikanischen Mediziners Moritz Wessel als Schreibaby. Die gilt aber nicht uneingeschränkt:

Die Schwelle liegt bei allen Eltern anders. Allein die Definition der Dauer des Schreiens ist also nicht nutzbar. Wichtig ist grundsätzlich, die Eltern immer ernst zu nehmen, auch wenn die eigene Wahrnehmung eine andere ist.

Grit Kretschmar-Zimmer, Hebamme

Babys können eine Lautstärke von 120 Dezibel erreichen, das ist lauter als ein Presslufthammer. Und es löst Stress aus: Adrenalin wird freigesetzt, das Herz schlägt schneller und der Blutdruck steigt. In diesen Momenten ruhig zu bleiben, fällt den Eltern oft schwer.

Die Ursache

Schreibabys sind oft mit den Reizen aus ihrer Umgebung überfordert. Sie saugen alles, was um sie herum passiert, auf wie ein Schwamm, können es aufgrund ihrer Entwicklung aber noch nicht verarbeiten. Dadurch sind sie unruhig, finden kaum Schlaf und reagieren mit Schreien und Weinen.

Deshalb schreien viele Babys ab dem zweiten bis vierten Monat auch wieder weniger: Durch einen Entwicklungsschub finden sie sich besser in ihrer Umgebung zurecht und können auch leichter einschlafen.

Im Zweifelsfall rät Hebamme Grit Kretschmar-Zimmer aus Hoyerswerda dazu, jeden Fall einzeln zu analysieren und herauszufinden, welche Ursachen für das häufige Schreien des Babys sorgen.

Tipps für Eltern

Mutter sitzt vor dem Gitterbett des Babys, hält Fläschen, sieht verzweifelt aus
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Hilfe holen

Hilfe holen

"Das ist die einzig richtige Antwort, denn je nach Ursache ist etwas anderes erforderlich. Hier sind Hebammen gefragt mit all ihren Tipps und Diagnosen, aber auch Freunde, die manchmal das Problem temporär lösen, indem sie Hilfe anbieten", sagt Hebamme Grit Kretschmar-Zimmer.
Mittlerweile gibt es an viele Orten Schreiambulanzen, die sich darauf spezialisiert haben, gestressten Eltern und ihren Schreihälsen zu helfen. Das Personal dort spendet Trost und weiß Rat in den schwierigen Nächten. So finden Eltern und Kind Ruhe und wieder zueinander.

Baby mit blauer Mützer liegt im Bett und weint
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Auf keinen Fall schütteln!

Auf keinen Fall schütteln!

Wenn Eltern merken, dass sie wütend auf ihr Kind werden, verlassen sie am besten den Raum. "Es schadet dem Kind nicht, wenn es kurz allein weint - obwohl wir davon immer abraten! Jedoch wäre eine wütende Reaktion schlimmer, im allerschlimmsten Fall das Schütteln", so die Hebamme.
Die Halswirbelsäule des Säuglings ist noch nicht darauf ausgelegt, den schweren Kopf zu tragen und so können selbst wenige Minuten Schütteln zu schweren Verletzungen am Gehirn führen. Wenn du merkst, dass du wütend auf dein Kind wirst, leg es ins Bettchen oder auf den Boden und gehe kurz aus dem Raum.

Mann trinkt Tee
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Ruhe bewahren.

Ruhe bewahren.

Das klingt leichter gesagt als getan. Dennoch spüren es Babys, wenn ihre Eltern angespannt sind. Das überträgt sich auf sie. Sind die Eltern entspannt, findet auch das Kind leichter Ruhe.

Kind unscharf im Hintergrund, vorne blaues Holzflugzeug
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Wenig Reize.

Wenig Reize.

Kinder sind gerade in den ersten Lebensmonaten in einer Phase der Selbstregulierung. Das heißt, sie müssen einen Rhythmus zwischen Wach- und Schlafphasen finden. Ein geregelter Tagesablauf und wenig zusätzliche Reize wie Besuch oder Fernsehen helfen ihnen dabei.

Frau hat Baby auf dem Arm und unterhält sich mit Ärztin im weißen Kittel und Stethoskop
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Den Arzt fragen.

Den Arzt fragen.

Der Kinderarzt kann mögliche Erkrankungen als Ursache ausschließen. Denn auch die können für den Stress des Babys sorgen, etwa wenn es Schmerzen durch eine Fehlstellung oder Entzündung hat oder Blähungen wegen einer Allergie.

Vater mit Brille hat drückt seine Wange an schreiendes Baby, das er im Arm hält.
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Körperkontakt.

Körperkontakt.

Körperkontakt und die Stimmen der Eltern fördern die Beziehung zu den Eltern und ihre Entwicklung. Auch in einem Schreianfall kann die Nähe zu Mama oder Papa beruhigend auf das Kind wirken. Nur wenige Babys sind berührungsempfindlich und reagieren eher negativ.

Die Seite "Trostreich" bietet eine Übersicht der Schreiambulanzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Weitere Informationen und Hilfe für Betroffene bietet auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 17. November 2017 | 10:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2017, 12:17 Uhr

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