Heizkosten: Zähler sollen bald aus der Ferne abgelesen werden

Bis 2026 müssen Vermieter entsprechende Heizkostenzähler nachrüsten. Verbraucher sollen mehr Informationen zu den Kosten bekommen und so effektiver sparen können. Verbraucherschützern geht die Regelung nicht weit genug.

Mieter kennen das jährliche Ritual: Die Heizungsableser kommen im Auftrag vom Vermieter vorbei und müssen dafür an jeden Heizkörper auch rankommen.

Was ist in der Heizkostenverordnung geregelt?

Techniker liest Heizkosten ab
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Bald könnte es den jährlichen Ablesetermin nicht mehr geben. Das sieht die neue Heizkostenverordnung vor, der heute der Bundesrat zugestimmt hat. Danach müssen die Zähler an den Heizkörpern in Zukunft aus der Ferne abgelesen werden können. Das soll so sicher passieren, dass niemand Fremdes diese Daten auslesen kann. Wird eine Heizung neu gebaut, müssen deren Zähler die neuen Vorgaben erfüllen. Bestehende Geräte müssen bis spätestens 2026 ausgetauscht werden. Die Regelung gilt für Gebäude mit gemeinschaftlich genutzten Heiz- und Warmwasseranlagen. Das können auch Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen sein. Einfamilienhäuser und Wohnungen mit eigenen Heizungssystemen wie einer Gasetagenheizung sind nicht betroffen.

Sind die neuen Zähler angebracht, sollen Mieter und Wohnungseigentümer einmal pro Monat Informationen über ihren Verbrauch erhalten. Das soll per Post, E-Mail oder auch in einer App möglich sein. Für die jährliche Heizkostenabrechnung gibt es auch neue Vorgaben. Verbraucher müssen in Zukunft vergleichen können, ob sie mehr oder weniger als im Abrechnungszeitraum davor verbraucht haben. Außerdem muss angegeben sein, wie viel andere, vergleichbare Nutzer für Heizung und Warmwasser im Schnitt verbrauchen. So sollen Verbraucher zu einem „bewussten und sparsamen Umgang mit Wärmeenergie angeregt werden“, heißt es in der Verordnung.

Was bringt die neue Verordnung bei den Heizkosten wirklich?

Die Heizkosten sind im Jahresvergleich um rund 30 Prozent gestiegen. Seit August haben über 100 Gas-Grundversorger Preiserhöhungen um durchschnittlich 19% Prozent angekündigt, meldet das Vergleichsportal Verivox. Das könne zu Mehrkosten von rund 270 Euro pro Jahr für Mieter führen. Verivox-Sprecher Lundquist Neubauer sagte MDR JUMP:

Verivox-Sprecher Lundquist Neubauer
Bildrechte: Verivox

Insofern ist es begrüßenswert, wenn Heizkostenabrechnungen künftig transparenter werden. Eine monatliche Kosten- und Verbrauchskontrolle kann dazu beitragen, eigene Änderungen im Heizverhalten schneller zu überprüfen, Erfolge aufzuzeigen und so letztlich helfen, die Heizrechnung zu senken.

Die neue Heizkostenverordnung löse aber ein wichtiges Problem nicht. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in einem energieeffizient sanierten Gebäude werden derzeit rund 800 Euro Heizkosten fällig. Auf 2.000 Euro Heizkosten kommen dagegen Mieter mit einer ähnlich großen Wohnung in einem weniger gut sanierten Gebäude. Vermieter können den Preis von aktuell 25 Euro pro Tonne CO2 komplett auf die Mieter umlegen. Vereinfacht gesagt werden also Mieter in schlecht gedämmten Häusern doppelt bestraft: Sie verbrauchen beim Heizen mehr Energie und müssen auf die dann auch noch höhere CO2-Preise zahlen. Das sollte aus Sicht von Verivox geändert werden. Vermieter schlechter sanierter Häuser sollten einen großen Teil der CO2-Kosten übernehmen müssen. Ähnlich argumentiert auch der Deutsche Mieterbund. Der fordert zudem für deutlich mehr Fördermittel für das Sanieren von Gebäuden als bisher. Sonst könne der Verbrauch für Heizung und Warmwasser nicht deutlich gesenkt werden.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte schon zeitig gefordert, die Kostenersparnisse durch das Fernauslesen der Zähler an Verbraucher weiterzugeben. In der Heizkostenverordnung ist geregelt, dass über die neu installierten Zähler auch Daten mit den Geräten anderer Hersteller ausgetauscht werden können. Das soll für mehr Wettbewerb unter den Ablesediensten sorgen und auch verhindern, dass einzelne Unternehmen enorme Preissteigerungen durchsetzen. In drei Jahren soll überprüft werden, ob Verbraucher durch die neuen Regeln mehr Kosten als bisher haben oder nicht. Das hatte der Bundesrat gefordert. Das Bundeskabinett muss diese Forderung noch in die Regelung einarbeiten und diese dann bestätigen. Dann gelten die neuen Vorgaben.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 05. November 2021 | 10:30 Uhr

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