Heizkosten 2019 leicht gestiegen: Wie kann man sparen, ohne zu frieren?

11.02.2020 | 13:35 Uhr

Die Heizkosten sind für die meisten Verbraucher im letzten Jahr leicht nach oben gegangen. Auch wenn das Jahr vergleichsweise warm und die meisten Wintermonate mild waren. Mit diesen Tipps kann man die Heizkosten aber deutlich senken.

Temperatur regeln am Heizkörper
Bildrechte: imago images / imagebroker / Stefan Kiefer

Mieter können sich schon mal auf höhere Nebenkosten einstellen, Hausbesitzer müssen etwas tiefer in die Tasche greifen: Die Heizkosten sind im letzten Jahr nach zwei Analysen der Vergleichsportale Verivox und Check24 etwas hochgegangen. Die Portale haben in zwei unabhängigen Untersuchungen Wetter- und Energiepreisdaten für das letzte Jahr ausgewertet: Danach mussten Verbraucher zwei bis drei Prozent mehr Heizenergie aufwenden als im Vorjahr.

Warum sind 2019 die Heizkosten gestiegen?

Winterimpression an der Elbe bei Roßlau.
Bildrechte: Petra Hagendorf

Weil der Januar kalt und schneereich und der Mai kühl war, wurde trotz eher milder Temperaturen am Ende doch mehr geheizt als im Vorjahr. Zudem sind die Gaspreise gestiegen. Damit zahlt beispielsweise ein Vier-Personen-Haushalt mit Gasheizung rund acht Prozent mehr bei den Heizkosten. Das sind aufs Jahr gerechnet etwas mehr als 70 Euro. Wer dagegen in einem Haus mit Öl-Heizung wohnt, muss nicht ganz so hohe Steigerungen verkraften: Öl war kaum teurer als im Vorjahr. Damit zahlt der Musterhaushalt laut den Portalen rund 20 bis 30 Euro mehr. Spätestens von 2021 an müssen Verbraucher laut Check24 noch einmal mit höheren Kosten für die Heizung rechnen: Bei CO2-Preisen von 25 Euro pro Tonne wird ein Musterhaushalt bei einer Gasheizung mit 120 Euro pro Jahr zusätzlich belastet, bei Öl sind es geschätzt 160 Euro. Lasse Schmid, Geschäftsführer von Check24 sagte:

Weil für Heizöl höhere Emissionen veranschlagt werden als für Gas, kommen auf Verbraucher mit Ölheizung höhere zusätzliche Kosten zu.

Wie kann man die Heizkosten senken?

Im Internet wird in Blogs und verschiedenen Foren geraten, die Heizkörper mit Bürste, Staubwedel oder sogar Dampfreiniger regelmäßig vom Staub zu befreien. Der Dreck schränke die Leistung der Heizkörper so stark ein, dass die Kosten um bis zu 30 Prozent nach oben gehen können. Dirk Trappe, Energieexperte von der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (kurz: LENA), hält wenig von diesem Tipp:

Dazu gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung. Der Heizkörper wird aufgeheizt, egal ob der schmutzig ist oder nicht. Auch Dreck oder Staub werden mit warm gemacht.

Trotzdem sollte auch ein Heizkörper auch mal mit einer Bürste oder mit etwas Warmwasser und Seife gereinigt werden. Wirklich viel spart man so bei den Heizkosten aber nicht ein. Energieexperte Trappe rät, eher die klassischen Tipps zum Sparen bei der Heizung zu beachten. Das machen aus seiner Sicht viel zu wenige.

Heizung nicht ganz ausmachen

Wenn keiner zu Hause ist, bleibt bei vielen die Heizung aus Spargründen einfach aus. Allerdings kühlen Wände, Decke und Fußböden viel zu stark aus. Wer wirklich sparen will, dreht besser den Regler auf zwei oder auf die Stufe zwischen zwei und drei. Dirk Trappe sagt:

Dann verbraucht der Heizkörper sehr viel Energie, um den Raum wieder behaglich zu bekommen. Besser nutzt man die Absenkungsmöglichkeiten auf dem Regler und dreht den nicht auf Null, sondern auf 18 Grad und wenn man nach Hause kommt wieder auf 22.

Rund um Heizung Platz lassen

In vielen Wohnungen steht das Sofa direkt vor der Heizung. Vorhänge oder Regale verdecken häufig auch den Heizkörper und damit auch das Thermostat.  

Vorhänge verdecken eine Heizung.
Bildrechte: imago images / fStop Images

Das misst die Raumtemperatur und im Teil dahinter gelangt warmes Wasser in den Heizkörper, das den Raum aufheizt. Wenn da Vorhänge oder ein Sofa davor sin, kann die Heizung ihre Wärme nicht abgeben und die Raumtemperatur kann nicht richtig gemessen werden.

Richtig lüften

Mehr als zehn Liter Feuchtigkeit fallen in einem Mehrpersonen-Haushalt jeden Tag an und die müssen raus. Am besten mehrmals pro Tag mit fünf Minuten Stoßlüften: Fenster weit aufmachen und die Heizung dafür kurz abdrehen. Damit entweicht die verbrauchte Luft, die Wärme in Wänden und Möbeln bleibt aber erhalten.

In vielen Haushalten und Büros sieht man vollgestellte Fensterbretter, in den Büros. Die bekommen das Fenster gar nicht richtig auf. Bei angekippten Fenstern wird die Raumluft aber gar nicht besser.

Welche Heizkosten sind normal?

Mieter oder Hausbesitzer können auf verschiedenen Wegen herausfinden, ob ihre Heizkosten angemessen oder im Vergleich mit anderen zu hoch sind. Etwa weil der Vermieter auf eine veraltete Heizanlage setzt oder ob der Ölbrenner im Haus gereinigt oder überholt werden muss. Beim Vergleich hilft etwa der Deutsche Mieterbund, die Internetseite Heizspiegel. Dirk Trappe sagt:

Im Heizspiegel sind Kosten, Verbrauch und CO2-Emissionen aufgeschlüsselt, für eine 70-Quadratmeter-Wohnung und das Abrechnungsjahr 2018.

Danach kann jeder für sich ausrechnen, ob die Heizkosten für die eigene Wohnung im Schnitt liegen. Auch der Heizspiegel-Flyer hilft beim Vergleich. Den geben Mietervereine, Stadtwerke und Kommunen kostenlos aus. Volker Drusche, Energieberater der Verbraucherzentrale Thüringen hat noch einen weiteren Tipp:

Man könnte sich eine neutrale Beratung einholen, etwa indem man bei der Verbraucherzentrale einen Gebäudeenergiecheck oder einen Detailcheck oder einen Heizungseignungscheck machen lässt.

Alte Gasheizung
Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Diese Heizungschecks kosten je nach Verbraucherzentrale zwischen zehn und vierzig Euro. Sie werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert – sonst wären sie deutlich teurer.

Ist mein Verbrauch gestiegen?

Bald sollen Mieter noch besser als bisher wissen, welche Heizkosten auf sie zukommen und ob ihr Verbrauch kurzfristig gestiegen ist. Das schreibt die neue Energieeffizienzrichtlinie der EU vor. Danach sollen Bewohner von Mehrfamilienhäusern ab Ende Oktober 2020 einmal pro Vierteljahr Informationen über ihren Verbrauch und die damit verbundenen Kosten anfordern können, wenn in ihrem Gebäude digitale Zähler verbaut sind. Sie können auch aus der Ferne ausgelesen werden. Ab 2022 sollen Bewohner von Mehrfamilienhäusern mit digitalen Zählern diese Angaben dann monatlich bekommen.

Mit Material von dpa und AFP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 11. Februar 2020 | 17:40 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP