Erdgas: Heizen wird in diesem Winter teurer

Angesichts der herbstlichen Temperaturen haben viele Menschen ihre Heizung wieder aufgedreht. Doch die Gaspreise sind so hoch wie lange nicht mehr. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Versorger ihre Preise erhöht oder bereits Erhöhungen angekündigt.

Eine Hand dreht am Thermostat einer Heizung
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Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt mit Gas. Laut Berechnungen des Vergleichsportals Verivox wird das aber immer teurer. Die Preise sind so hoch wie zuletzt 2016. Lundquist Neubauer beobachtet die Gaspreise für das Vergleichsportal und erzählt gegenüber dem MDR, dass bislang kein einziges Unternehmen die Preise für das nächste Jahr senken wolle. Einige von ihnen hätten ihre Tarife sogar erhöht bzw. Erhöhungen angekündigt – auch in Mitteldeutschland.

Hervorzuheben wären die Stadtwerke in Dresden. Die erhöhen um neun Prozent. Die Gasversorgung in Görlitz steigt um 14 Prozent. Und besonders stark ist der Anstieg in Stendal. Da geht es 25 Prozent nach oben. Für eine Familie mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden sind das 352 Euro mehr im Jahr.

Warum steigen die Gaspreise?

Einerseits lassen sich die Preise durch den höheren CO2-Preis erklären, der im Rahmen des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung eingeführt wurde. Diese Erhöhung geben viele Energieversorger einfach direkt an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Außerdem ist Gas auf dem Weltmarkt aktuell ziemlich teuer. Wer kurzfristig bestellt, muss fast sechsmal so viel wie im Sommer 2020 bezahlen. Viele Stadtwerke haben zwar langfristige Liefervereinbarungen, doch auch die Preise für das kommende Jahr liegen über dem langjährigen Durchschnitt. Der Gasmarkt-Experte Heiko Lohmann erklärt gegenüber dem MDR, dass das Angebot fehle.

Die Speicher sind nach dem vergangenen Winter sehr leer gewesen und müssen gefüllt werden. Und zum zweiten haben sie eine sehr hohe Nachfrage nach Erdgas zur Stromerzeugung. Das hängt unter anderem auch mit dem schon begonnenen Kohleausstieg zusammen.

Russland liefert weniger Gas

Europa fördert immer weniger Gas selbst. Die Reserven der Niederlande werden weniger, ähnlich sieht es in Großbritannien aus. Laut Lohmann liefert Russland gerade außerdem weniger Gas, als es sich viele wünschen würden. Das könne daran liegen, dass der russische Gaskonzern Gazprom im Moment nicht mehr liefern könne, da auch die russischen Gasspeicher leer seien und gefüllt werden müssten. Experten vermuten aber, dass Gazprom mit geringeren Lieferungen Druck machen will, damit die viel diskutierte Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 fertiggestellt wird. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies diese Vermutung zurück. So oder so: Gas ist vorerst deutlich teurer als in den Jahren zuvor.

Wird Gas jetzt im Winter knapp?

Laut dem Geschäftsführer des Speicher-Branchenverbands, Sebastian Bleschke, könne es in Zeiten hoher Nachfrage zu einer Versorgungsunterbrechung kommen, wenn die Gasspeicher nicht ausreichend befüllt sind. Aktuell bestehe aber keine Gefahr für eine Versorgungslücke. An den hohen Preisen wird sich aber voraussichtlich nichts mehr verändern. Der Verivox-Energieexperte Thorsten Strock spricht sogar von einer größeren Gaspreiswelle in diesem Herbst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 20. September 2021 | 06:00 Uhr

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