Eine Hebamme kümmert sich um ein Frühchen
Bildrechte: Colourbox.de

In Mitteldeutschland fehlt es an Hebammen

28.08.2018 | 08:30 Uhr

Wer ein Kind kriegt, hat es nicht leicht. Einen Kreißsaal zu finden, in dem Platz ist, kann unter Umständen einer Odyssey gleichkommen. Der Verein Mother-Hood will das ändern.

Eine Hebamme kümmert sich um ein Frühchen
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Stell dir vor, du hast Wehen und musst erstmal eine dreiviertel Stunde fahren, um zur nächsten Hebamme zu kommen. Das ist in manchen Gegenden Mitteldeutschlands Alltag. Und es kommt noch schlimmer, wie Franziska Kliemt vom Verein Mother-Hood erklärt:

Dann wird gesagt: 'Ne, wir sind voll. Sie müssen woanders hin.' Und dann guckt man erstmal. Eine Geburt lässt sich ja nicht aufhalten. Das geht dann halt los.

Deshalb hat der Verein schon zu drastischen Maßnahmen gegriffen und Reisewarnungen für manche Landstriche ausgesprochen. Die Kreißsäle seien überfüllt, Hebammen überlastet. Gut die Hälfte der Frauen hat nach der Geburt außerdem keine Chance auf eine Wochenbettbetreuung. Heißt: Frisch gebackene Mütter müssen nach der Geburt selbst klarkommen.

Hebammen-Nachwuchs: Burnout nach fünf Jahren

Kliemt macht vor allem das Wirtschaftlichkeitsdenken der Landesregierungen dafür verantwortlich. Krankenhäuser müssten eine Mindestzahl an Geburten vorweisen können, damit die Kreißsäle weiter finanziert werden.

Wenn wir da schon Anfangen, über Wirtschaftlichkeit zu reden, dann finde ich das sehr fragwürdig.

Probleme gebe es auch beim Hebammennachwuchs. Der Beruf habe teilweise schreckliche Arbeitsbedingungen, sodass junge Hebammen nach der Ausbildung oft nicht weiter in dem Beruf arbeiten wollen, "oder sie sind nach fünf Jahren ausgebrannt." Auch hier wirft Kliemt dem Staat vor, seiner Rolle nicht gerecht zu werden:

Der Staat muss Daseinsfürsorge leisten: Das ist eine Grundversorgung, die muss - wie die Feuerwehr - überall vorhanden sein. Aber das ist einfach nicht gewährleistet.

In Sachsen-Anhalt will man das Problem fehlender Kreißsäle jetzt anders angehen. Seit 2000 hat dort ein Drittel der Geburtenstationen geschlossen. Hebammen sollen jetzt selbst Kreißsäle leiten. Kliemt hält das für eine gute Idee, wenn die Hebammen auch tatsächlich für die Frauen da sein können. Ärzte brauche es sowieso nur, wenn es bei der Geburt Komplikationen gebe, sagt sie.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 27. August 2018 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2018, 08:30 Uhr

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