Corona-Haustier-Boom: Aktuelle Lage in mitteldeutschen Tierheimen

Mit der Corona-Pandemie kam auch der Haustier-Boom. Während des Lockdowns wollten viele der Einsamkeit entfliehen und haben sich Haustiere zugelegt. Doch ist die anfängliche Freude über die tierische Gesellschaft nun schon verflogen? Und kriegen die Auffangstellen tatsächlich die gefürchtete Rückgabe-Welle zu spüren? Wir haben in mitteldeutschen Tierheimen nachgefragt.

Ein Hund sitzt angeleint an einem Zaun im Gras. Hinter ihm ist am Zaun ein Schild mit der Aufschrift "Tierheim" angebracht.
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Hunde, Katzen, Kaninchen, Kleintiere: Die Nachfrage nach Haustieren ist durch die Corona-Pandemie stark gestiegen. Der Lockdown mit all seinen Kontaktbeschränkungen ließ das Gefühl der Einsamkeit und der Langeweilge bei vielen steigen. Der Wunsch nach Abwechslung, Zuneigung und vor allem Beschäftigung wurde immer größer. Schließlich hatte man - mehr denn je - Zeit, sich um einen neuen Hausbewohner zu kümmern.

Doch mit der zurückkehrenden Normalität bleibt diese Zeit für die Vierbeiner mehr und mehr auf der Strecke. Noch im vergangenen Sommer fürchteten viele Tierheime hohe Rücklaufzahlen deswegen. Doch wie ist die Lage inzwischen?

Corona ist nur bedingter Auslöser für Überlastung

Der Haustier-Boom, der durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde, war in vielen Tierheimen spürbar. Das bestätigt auch Leiter des Tierheims Leipzig Michael Sperlich im MDR JUMP-Interview.

Der Tierbestand in privaten Haushalten ist zum Teil um mehr als 25 % gestiegen. Der Markt ist gesättigt.

Inzwischen sind allerdings viele Einrichtungen z. B. in Sachsen-Anhalt überlastet. Manch einer würde jetzt sagen, dass das an der hohen Rücklaufquote liegen muss. Doch daran liegt es nicht, verriet uns die stellvertretende Leiterin des Jenaer Tierheims Juliane Köber.

Zwar ist unser Tierheim auch voll belegt mit Hunden, Katzen und Kleintieren. Das hat bei uns aber nicht direkt mit der coronabedingten Mehranschaffung von Haustieren zu tun, sondern liegt eher an Sozialnotfällen wie Krankheit, Tod oder Berufswechsel.

Eine bedachte Vermittlung

Warum die Rücklaufzahlen aus eigener Vermittlung gering sind, erklärt Michael Sperlich folgendermaßen.

Wir haben immer gut bei der Vermittlung hingeschaut und jedes Mal darauf hingewiesen, dass es noch eine Zeit nach Corona – nach dem Homeoffice – geben wird.

Diese Vorgehensweise bestätigt auch Astrid Finger vom Tierheim Burg/Schartau im MDR JUMP-Interview.

Wir sind in der Vermittlung sehr genau. Die Menschen werden im Vorfeld gut abgeklopft. Daher passiert es nicht, dass Tiere aus Langeweile oder durch coronabedingte Gründe nur kurzweilig angeschafft werden.

Wie kann man am besten Tierheime unterstützen?

Bei der Beantwortung dieser Frage sind sich alle einig: gezielt nachfragen oder auf den Internetseiten der jeweiligen Heime nachschauen. Das liegt daran, dass sich die Bedarfe in den Auffangstationen von Einrichtung zu Einrichtung unterscheiden. Zwar stehen bei vielen Geld-, Futter und Sachspenden ganz oben auf der Liste, doch es lohnt sich konkret nachzufragen. Astrid Finger erklärt warum.

Es hilft uns wenig, wenn wir Futterspenden erhalten, die wir nicht verfüttern. Denn wir wollen unsere Hunde und Katzen, die schon genügend Stress ausgesetzt sind, nicht jede Woche auf neue Sorten umstellen. Auch bei Sachspenden ist es hilfreicher, wenn man sich vorher erkundigt, was genau gebraucht wird. Leider erreichen uns viele Sachspenden, die wir entsorgen und das kostet Zeit und Geld.

Nach Sinn und Verstand entscheiden

Michael Sperlich fügt noch einen weiteren persönlichen Appell hinzu, der für Arbeits- und Stressentlastung sorgt - sowohl für das Personal als auch für die Tiere selbst.

Zwei Katzen im Tierheim Dessau
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Schafft euch Haustiere nach Sinn und Verstand an. Denkt kritisch darüber nach und setzt euch mit der Verantwortung, die ihr übernehmt, auseinander. Manchmal ist der Anschaffungsverzicht eines Haustieres besser, weil uns dadurch Mehrarbeit erspart bleibt und es die Tiere weniger stresst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 14. Januar 2022 | 16:37 Uhr

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