Ärger mit dem Smartphone
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3G-Netz wird abgeschaltet: Millionen Handynutzer könnten Probleme bekommen

zuletzt aktualisiert: 05.09.2019 | 09:15 Uhr

Die ersten Antennen für das neue, schnelle Handynetz 5G werden schon gebaut. Nach und nach soll ganz Deutschland die neue Technik bekommen. Gleichzeitig bauen die Mobilfunkanbieter aber bereits ihre 3G-Netze ab. Damit könnten Handynutzer ohne LTE bald massive Probleme beim mobilen Surfen und Telefonieren bekommen.

Ärger mit dem Smartphone
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5G soll der neue Mobilfunkstandard werden. Dabei nutzen Millionen Handynutzer noch nicht mal die Vorgänger: Die heißen 3.9G (LTE) und 4G (LTE Advanced). Nach den letzten Zahlen von Ende 2018 werden von allen in Deutschland verwendeten SIM-Karten nur knapp die Hälfte mit LTE genutzt. Alle anderen Handynutzer sind in noch älteren Netzen unterwegs, etwa 3G (UMTS) oder sogar 2G (GPRS, Edge).

Günstige Verträge bald ohne Netz

Lange Zeit hatten große Netzanbieter wie Telekom oder Vodafone LTE fast ausschließlich für ihre eigenen Kunden reserviert. Diesen konnten sie ihre teureren Tarife verkaufen, weil die einen Geschwindigkeitsvorteil beim schnellen Internet boten. Wer sich einen Vertrag oder einen Prepaid-Karte bei einem günstigen, kleineren Anbieter holte, musste meist auf LTE verzichten. Das könnte jetzt zum Problem werden, sagt Daniel Pöhler vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip:

Daniel Pöhler, Experte für Telekommunikation von Finanztip
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Mit der ganz neuen Handygeneration 5G werden die alten Masten nach und nach abgeschaltet. Die Anbieter investierten auch gar nicht mehr großartig in die alte Technologien 3G und UMTS.

Telekom und Vodafone hätten bereits angekündigt, 3G Ende 2020 ganz abzuschalten. Der Finanztip-Experte rechnet aber eher mit 2021 oder 2022.

Schlechter Empfang, kein Internet

Das langsame Ende von 3G hat für viele Handynutzer mit älteren oder günstigen Verträgen spürbare Folgen. Dann müssen ihre Smartphones auf das alte Basisnetz 2G zurückgreifen, das weiter in Betrieb bleibt:

Das ist zum Telefonieren okay, aber zum Surfen beinahe unbrauchbar.

Von dem Problem sind vor allem Handynutzer in ländlichen Regionen betroffen. Der sei ohnehin jetzt schon schlechter mit Mobilfunk versorgt, sagt Daniel Pöhler:

Die Anbieter neigen auch dazu, die etwas ältere Technik auch im ländlichen Raum schneller oder eher abzuschalten oder eher zu vernachlässigen. Während in den Ballungszentren in den Großstädten die 3G Infrastruktur immer noch ziemlich gut ist.

Smartphone-Anzeige "Kein Netz"
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Laut dem aktuellen Netztest von Computerbild hat sich beispielsweise bei der Telekom die Versorgung mit UMTS schon jetzt spürbar verschlechtert. Handynutzer ohne LTE konnten in fast 57 Prozent der Zeit keine stabile Datenverbindung aufbauen.

Druck machen

Das Problem ist auch beim Bundesverkehrsministerium bekannt. Das sehe aber keine Notwendigkeit, Handynutzer ohne LTE zu schützen, berichtet das IT-Nachrichtenportal Golem.de. Die Behörde gehe davon aus, dass die Nutzer in Verträge mit LTE wechseln. Das ist laut Daniel Pöhler inzwischen auch für Kunden von günstigen Mobilfunkanbietern kein Problem mehr:

Egal ob Congstar, Lidl Connect oder Norma Connect: Die Discountanbieter bekommen jetzt nach auch die Möglichkeit, LTE-Tarife anzubieten. Da kann man dann als Kunde LTE gegen Aufpreis dazu buchen und bei manchen Anbietern bekommt man das automatisch dazu.

Auch bei Vertragsverlängerungen wird jetzt häufig die Möglichkeit angeboten, LTE kostenlos dazu zu bekommen. Alternativ kann man auch selbst beim Mobilfunkanbieter anrufen und nach LTE für die SIM-Karte fragen. Mit etwas Druck und Verweis auf einen möglichen Wechsel zur Konkurrenz bekommt man die LTE-Option vielleicht auch kostenlos dazu. Wer unsicher ist, ob Smartphone und Vertrag oder Prepaid überhaupt den schnelleren Standard unterstützen, muss nur aufs Handy schauen. Wenn das wenigstens zeitweise 4G oder LTE anzeigt, ist man vor Problemen wegen abgeschalteten Sendemasten sicher.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 05. September 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2019, 13:26 Uhr

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