5G-Vorzeige-Ort Barleben – Was kann diese Technik eigentlich?

Bis zu hundert Mal schneller als aktueller Mobilfunk, keine Signalverzögerungen: Die Versprechen für den neuen 5G-Standard sind groß. Bei uns experimentieren nun Firmen damit, was sie mit der Technologie anfangen können.

Mit den Kuscheltieren und dem Handy vor dem Baumhaus (Symbolbild)
Auch das soll in Zukunft mit 5G überall klappen: Videofonie vorm Bauhaus. Bildrechte: imago images / Westend61

Zur A2 ist es nicht weit, zur A14 ebenso wenig. Bisher war vor allem die Verkehrsanbindung ein Vorteil, der die rund 140 Unternehmen in den Technologiepark Ostfalen im sachsen-anhaltischen Barleben gezogen hat. Nun bekommt das 275 Hektar große Areal ein weiteres Plus. Auf dem Gelände soll in einem Pilotprojekt eine lokal begrenzte 5G-Netzinfrakstruktur entstehen.

Was ist möglich mit 5G auf dem Handy?

5G – das ist der neue Mobilfunkstandard, der bisher ungeahnte Datenraten im mobilen Netz ermöglichen soll, bis zu 100 Mal schneller als der aktuelle Standard LTE.  Für insgesamt sechs Milliarden Euro sind die nötigen Lizenzen an die höchstbietenden Telekommunikationsfirmen gegangen. Interessant ist der neue Standard nicht zwingend für Privatpersonen. Die können natürlich auf diese Weise viel schneller zum Beispiel Filme in HD downloaden. Allerdings würden sie im schlechtesten Fall einfach die Datenkontingente ihrer Mobilfunkanbieter binnen kürzester Zeit ausnutzen – und dann gedrosselt weitersurfen. Trotzdem können Privatkunden in einigen Orten bereits 5G nutzen, jetzt zieht die Industrie nach. "Mit 5G werden Dienste entstehen, die wir uns jetzt noch nicht ausmalen können", werben Mobilfunkanbieter.

Diskussion um 5G "an jeder Milchkanne"

Forschungsministerin Anja Karliczek hatte ja damit für Furore gesorgt, dass sie mal gesagt hat: "5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig". Dafür hatte sie viel Kritik einstecken müssen, auch von ihrer Kabinettskollegin Julia Klöckner. Die Landwirtschaftsministerin hatte in einem Interview erklärt:

Landwirtschaft ist digital und vernetzt, die moderne Milchkanne ist der Melkroboter und der temperaturregulierte Milchtank, die mit dem Handy des Landwirts vernetzt sind. Deshalb sage ich: Doch, jeder Stall muss die Möglichkeit zum Anschluss haben.

Blick von oben auf eine Kreuzung: Verschiedene Verkehrsteilnehmer (Fahrzeuge) tummeln sich da, blaue Pfeile zeigen die Richtung, in die sie sich bewegen, gelb-blaue Achtungszeichen symbolisieren Achtung vor anderen Verkehrsteilnehmern. Kleines Gerät vom DLR an Ampel.
Bildrechte: DLR/MDR WISSEN/Zinner

Weil bei 5G Daten so schnell übertragen werden, soll die Technologie unter anderem beim autonomen Fahren zum Einsatz kommen – und es möglich machen, dass die Autos untereinander kommunizieren. So könnten sie zum Beispiel Brems-, Beschleunigungs- und Lenkmanöver miteinander koordinieren und Zusammenstöße vermeiden.

Interessant ist die Technik auch für Unternehmen aller Art für die Vernetzung ihrer technischen Anlagen. Der Standard erlaubt es, weltweit 100 Milliarden Mobilfunkgeräte gleichzeitig anzusprechen. Firmen wie BASF, Siemens, Bosch, aber auch Automobilkonzerne wie Volkswagen, Daimler und BMW planen an ihren Standorten eigene 5G-Infrastrukturen.

Mittelstand im Blick

In Barleben soll dagegen gezielt der Mittelstand gefördert werden. Die Gemeinde ist eine von zehn Modellregionen in Deutschland, die Bundesregierung nimmt für das Projekt mehrere Millionen Euro in die Hand. Bürgermeister Frank Nase lobt den "großen Clou" für seine Gemeinde. Zuvor hatte er bereits erklärt, den in seinem Ort angesiedelten Unternehmen mit dem Politprojekt die Möglichkeit schaffen zu wollen, "den digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft als Wettbewerbsvorteil für sich nutzen zu können". Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hofft ebenfalls auf einen "Innovationsschub für die Region".

Das Konzept für das Pilotprojekt stammt vom Unternehmen Teleport aus Barleben. Dort will man das Vorhaben auch weiter begleiten. Auch andernorts bei uns in der Region will man beim 5G-Ausbau vorn mit dabei sein. So haben sich zum Beispiel auch Projekte aus Leipzig - hier will man vor allem im Umfeld des Leipziger Flughafens mit der neuen Technik arbeiten – oder dem sächsischen Rietschen um Förderung beworben. Im letzteren Fall soll 5G dabei helfen, mit einem Netzwerk aus Sensoren Waldbrände zu erkennen. Auch im Burgenlandkreis, dem Saalekreis und der Stadt Halle in Sachsen-Anhalt, den thüringischen Städten Eisenach und Ilmenau, dem sächsischen Torgau – überall hier wird gerade mit den Vorteilen von 5G experimentiert.

Mehr Basisstationen als bisher nötig

Aus Angst vor vermeintlichen Risiken durch Strahlung hat die Technik aber auch Kritiker. Dabei hat das Bundesamt für Strahlenschutz klargestellt, dass eine negative Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern – und damit auch Mobilfunkstrahlung – auf den Körper nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist. Jedenfalls wenn die Technischen Anlagen die Grenzwerte einhalten. Nur eine Erwärmung des Körpergewebes durch die Strahlung sei bekannt.

Richtig ist aber: Im Vergleich zu LTE braucht man bei 5G viel mehr Basisstationen als bisher. Die haben zwar eine geringere Leistung, müssen aber irgendwo installiert werden. Das mag am einen oder anderen Ort zu hitzigen Diskussionen führen. Im Technologiepark Ostfalen in Barleben freut man sich dagegen über die praktischen Einsatzmöglichkeiten.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 08. November 2020 | 07:00 Uhr

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