Öffentliche Toiletten Keimschleuder Händetrockner

23.04.2018 00:00

Einseifen, Abwaschen, Trockenpusten – so funktioniert ordentliches Händewaschen auf einer öffentlichen Toilette. Händetrockner galten bisher als praktisch und hygienisch. Weit gefehlt, hat nun eine US-Studie herausgefunden.

Eine Frau lässt sich unter einem Handtrockner die Hände trocken pusten
Bildrechte: IMAGO

In Kino, Café oder Fitnessstudio findet man ihn: den häufig verbauten Händetrockner. Ohne Frage, er ist praktisch. Denn innerhalb von Sekunden pustet er nasse Hände trocken und verursacht dabei keinen Müll. Kein Wunder also, dass er so häufig auf öffentlichen Toiletten zu finden ist.

Ganz so hygienisch wie bisher von vielen angenommen, ist das Gerät aber nicht. US-amerikanische Forscher haben gerade (mal wieder) in einer Studie herausgefunden, dass Händetrockner wahre Keimschleudern sind. Das Forscherteam um den Mikrobiologen Peter Setlow meint: Nach dem Trockenpusten könnten die Hände sogar schmutziger sein als vor dem Waschen.

Studienergebnisse: erschreckend und eklig

Im Versuch hatten sie Platten mit Nährböden für eine halbe Minute unter 36 verschiedene Händetrockner auf Damen- und Herrentoiletten gehalten. Kontrollproben lag einfach so für zwei Minuten auf den öffentlichen Toiletten der University of Connecticut School of Medicine herum. Das Ergebnis war ebenso erschreckend wie eklig: Auf den Platten, die unter den Luftstrom der Händetrockner gehalten worden waren, wucherten bis zu 60 Kolonien. Auf den Vergleichsplatten, die einfach nur herumlagen, war es im Schnitt weniger als eine Kolonie.

Porzellan-Urinale hängen in einer Reihe an der Wand einer öffentlichen Toilette
Bildrechte: Colourbox.de

Am Ende könnte es zwei relevante Möglichkeiten geben, warum gerade die Händetrockner für so viele Keime verantwortlich waren: Entweder die Trockner selbst waren mit Bakterien besiedelt oder sie haben die Bakterien aus der Luft einfach gezielt verteilt. Studienautor Peter Setlow vermutet Letzteres als Ursache. Er sagte dem Magazin Business Insider:

Je mehr Luft du bewegst, desto mehr Bakterien bleiben haften. Und es gibt jede Menge Bakterien in Toiletten.

Nach eigenen Angaben nutzt Setlow seit der Studie nun keine Lufttrockner mehr. Er greife nur noch auf Papierhandtücher zurück.

Nicht die erste Studie zum Thema

Das Ergebnis der Studie ist nicht ganz neu. Schon in der Vergangenheit hatten Untersuchungen gezeigt, dass die Gebläse dafür sorgen, dass mehr Keime auf die Hände gelangen. Allerdings waren diese Studien meist von Herstellern von Papierhandtüchern finanziert worden. Und es gab auch immer wieder Untersuchungen, die das genaue Gegenteil zeigten – die waren aber wiederum von Händetrockner-Herstellern in Auftrag gegeben worden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 24. April 2018 | 10:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2018, 00:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP