Nach Hackerangriff: Anhalt-Bitterfeld will Lösegeld nicht bezahlen

Eine Cyberattacke auf die Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld hat viel Chaos verursacht. Mittlerweile ist klar: Die Angreifer wollen Lösegeld für die geklauten Daten – doch für Landrat Andy Grabner ist Bezahlen keine Option.

Der html-Code für die Programmierung einer Internetseite ist auf dem Monitor eines Laptops zu sehen.
Bildrechte: dpa

Vor rund einer Woche wurde die Verwaltung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld Ziel eines Hackerangriffs. Dabei haben Kriminelle wichtige Daten verschlüsselt – mithilfe von sogenannter Ransomware.

Der neue Landrat Andy Grabner (CDU) betonte nun gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT, dass die Zahlung des zuvor geforderten Lösegelds keine Option sei. Eine Kreisverwaltung, die zum öffentlichen Dienst gehört, könne sich nicht erpressen lassen. Außerdem gebe es keine Garantie, dass die Daten danach wie zuvor verwendet werden könnten – und die Gefahr von weiteren Lösegeldforderungen bestehe.

Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt hatte bereits bekannt gegeben, dass sich die bisher unbekannten Angreifer gemeldet und Geld gefordert hatten, um die geklauten Daten wieder freizugeben. Die genaue Höhe nannte die Behörde nicht. Sechs- oder siebenstellige Beträge seien in solchen Fällen aber keine Seltenheit.

Erster Cyber-Katastrophenfall in Deutschland ausgerufen

Die Verwaltung ist seit dem Angriff praktisch arbeitsunfähig. Auf dem elektronischen Weg funktioniert nichts mehr, Anfragen können ausschließlich per Fax oder Telefon beantwortet werden. Viele Leistungen können ohne die geklauten Daten außerdem gar nicht erst bearbeitet werden. Nach dem Angriff wurden alle Server heruntergefahren – und der erste Cyber-Katastrophenfall in ganz Deutschland ausgerufen.

Andy Grabner
Bildrechte: dpa

Landrat Grabner sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass jetzt vor allem finanzschwache Familien an ihr Geld kommen müssten. Mithilfe von Banken und Sparkassen sollen Unterhalts- und Wohngeldzahlungen trotzdem in die Wege geleitet werden. Die Auszahlung von Kinder- und Arbeitslosengeld durch die Familienkasse Sachsen-Anhalt-Thüringen sei durch den Cyberangriff übrigens nicht eingeschränkt, so die Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg. Da die Systeme des Landkreises und Jobcenters nicht zusammenhingen, sei die fristgerechte und vollständige Auszahlung der Leistungen gesichert.

IT-Spezialisten bekämpfen Virus

Bereits seit dem Wochenende kümmern sich nun IT-Spezialisten aus verschiedenen Bundes- und Landesbehörden um die Bekämpfung des Virus. Außerdem sollen neue PCs, Sicherheitskopien und Daten anderer Behörden der Verwaltung dabei helfen, wieder handlungsfähig zu werden.

Kommunalverwaltungen seien immer wieder Ziel von Hackerangriffen, so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds Gerd Landsberg gegenüber dem MDR. Wichtig sei vor allem, dass die IT-Systeme und Sicherheitsvorkehrungen auf dem neuesten Stand seien.

Hackerangriffe sind keine Seltenheit

Anfang des Jahres war die Uniklinik in Düsseldorf Opfer eines ähnlichen Angriffs geworden. 2020 hatte es allein in Sachsen-Anhalt rund 290 Anzeigen wegen Cyber-Kriminalität gegeben, so Michael Klocke vom LKA Sachsen-Anhalt. In den USA hatten Hacker sogar kurzzeitig die Kontrolle über eine Ölpipeline und eine städtische Wasserversorgung übernommen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Nachrichten | 13. Juli 2021 | 21:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP