Sächsischer Lehrerverband: "Schreiben nach Gehör" verbieten!

28.03.2019 | 11:52 Uhr

"Mama ich liep dch" - nur nach dem Hören schreiben lernen? Das klingt etwas merkwürdig. Um die Methode ist bundesweit ein Streit entbrannt. In Nordrhein-Westfalen soll damit nun Schluss sein. Hier erfährst du, welche Erfahrungen Lehrer in Mitteldeutschland mit der Lernmethode gemacht haben.

"Somer", "Hunt" und "Fata" - mit solchen Schreibversuchen der Erstklässler soll künftig in Nordrhein-Westfalen wieder weitgehend Schluss sein. Die schwarz-gelbe Landesregierung leitet die Abkehr vom umstrittenen Prinzip "Schreiben nach Gehör" ein, mit dem Grundschüler bisher in den ersten beiden Klassen drauflos schreiben durften.

Schulen sollten Augenmerk auf Rechtschreibung legen

Künftig sollen Grundschüler einen Pflichtwortschatz von 533 Wörtern mit allen Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung beherrschen. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer:

Die Regeln der deutschen Rechtschreibung können und müssen von der ersten Klasse an gelernt werden. Schulstudien haben deutlich gemacht, dass zu viele Schülerinnen und Schüler die Rechtschreibung nicht gut genug beherrschen.

Künftig sollten Lehrer auch wieder verstärkt kontrollieren, dass Schüler von Anfang an richtig schreiben, hieß es im Schulministerium. Alle Schulen sollen im Deutschunterricht ein besonderes Augenmerk auf die Rechtschreibung legen. Die Methode "Lesen durch Schreiben", wie "Schreiben nach Gehör" in der Wissenschaft heißt, werde "auf die Anfangsprozesse des Schreibenlernens begrenzt".

Auch Brandenburger Schüler lernen wieder mit der Fibel

Auch alle Brandenburger Grundschüler lernen vom kommenden Schuljahr an wieder nach der Fibel-Methode lesen und schreiben. Künftig sollen dort verbindliche Lernzeiten organisiert werden, wo das Lesen und Schreiben geübt werden.

Der Grund: Im Herbst letzten Jahres ist eine Studie veröffentlicht worden, nach der Grundschüler deutlich besser abschneiden, wenn sie mit der Fibel lernen. Auch Jens Weichelt - Vorsitzender des Sächsischen Lehrerverbands - sagt im MDR JUMP-Interview:

Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes
Bildrechte: Stephan Wiegand

Wir stehen auf dem Standpunkt, dass die Schüler von Anfang an die richtige Rechtschreibung lernen sollten. Fehler sollten von Anfang an durch die Lehrer aufgezeigt und korrigiert werden, damit sich gar nicht eine falsche Rechtschreibung in den Köpfen der Schüler verfestigt.

Fakt ist: In Mitteldeutschland lernen nicht alle Schüler "Schreiben nach Gehör". Jens Weichelt erzählt, dass in Sachsen nur wenige Schulen nach dieser Methode unterrichten. Auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen sei dieses Lernverfahren eher selten. Lehrerin Katlen Worotnik von der Grundschule Blumenau Olbernhau ergänzt:

Zum Glück wird in Sachsen "Schreiben nach Gehör" nur selten eingesetzt, obwohl sie vielen Lehrern bekannt ist. Der Grund dafür ist, weil es in Sachsen so viele verschiedene Dialekte gibt. Und da stößt "Schreiben nach Gehör" an seine Grenzen.

Bei der Methode "Schreiben nach Gehör" dürfen Grundschüler meist in den ersten beiden Klassen nach Gehör schreiben, ab der dritten Klasse sollte die Rechtschreibung sitzen. Eltern sollten die Kinder anfangs möglichst nicht korrigieren, um sie nicht zu demotivieren. Bei der Fibelmethode werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben zunächst einfach eingeführt und komplexer erläutert.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 28. März 2019 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 11:52 Uhr

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