Grüner Pfeil an der Caspar-David-Friedrich-Straße, Kreuzung Teplitzer Straße in Dresden.
Bildrechte: IMAGO

Wird der grüne Pfeil abgeschafft?

18.10.2018 | 14:06 Uhr

Der grüne Pfeil ist eine der wenigen ostdeutschen Regelungen, die es auch ins wiedervereinigte Deutschland geschafft hat. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Der Fußgängerverband fordert seine Abschaffung.

Grüner Pfeil an der Caspar-David-Friedrich-Straße, Kreuzung Teplitzer Straße in Dresden.
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Bei Rot rechts abbiegen, das ist in vielen Ländern gang und gäbe. In Deutschland gibt es dafür den sogenannten "Grünpfeil", umgangssprachlich einfach "grüner Pfeil". Die Regel besagt, dass das Auto an einer roten Ampel komplett stehen muss, wie bei einem Stoppschild, ist der Weg frei, kann der Autofahrer rechts abbiegen.

Doch Radfahraktivisten und dem Fußgänger-Verband ist der grüne Pfeil ein Dorn im Auge, denn die wenigsten Autofahrer halten sich an die Regel, erklärt Frank Kutzner vom Fachverband Fußgänger aus Dresden:

Wenn Sie sich als Autofahrer richtig verhalten und an der Kreuzung mit grünem Pfeil anhalten, dann kann es passieren, dass Sie angehupt werden.

80 Prozent der Autofahrer sollen einfach so über die Kreuzung fahren, ohne richtig anzuhalten. Wird man dabei erwischt, kostet das eigentlich 70 Euro und bringt einen Punkt in Flensburg. Doch wird das nur unzureichend kontrolliert und geahndet, findet Frank Kutzner.

Bei Unfallhäufung kommt der Pfeil weg

Dabei hat der grüne Pfeil quasi einen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus: Kommt es an einer Kreuzung mit grünem Pfeil zu Unfallhäufungen, muss der Pfeil weg. Von Unfallhäufungen wird gesprochen, wenn es innerhalb von 36 Monaten mindestens zwei Unfälle mit Verletzten, drei Unfälle mit schwerem Sachschaden oder fünf Bagatell-Unfälle gegeben hat.

Da müssen erstmal ein paar Kinder umgefahren werden, damit die Stadtverwaltung sich bequemt, was zu ändern.

Frank Kutzner

Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer konnte zwar keine grundsätzlichen statistischen Auffälligkeiten feststellen, allerdings gebe es durchaus "einzelne Unfallhäufungen" an Kreuzungen mit grünem Pfeil. Für Frank Kutzner geht es allerdings nicht nur um Unfälle. Er kämpft dafür, dass Fußgänger auch ohne Angst im Straßenverkehr unterwegs sein können. Dass man als Fußgänger auch bei grün vorsichtig sein muss, ist für Kutzner ein fatales Signal.

Ganz weg soll der Pfeil nicht

Der grüne Pfeil ist für ihn ein Relikt aus einer anderen Zeit: Als er in den Siebzigern in der DDR einfgeführt wurde, waren in den Städten etwa drei Viertel der Menschen mit Bus, Bahn oder zu Fuß unterwegs. Damals sollte er eigentlich den Verkehrsfluss beschleunigen. Heute bringt der grüne Pfeil kaum Zeitersparnis, sagt Kutzner.

Ganz weg muss er aber nicht. Der Fußgängerverband möchte lediglich, dass er von Kreuzungen verschwindet, an denen auch Fußgänger unterwegs sind. In Gewerbegebieten habe der grüne Pfeil weiter seine Berechtigung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP die Feierabendshow | 18. Oktober 2018 | 14:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 14:06 Uhr

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