Sensation in Sachsen-Anhalt: Nachwuchs mit 85 Jahren

Es ist deutschlandweit das einzige Vorkommen von Grottenolmen: Die Hermannshöhle im Harz ist dafür bekannt, dass dort diese einzigartigen Tiere wohnen. Schon lange wird hier auf Nachwuchs gehofft. Jetzt könnte es bald so weit sein. Denn ein weiblicher Grottenolm trägt befruchtete Eier in sich.

Ein Grottenolm auf einem Felsen.
Aufgrund ihres Aussehens werden Grottenolme auch als "Menschenfischlein" bezeichnet Bildrechte: IMAGO/Nature Picture Library

Rübeland im Harz ist ein besonderer Ort. Er ist bekannt für seine Höhlen. Diese sind bei Touristen sehr beliebt, denn einige können besichtigt werden. Eine besondere Attraktion ist die Herrmannshöhle. Hier wurden erstmals vor gut 70 Jahren seltene Grottenolme aus Istrien ausgesetzt. Sie leben seitdem in einem der unterirdischen Seen. Viel ist über die rätselhaften Tiere nicht bekannt. Sie werden etwa 30 Zentimeter lang und offenbar älter als 100 Jahre. Grottenolm-Nachwuchs wurde im Harz bisher noch nie entdeckt. Aber er könnte bald möglich werden!

Ein Weibchen trägt befruchtete Eier

Die Betreiber der Höhle haben jetzt zusammen mit Forschenden des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung die Grottenolme untersucht. Dabei wurden drei Weibchen der Höhle begutachtet. Auf dem Ultraschallbild wurde dann klar: Ein Weibchen trägt vier befruchtete Eier in sich! „Wir konnten unseren Augen kaum trauen“, sagt Thomas Schult, der Chef der Rübeländer Tropfsteinhöhlen, in einer Pressemitteilung. Und dabei haben die Tiere, die aufgrund ihres Aussehens auch als „Menschenfischlein“ bezeichnet werden, bereits ein im Vergleich zum Menschen sehr hohes Alter erreicht. Von den sieben Grottenolmen, die in der Höhle leben, sind alle mindestens 85 Jahre alt.

Untersuchung der Grottenolme am 3.6.2020 in der Hermannshöhle
Ein Grottenolm bei der Ultraschall-Untersuchung Bildrechte: Rübeländer Tropfsteinhöhlen/A. Ipsen

Keine Garantie für die Geburt

Es könnte der erste Nachwuchs in der Höhle werden. Allerdings sind die Betreiber der Höhle vorsichtig. Denn auch vor knapp vier Jahren gab es einen ähnlichen Fund. Damals sind keine Nachwuchs-Olme geboren worden. Deshalb wurde die Höhle extra umgebaut, damit die Grottenolme mehr Rückzugsmöglichkeiten haben. In den kommenden Wochen sollen die Tiere nun in Ruhe gelassen werden, damit sich die Eier weiter entwickeln können. Wenn sie abgelegt wurden, werden sie von den erwachsenen Tieren entfernt. Sonst besteht die Gefahr, dass die Eier aufgefressen werden.

Ein Grottenolm im Olmensee der Hermannshöhle
Ein Grottenolm im Olmensee der Hermannshöhle Bildrechte: Rübeländer Tropfsteinhöhlen/U. Fricke

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 06. Juni 2020 | 12:40 Uhr

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