Grippeschutz für Kinder – Wie gut ist das Spray?

Ein Nasenspray statt einer Spritze, um Kinder vor Grippe zu schützen – in manchen Fällen kann das sinnvoll sein. Aber nicht in allen. Wir erklären, was man wissen muss.

Ein Erstklässler reagiert nach einer Impfung gegen Grippe mit Nasenspray
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Kinderärzte haben gerade einen Tipp: „Ich empfehle allen Eltern, ihre Kinder in diesem Jahr gegen Influenza impfen zu lassen“, sagt zum Beispiel Johannes Hübner von der Kinderklinik der Universität München. Der Mediziner leitet auch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.

Sein Argument: Es sei bekannt, dass Kinder das Influenzavirus maßgeblich übertragen. In Zeiten der Corona-Pandemie gebe es eine gesellschaftliche Verpflichtung zum Schutz anderer. Außerdem drohten auch den Kindern selbst ernsthafte Probleme, sollten sie an Grippe erkranken. Und im vergangenen Jahr gab es laut Robert Koch-Institut (RKI) immerhin 43.000 bestätigte Influenza-Infektionen bei Kindern unter 14 Jahren.

Eine Pflicht, seine Kinder zu impfen gibt es aber nicht, nur den Ratschlag. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt zum Beispiel: „Gleichzeitig eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften.“ Deswegen habe der Bund zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt. „Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun.“ Besonders raten Ärzte bei jungen Menschen zur Impfung, wenn diese Vorerkrankungen haben.

Lebendimpfstoff enthält abgeschwächte Viren

Doch was macht man, wenn die Kleinen partout nicht mit Spritzen klarkommen? Dafür gibt es seit einigen Jahren im Prinzip eine Lösung: Für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren gibt es ein Nasenspray zur Grippeimpfung. Es heißt „Fluenz Tetra“ und stammt vom Hersteller AstraZeneca. Im Gegensatz zu Grippeschutzimpfungen per Spitze, bei denen es sich um sogenannte Totimpfstoffe handelt, enthält das Nasenspray tatsächlich lebende, aber abgeschwächte Viren.

Zur Erinnerung: Totimpfstoff bedeutet, dass dadurch weder die Krankheit hervorgerufen werden kann, noch können Impfviren an Dritte weitergegeben werden. Bei einem Lebendvirusimpfstoff ist das anders. „Hier besteht in einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen nach Impfung die Gefahr der Virus-Übertragung auf stark immungeschwächte Personen“, heißt es bei RKI. Deshalb sollten Geimpfte zum Beispiel engen Kontakt zu Personen meiden, die kürzlich eine Knochenmarktransplantation bekommen haben.

Der Hersteller hat erklärt, dass der Impfstoff genetisch veränderte Influenzaviren enthält. Diese seien „dahingehend genetisch modifiziert, dass sie keine influenza-typischen Krankheitssymptome auslösen und sich kaum bei Körpertemperatur vermehren können. Dennoch können diese veränderten Viren zu einer Immunität führen“, so Unternehmenssprecherin Sabine Reinstädler. In sozialen Netzwerken kursierte zuletzt außerdem die Behauptung, das Nasenspray gegen Grippe enthalte Zellen von Affen und Hunden. Der Hersteller hat klargestellt, dass das nicht stimmt.

Keine Bessere Schutzwirkung durch das Spray

Einige Jahre lang galt das Spray laut einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission als Mittel der Wahl für Zwei- bis Sechsjährige. Doch inzwischen ist diese Empfehlung wieder zurückgenommen worden, das hatte wohl auch mit eher ernüchternden Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs in den USA zu tun. Eine bessere Schutzwirkung durch das Spray gibt es demnach nicht.

Ein Kinderarzt impft in seiner Praxis in Kaufbeuren einen Jungen
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Jetzt ist es so, dass Ärzte das Spray verordnen können, wenn sie medizinische Gründe dafür sehen. Das RKI führt da zum Beispiel eine Spritzenphobie oder Gerinnungsstörungen an. Entsprechend sagen auch die gesetzlichen Krankenkassen, hier exemplarisch die Barmer: „Ihr Arzt beurteilt, ob Ihr Kind zu den gesundheitlich gefährdeten Kindern zählt, bei denen eine Impfung mit dem Nasenspray ratsam ist.“ Also: Das Spray wird für die Kinder von gesetzlich Versicherten nur dann von den Kassen gezahlt, wenn es einen konkreten medizinischen Grund gibt.

Man kann ihn nach Absprache mit dem Arzt natürlich aus eigener Tasche zahlen, das wären für Impfstoff und das Spritzen etwa 40 bis 50 Euro. Die Frage ist aber, warum man das machen sollte, wenn die Spritze genauso gut wirkt und kostenlos ist.

Einen vollständigen Schutz gibt es nicht

Was man auch noch wissen sollte: Eine Grippeschutzimpfung schützt nicht unter allen Umständen vor einer Infektion. Sie senkt nur das Risiko um, sagen wir, 50 bis 75 Prozent. Das hat damit zu tun, dass jedes Jahr neue Stämme des Erregers kursieren. Die Impfstoffhersteller müssen sozusagen Anfang des Jahres erraten, welche Virenvarianten im Herbst und Winter die gefährlichsten sind und ihre Impfstoffe entsprechend auslegen. Diese Prognose klappt in manchen Jahren besser als in anderen.

Aber: Selbst wenn man nicht komplett geschützt ist, sollte man als Geimpfter bei einer Grippe-Infektion auf jeden Fall mit einem deutlich milderen Verlauf der Erkrankung rechnen können. Geimpft werden sollte vor dem Start der großen Grippewelle, also zum Beispiel im Oktober oder November. Nach der Impfung dauert es zehn bis 14 Tage, bis der Körper den Impfschutz tatsächlich aufgebaut hat.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 06. September 2020 | 12:40 Uhr

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