Regionale Engpässe beim Grippeimpfstoff

21.11.2018 | 14:25 Uhr

In Teilen Deutschlands müssen Arztpraxen und Patienten derzeit auf den Grippeimpfstoff warten. Unter anderem auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Impfstoff ist eigentlich genug da, sagt das zuständige Paul-Ehrlich-Institut, aber nicht überall gleich verfügbar.

Ein Arzt hält in der einen Hand einen aufgeschlagenen Impfausweis und in der anderen eine Impfspritze
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Dieses Jahr lassen sich weit mehr Menschen gegen Grippe impfen, als im vergangenen Jahr. Das führt zu regionalen Engpässen bei den Impfstoffen. Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbands, sagte MDR JUMP:

Die Situation ist so in Thüringen, dass wir derzeit von den Grippeimpfstoffherstellern keine Ware mehr bekommen. Der Großhandel hat noch vereinzelt kleine Mengen, die dann schnell von den Apotheken vergriffen werden. In den Apotheken sind teilweise noch Restmengen an bestellter Ware vorhanden.

Dass die Lager der Hersteller leer sind, bedeute allerdings nicht zwangsläufig, dass zu wenig Impfstoff da sei. Der Impfstoff befinde sich irgendwo zwischen Großhandel, Apotheke, Arzt, Kühlschrank oder auch schon beim Patienten, sagt eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts. Das Institut stellt in diesem Jahr rund 15,3 Millionen Dosen des Vierfach-Impfstoffs bereit.

Bundesgesundheitsminister Spahn lockerte, laut Medienberichten, angesichts der regionalen Engpässe die Vorschriften für die Beschaffung. Zum Beispiel dürften sich Apotheken und Praxen gegenseitig mit Impfstoff versorgen. Auch könne aus anderen EU-Ländern Nachschub geholt werden, wenn dies nötig sei.

Impfstoff reicht für Risikogruppen

Der Apothekerverband Thüringen beklagt, dass Apotheker und Ärzte allerdings teilweise nicht genügend Impfstoff vorbestellen konnten. Das führe zu regionalen ungleichen Verteilungen. Lange Zeit war nicht klar, ob die Krankenkassen den Vierfach-Impfstoff übernehmen. Stefan Fink: "Die Apotheken konnten nicht vorbestellen, ohne ein wirtschaftliches Risiko einzugehen." Die Situation in Sachsen stelle sich ähnlich da. In Sachsen-Anhalt wurde laut AOK viel Impfstoff vorbestellt. Der Apothekerverband Sachsen-Anhalt berichtet allerdings, dass es absehbar zu Lieferengpässen im Land komme. Die Vorbestellungen würden nicht dem momentanen Bedarf entsprechen.

Allerdings gäbe es keinen Grund zur Panik, so Fink:

Es wird vielleicht zwei, drei Tage dauern bis der Impfstoff ankommt. Das funktioniert schon noch für die Patienten, die sich impfen lassen wollen. Wenn sich aber plötzlich noch mal eine große Bevölkerungsschicht, die über dem Maß vom Vorjahr liegt, impfen lassen will, dann wäre nicht genug Impfstoff auf die Schnelle da.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt vor allem folgenden Gruppen sich gegen Grippe impfen zu lassen: Menschen über 60, Schwangere, chronisch Kranke und medizinisches Personal.

Nicht zu lange auf das Impfen warten

Wer vor hat, sich gegen Grippe impfen zu lassen, sollte das schnell tun. Das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie teilte auf Anfrage von MDR JUMP mit, dass regionale Lieferengpässe bekannt seien. Es empfiehlt Interessierten, möglichst zeitnah einen Impftermin mit dem Hausarzt zu vereinbaren: "Für die laufende Saison sind bundesweit etwa 15,7 Millionen Impfdosen vorhanden, eine Million mehr als in der Vorsaison. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass in einer fortgeschrittenen Phase der Impfsaison Impfstoffe nicht mehr verfügbar sind."

Sollte ein Hausarzt mitteilen, dass er den Impfstoff derzeit nicht habe, sollte man bei anderen Ärzten nachfragen. "Der Austausch unter den Ärzten soll auch ermöglicht werden", erklärt Fink, "Oder dann in verschiedenen Apotheken nachfragen. Denn die Apotheken haben noch Restmengen."

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 21. November 2018 | 19:10 Uhr

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