Rathaus in Görlitz
Der Kampf ums Görlitzer Rathaus geht in die entscheidende Runde. Bildrechte: imago/Jürgen Ritter

Sachsen Görlitz: Nach der Bürgermeisterwahl ist vor der Landtagswahl

Am Sonntag wählt Görlitz einen neuen Oberbürgermeister. Es ist die zweite Runde, nachdem im ersten Durchgang kein Kandidat die Mehrheit bekam. Es treten an: Octavian Ursu von der CDU und AfD-Kandidat Sebastian Wippel. Er erhielt im 1. Wahlgang die meisten Stimmen und könnte erster Oberbürgermeister der AfD werden. Deshalb erregt die Wahl bundesweit Aufmerksamkeit und selbst Hollywood-Stars, die in Görlitz gedreht haben, meldeten sich zu Wort. Und die Landtagswahl im Herbst schwingt ebenso mit.

von Astrid Wulf, MDR AKTUELL

Rathaus in Görlitz
Der Kampf ums Görlitzer Rathaus geht in die entscheidende Runde. Bildrechte: imago/Jürgen Ritter

Die Terminkalender der zwei verbliebenen Oberbürgermeister-Kandidaten in Görlitz sind voll in den Tagen vor der Entscheidung – nicht nur wegen der zahlreichen Journalistenanfragen aus ganz Deutschland.

CDU-Kandidat Ursu: Bin innerlich gestärkt

Ein Mann schaut in die Kamera
Octavian Ursu Bildrechte: DIE PARTNER

Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, verteilt CDU-Kandidat Octavian Ursu selbstgegrillte Bratwürste in der Innenstadt. Auch zeigt er sich bei der Eröffnung einer Pflegeeinrichtung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auf die Wahl am Sonntag blickt der Trompeter Ursu optimistisch: "Ich bin innerlich sehr gestärkt. Und ich weiß, dass die Mehrheit am Ende das Beste für diese Stadt entscheiden wird. Ich respektiere das, egal, welche Entscheidung am Ende rauskommt." Was er macht, wenn er nicht gewählt wird, will Ursu nach der Wahl entscheiden. Noch bis September ist der Politiker mit rumänischen Wurzeln Landtagsabgeordneter. Vor fünf Jahren wurde er im Wahlkreis, zum dem die Stadt Görlitz gehört, direkt gewählt.

AfD-Kandidat Wippel: Ich stehe bereit

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm liegen ein Hefter und Stifte
Sebastian Wippel Bildrechte: AfD Görlitz

Ebenfalls im Landtag sitzt sein Gegenkandidat im Kampf ums Rathaus, der Kommissar Sebastian Wippel von der AfD. Auch er akzeptiert, wenn die Mehrheit keinen AfD-Bürgermeister will, bekräftigt er in seinem Büro unweit des Görlitzer Bahnhofs. "So, wie es kommt, ist es okay. Ich stehe bereit, ich will es machen, sonst würde ich nicht antreten. Das wäre ein sehr deutliches Signal in Richtung Landtagswahl, denn es wäre das erste Rathaus, das wir aus eigener Kraft, auch mit der Partei im Rücken, ich sage mal, untechnisch, erobern können."

AfD bestimmt nach der OB-Wahl, wer für Görlitz kandidiert

Wenn er nicht zum Oberbürgermeister gewählt wird, könnte Wippel der CDU ein weiteres Mal gefährlich werden. Denn die AfD legt erst Ende nächster Woche fest, wer bei der Landtagswahl am 1. September im Görlitzer Wahlkreis antritt. Hier will auch CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer um die direkten Wählerstimmen kämpfen. 2017 hatte er sein Bundestagsmandat im Wahlkreis Görlitz an die AfD verloren. Die Zuversicht will sich die CDU aber nicht nehmen lassen. Sachsens Generalsekretär Alexander Dierks: "Wir haben im Wahlkreis Görlitz mit Michael Kretschmer einen hervorragenden Kandidaten, Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten. Er genießt in der Bevölkerung großes Vertrauen. Natürlich geht es am 1. September bei der Landtagswahl darum, deutlich zu machen, dass die Menschen im Freistaat darüber entscheiden, ob Sachsen in den nächsten fünf Jahren stabil regiert werden kann."

Kampf ums Görlitzer Landtagsmandat

Im gleichen Wahlkreis wird auch die Grünen-Politikerin Franziska Schubert der CDU erneut Konkurrenz machen. Sie landete bei der Oberbürgermeisterwahl nur wenige Prozentpunkte hinter Wippel und Ursu auf Platz 3. Eine Stichwahl mit nur den ersten beiden Kandidaten gibt es nicht. Daher hätte Schubert im 2. Wahlgang noch mal antreten können. Zu verzichten, damit nur noch zwei Kandidaten zur Wahl stehen, sei keine leichte Entscheidung gewesen, erzählt sie im Görlitzer Tierpark.

Sie nutzt die Zeit, um ihr Patentier zu besuchen, bevor der Kampf ums Landtagsmandat richtig losgeht: "Für den Ministerpräsidenten steht hier deutlich mehr auf dem Spiel als für mich. Natürlich erinnert diese Situation wieder ein Stück weit an das, was wir jetzt im Oberbürgermeisterwahlkampf erleben. Aber da muss ich dann auf niemanden Rücksicht nehmen." Erst mal ist aber auch sie gespannt, wer am Sonntag die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz gewinnt.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 12. Juni 2019 | 07:19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 11:44 Uhr

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