Ein blühendes Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) steht an einer Landstraße bei Amtzell in Baden-Württemberg.
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Killerpflanze verbreitet sich massiv in Mitteldeutschland

10.08.2018 | 11:59 Uhr

Sie sehen schön aus, blühen gelb - sind aber gefährlich. Das Jakobskreuzkraut und andere Giftpflanzen breiten sich immer weiter aus. Wir klären, wie du die Pflanzen erkennst und wie du dich schützen kannst.

Ein blühendes Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) steht an einer Landstraße bei Amtzell in Baden-Württemberg.
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Das giftige Jakobskreuzkraut breitet sich in vielen Bundesländern aus. Zu finden sei das gelbblühende Gewächs vor allem auf trockenen Wiesen und an Wegrändern, häufig auch in Bergbaufolgelandschaften. Magnus Wessel vom BUND im MDR JUMP-Interview:

In der Tat beobachten wir seit einigen Jahren, dass sich das Jakobskreuzkraut ausbreitet. Ich kenne Berichte aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das scheinen momentan die Schwerpunkte zu sein.

Aber auch bei uns in Mitteldeutschland wurde der Eindringling schon entdeckt. Funde gab es schon südlich des Thüringer Waldes, im Landkreis Nordsachsen und im Südharz. "Aber das sind noch Einzelfälle", erzählt Tina Baumgärtel von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft im MDR-Interview.

Man führt es auch auf Klimaveränderungen und Witterungsextreme zurück.

Klaus Gehring von der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising

Die Gründe für die Ausbreitung der Giftpflanze sind offenbar noch nicht ganz klar. "Was sich sagen lässt, ist, das insbesondere dort, wo intensiv Tiere weiden und die Grasnarben Lücken aufweisen, dass das dann dort irgendwann sehr schnell und sehr gerne hochkommt", erzählt der Umweltexperte Wessel.

Gefahr für Mensch und Tier

Die gelb blühende Pflanze, die vor allem für Rinder und Pferde gefährlich werden kann, sei enorm "stresstolerant". Wenn es - wie in diesem Jahr - extreme Trockenheit gebe, fielen bewachsene Flächen plötzlich brach und das Kreuzkraut könne sich hier ansiedeln.

Die von den Kreuzkräuter produzieren sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind in hoher Dosis tödlich. Oft verläuft der Vergiftungsprozess bei Rindern und Pferden schleichend, denn die PAs schädigen nach und nach die Leber. Vor allem in getrocknetem Futter wie Heu oder Silage können die Pflanzen zum Problem werden. Denn hier werden die Bitterstoffe abgebaut, die normalerweise verhindern, dass Tiere die Pflanzen fressen. In Einzelfällen sind laut LfL bereits Rinder und Pferde erkrankt oder sogar gestorben.

Das Jakobskreuzkraut ist insbesondere problematisch, weil die Pflanze gefährlich für den Menschen ist.

Magnus Wessel vom BUND im MDR JUMP-Interview

Die sogenannten Pyrrolizidinalkaloide können beim Menschen schon in geringen Mengen langfristig Leberkrebs und in großen Mengen direkt einen Leberschaden verursachen. In Baden-Württemberg hat es vor Jahren sogar einen Todesfall mit Pyrrolizidinalkaloiden beim Menschen gegeben. Eine Frau habe während ihrer Schwangerschaft große Mengen eines Gesundheitstees getrunken, der eine Pflanze mit solchen Pyrrolizidinalkaloiden enthielt. Dadurch sei die Leber des Fötus so sehr geschädigt worden, dass das Kind kurz nach der Geburt verstarb.

Giftstoffe auch in Lebensmitteln gefunden

Die Giftstoffe tauchen inzwischen in geringen Mengen im Honig auf. In Schleswig-Holstein beispielsweise wurden in den vergangenen Jahren in Sommerhonigen deutlich mehr der Giftstoffe nachgewiesen. Trotzdem gibt Umweltexperte Wessel Entwarnung:

Da muss man in der Tat etwas aufpassen, was die Dosierung angeht. Grundsätzlich besteht da in Deutschland aber keine Gefahr, weil der Honig ausreichend kontrolliert wird. Da kann man also unbesorgt ins Regal greifen oder sich noch besser beim regionalen Imker versorgen.

Giftpflanzen im Garten

Auch andere Giftpflanzen wie etwa der Riesenbärenklau (besser: Herkulesstaude) sorgen immer wieder für Probleme - wenn sie in der Nähe von Kindergärten oder Sportplätzen, an Ufern oder Fahrradwegen auftauchen. Wenn die Sonne stark scheint, kann die Pflanze bei Hautkontakt starke Rötungen bis hin zu Verbrennungen und schwere allergische Reaktionen verursachen.

Die Herkulesstaude ist schon lange unterwegs in Deutschland. Die ist ein so genannter Neophyt. Bedeutet: Die wurde irgendwann mal in einem Garten oder Park angepflanzt und hat sich von dort ausgebreitet.

Magnus Wessel vom BUND im MDR JUMP-Interview

Im Gegensatz zur Ambrosia-Pflanze gebe es für Kreuzkräuter und Bärenklau keine Überwachungsprogramme und keine Bekämpfungspflicht. Übrigens: Früher wurde das Jakobskreuzkraut als klassische Pionierpflanze von den Straßen- und Autobahnmeistereien im Straßenbegleitgrün eingesetzt. Inzwischen sei es in den Ansaatmischungen nicht mehr enthalten. «Man hat dazugelernt», sagt Gehring.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 12. August 2018 | 13:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 11:59 Uhr

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