Immer verbunden: Bruder und Schwester
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"Streiten ist gesund" So wichtig sind unsere Geschwister für unsere Entwicklung

01.06.2018 | 10:24 Uhr

Freunde können wir uns aussuchen, Geschwister nicht. Aber egal, wie oft wir uns streiten: Unsere Brüder und unsere Schwestern sind für uns das Wertvollste auf der Welt. Wie stark sie unser Leben beeinflussen, hat uns Buchautor Joachim Armbrust erklärt.

Immer verbunden: Bruder und Schwester
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Psychotherapeut und Erziehungsberater Joachim Armbrust hat selbst vier Geschwister und ist da der Zweitälteste: Damit weiß er schon aus eigener Erfahrung, welche große Rolle Geschwister in unserer Entwicklung spielen. Selbst wenn ihr Einfluss nicht immer positiv ist. Joachim Armbrust beruhigt Eltern: Streit unter den Kindern sei "gesund", normal und wichtig. Nur so könnten Kinder eine eigene Identität aufbauen und lernen, sich zu wehren.

Zwei Geschwister streiten sich.
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Wie stark prägen Geschwister einander?

Wie stark prägen Geschwister einander?

"Geschwister können sich fürsorglich begleiten, sie können sich hintergehen, sie können sich unterstützen", sagt Erziehungsberater Joachim Armbrust. Was Kinder mit ihren Brüdern und Schwestern erlebten und erlernten, begleite sie ein Leben lang. Was in der Kindheit an Strategien für die Geschwister erlernt wurde, das werde auch später im Leben immer wieder angewandt. "Die inneren Geschwister sind immer dabei!"

Eifersucht unter Kindern
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Welche Rolle spielt Eifersucht unter Geschwistern?

Welche Rolle spielt Eifersucht unter Geschwistern?

"Das gehört einfach dazu. Dass Kinder immer die Aufmerksamkeit und die Liebe ihrer Eltern wollen. Und wenn sie sehen, dass Eltern einem Geschwisterkind mehr Aufmerksamkeit geben, dann sorgen sie sich", sagt unser Experte. Dann würden Kinder viel dafür tun, dass sich das wieder ändert. Das sei auch wichtig: Aus ihrer Eifersucht auf Bruder oder Schwester heraus würden Kinder etwas für die anderen in der Familie machen. Um anerkannt zu werden. "Da entstehen Beziehungsmuster, die für das ganze Leben tragfähig sein können."

Großer Bruder, kleine Geschwister
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Müssen Erstgeborene wirklich die meisten Pflichten tragen?

Müssen Erstgeborene wirklich die meisten Pflichten tragen?

"Alle danach geborenen Kinder sind natürlich noch unreifer und brauchen mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit", sagt Erziehungsberater Armbrust. Eltern seien auch nur Menschen und würden dann natürlich Verantwortung weitergeben. Gern auch mit dem Satz: "Du bist doch der Große, der Vernünftige!" "Allerdings will ich mit fünf auch kein Vorbild sein und nur ein Kind sein und angenommen werden." Das sollten Eltern bei ihren Erstgeborenen mit beachten.

Mutter mit drei Kindern
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Warum fühlen sich Sandwichkinder oft benachteiligt?

Warum fühlen sich Sandwichkinder oft benachteiligt?

"Sie haben anders als Erstgeborene nie eine Zeitlang allein mit den Eltern gelebt. Und wenn Kinder nachkommen, dann bekommen die natürlich auch besondere Aufmerksamkeit. Weil die noch unbeholfener sind", sagt unser Experte. Eltern seien aber immer mit dafür verantwortlich, welche Rolle sie den "mittleren" Kindern geben. "Der Vater kann mit ihnen extra einen Ausflug machen oder die Mutter kann sich extra Zeit nehmen."

Kind mit Feenkostüm in einer Hängematte
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Haben Kinder ohne Geschwister im späteren Leben Nachteile?

Haben Kinder ohne Geschwister im späteren Leben Nachteile?

"Das hängt davon ab, was sie außerhalb der Familie für ein Umfeld haben", sagt Joachim Armbrust. Viele Einzelkinder würden schon früh in der Krippe oder Kita den Umgang mit anderen Kindern lernen. "Die haben dann Ersatz sozusagen, für die Geschwister. Da können sie sich auch erproben. Aber eben nur eingeschränkt – weil es nur in Teilbereichen stattfindet."

Ein Junge spielt allein mit einer PS4-Spielkonsole
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Stimmen die Vorurteile über Einzelkinder?

Stimmen die Vorurteile über Einzelkinder?

Kinder ohne Geschwister seien verwöhnt und egoistisch und könnten nicht teilen. An diesem Vorurteil ist aus Sicht von Erziehungsberater Armbrust etwas dran. "Auf Einzelkinder konzentrieren sich die Eltern. Sie bekommen also viel Aufmerksamkeit. Auch weil sie die ersten sind und erproben sich die Eltern immer noch." Das beeinflusse Kinder natürlich. Nicht umsonst spreche man auch von so genannten "Thron-Kindern".

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 02. Juni 2018 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2018, 10:24 Uhr

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