Tachometer eines Autos
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Da hilft kein Bremsen: Pilotprojekt zur Geschwindigkeitsüberwachung gestartet

14.01.2019 | 11:45 Uhr

Raser müssen sich warm anziehen: In Deutschland startet heute die Geschwindigkeitsüberwachung per "Section Control". Bedeutet: Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Fahrers wird über eine längere Strecke überwacht. Ein kurzer Bremser hilft da nicht mehr.

Tachometer eines Autos
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Das haben bestimmt viele schon einmal beobachtet. Beispielsweise am Hermsdorfer Kreuz, wo die A 9 auf die A 4 trifft. Schnell rauschen die Autos auf der Nord-Süd-Autobahn 9 an das Kreuz heran. Erst kurz vor der Autobahnbücke flackern hektisch Bremslichter auf. Der Grund: Ein Blitzer. Aber kaum sind die Fahrer an der Radaranlage vorbei, treten sie wieder auf´s Gas.

Stationäre Messanlagen sind nur kurz vor oder hinter dem Standort wirksam

Fest stationierter Blitzer.
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Knapp zwanzigtausend fest installierte Radaranlagen gibt es in Deutschland. Eine beachtliche Anzahl. Allerdings weisen Verkehrsexperten darauf hin, das damit nur ein sehr geringer Teil der deutschen Straßen überwacht werden, nur rund drei Prozent. Um Geschwindigkeitsüberschreitungen besser verfolgen zu können, fordern deshalb Experten seit mehreren Jahren die Einführung der so genannten "Section Control". Fabian Magerhans aus dem MDR JUMP-Verkehrszentrum:

Anders als normale Blitzer - die nur an einer Stelle blitzen - gibt es bei Section Control Kameras am Anfang und Ende der Strecke. Die ermitteln die Durchschnittsgeschwindigkeit. Wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten, löst das Radar aus und dokumentiert den Tempoverstoß!

Das System funktioniert folgendermaßen: Am Beginn und am Ende der Strecke werden Fahrzeug und Fahrer automatisch fotografiert. Zudem wird die Zeit für das Durchfahren des Abschnitts gemessen, um das Durchschnittstempo zu ermitteln. Also erfasst die neue Radaranlage das gefahrene Tempo nicht nur an einer Stelle, sondern ermittelt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einem längeren, zumeist unfallträchtigen Abschnitt, wo die Autofahrer vom Gas gehen sollen. Ist die Geschwindigkeit auf dem Streckenabschnitt zu hoch, gibt es Post von der Bußgeldstelle.

Section Control wird in Niedersachsen getestet

Dieses Verfahren wird seit dieser Woche in Niedersachsen bei Hannover getestet. Autofahrern droht damit auf der Bundesstraße 6 in Laatzen ein Strafzettel, wenn sie auf dem über zwei Kilometer langen überwachten Straßenabschnitt das Tempolimit missachten. MDR JUMP-Verkehrsredakteur Fabian Magerhans:

Fabian Magerhans aus dem MDR JUMP Verkehrszentrum
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Es soll die Abbremser entlarven. Also die kurz vor dem Blitzer auf die Bremse treten und dann wieder ordentlich Gas geben. Das ist es aber erstmal nur ein Pilotprojekt, das läuft bis zum Sommer 2020. Dann wird weitergeschaut was die neue Technik gebracht hat.

In anderen Ländern wie Italien oder den Niederlanden ist das Strecken-Radar längst erprobt. Auch in Österreich ist "Section Control" offenbar eine Erfolgsgeschichte. Die ersten Anlagen wurden 2003 in einem Tunnel der A22 und 2004 auf einem unfallträchtigen alpinen Abschnitt der A2 eingerichtet. Seither seien dort nur noch ein Prozent der Fahrer schneller unterwegs gewesen als erlaubt. Zudem waren die Kosten für die verhinderten Unfälle etwa fünf Mal höher als die Kosten für die Einrichtung und den Unterhalt der Anlagen.

Datenschutz hat die Einführung der "Section Control" verzögert

Das niedersächsische Strecken-Radar unterscheidet sich von der in den Nachbarländern eingesetzten Technik. Während dort das Fotografieren der Autos beim Einfahren und Verlassen des kontrollierten Abschnitts für den Datenschutz kein Problem darstellt, muss in Deutschland ein Schritt zwischengeschaltet werden. Das bei der Einfahrt erstellte Foto wird zunächst verschlüsselt, ebenso wie das zweite Foto beim Verlassen des Abschnitts. Nur wenn der Abgleich beider Bilder eine Tempoüberschreitung ergibt, wird ein weiteres, klassisches Blitzer-Foto mit dem Gesicht des Fahrers angefertigt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 14. Januar 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 11:50 Uhr

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