Weltspartag: Wo bekommt man überhaupt noch was für sein Geld?

Die Zinsen sind extrem niedrig, das Geld ist bei vielen wegen Corona knapp: Trotzdem kann man jetzt noch mit ein paar guten Strategien sein Geld vermehren, sagt der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Ein Junge kippt sein Sparschwein aus
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In Berlin beraten heute Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über einen möglichen neuen Lockdown, der für viele harte finanzielle Folgen haben könnte. Schon jetzt ist das Geld bei manchen knapp, die in von Corona betroffenen Branchen arbeiten. Zudem sind die Zinsen seit Jahren extrem niedrig und für Geld auf dem Girokonto entstehen oft sogar noch Kosten. Gleichzeitig geben Banken und Verbraucherschützer zum Weltspartag am Freitag (30. Oktober) Tipps, wie man Geld anlegt und das vermehrt. Für viele passt das nicht so richtig zusammen – doch Hermann-Josef Tenhagen sieht das anders. Wir haben mit dem Finanzexperten vom unabhängigen Verbraucherportal Finanztip gesprochen.

Herr Tenhagen, bei vielen ist das Geld sowieso schon knapp, weil sie weniger oder gar nicht arbeiten können: Lohnt sich in den Corona-Zeiten das Sparen überhaupt?

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Das lohnt sich schon ab fünf Euro. Ernsthaft. Und da kann man sich eine Strategie überlegen, wo man diese fünf Euro einsparen kann: Vielleicht wirklich ganz streng die Tank-App nutzen, wenn man mit dem Auto fährt. Das bringt pro Tankfüllung im besten Fall drei bis fünf Euro. Bei zwei Tankfüllungen im Monat ist das ein Zehner. Oder ich überlege, ob ich wirklich alle Accounts wie Netflix, Deezer, Amazon Prime brauche und nicht vielleicht mit einem weniger auskomme. Da muss ich auf nichts Relevantes verzichten und da bleibt bei fast jedem etwas Geld am Monatsende übrig.

Was mache ich mit diesem Betrag, den ich mir dann abgespart habe? Bei den Banken bekomme ich doch kaum noch Zinsen dafür.

Mit den normalen Konten ist es im Moment wirklich schwierig, Gewinn zu machen. Für Tagesgeldkonten können Sie vielleicht nur 0,4 Prozent im Augenblick bekommen. Wenn Sie so mittelfristig planen, das Geld anlegen für drei, fünf Jahre – dann ist ein Festgeldkonto das Richtige. Ich habe aktuell noch mal geguckt: 36, Monate, 0,75 Prozent 0,8 Prozent sind da drin. Die gibt es bei der Klarna-Bank, Varengold-Bank, Leaseplan-Bank oder bei der Renault-Bank. Das kann man tun.

Gibt es Möglichkeiten, noch mehr als das rauszubekommen?

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Ja, wenn man längerfristig unterwegs ist und das Geld zehn bis fünfzehn Jahre anlegt. Dann kann man auch über richtige Renditen reden. Aber dann leg ich das Geld am Aktienmarkt an und zwar in weltweite Aktienindexfonds. Da sagen viele Leute: Der Aktienmarkt geht ja jetzt gerade hoch und runter. Aber genau deshalb nimmt man solche Aktienindexfonds. Bei den klassischen vom MSCI World etwa sind 1.600 Firmen aus 20 Ländern drin. Und ob es da einer Firma nicht so gut oder doch gut geht, spielt dann keine Rolle. Und natürlich geht es am Markt auch rauf und runter. Aber wir haben es uns angeguckt, über den letzten 40 Jahre: Da hat man nach 15 Jahren noch nie einen Verlust gehabt. Und im Schnitt bekommt man nach 15 Jahren sieben Prozent Rendite pro Jahr.

Gerade jetzt in Krisenzeiten hört man es immer wieder: Das Geld sollte man am besten sicher anlegen und die sicherste Variante seien Immobilien und Gold. Wie schätzen Sie das ein?

Gold geht mindestens so rauf und runter wie Aktien, oft sogar noch mehr rauf und runter. Wir hatten 2011 einen sehr hohen Goldkurs. Und dann ist es so um vierzig Prozent runter gegangen. Jetzt haben wir im Augenblick wieder einen relativ hohen Gold Kurs. Aber der ist seit dem Sommer ist es auch schon wieder zehn Prozent runter gegangen. Das ist auch eine rein spekulative Angelegenheit und da würde ich auch nicht mein ganzes Geld reinstecken. Vielleicht nur einen Teil, zehn Prozent vom Ersparten – da hab ich nichts dagegen.

Wie sieht es bei Immobilien aus?

Arbeiter auf einer Eigenheim-Baustelle.
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Beim Haus der Träume muss man auch rechnen vor dem Kauf. Was würde ich bezahlen, wenn ich das nur miete? Wären das 1.000 Euro im Monat mit Nebenkosten, dann sind aufs Jahr gerechnet 12.000 Euro und das wären auf 20 Jahre gerechnet 240.000 Euro. Wenn ich das Haus oder die Wohnung für diesen Preis kaufen kann, für 240.000 Euro – dann passt das. Muss ich mehr bezahlen, also 300.000 Euro, dann ist das vielleicht schon keine gute Geldanlage mehr. Denn dann habe ich bezahlt, was ich über die lange Zeit fürs Haus ausgeben muss und dann darf aber zwischendrin nicht mal eine Dachrinne oder was anderes im Haus kaputt gehen.

Sparen hat für viele immer so ein bisschen was Langweiliges. Kann man das ändern – damit man vielleicht mehr dran bleibt?

Da kann man mit den Kindern anfangen: Ich habe das mit meiner Tochter durchprobiert auf dem Rummel. Die wollte dort unbedingt einen Spielhund haben und wir hatten aber schon viele Kuscheltiere zu Hause. Also hab ich mit ihr einen Deal gemacht: Sie spart ihr Geld und finanziert das mit dem Taschengeld. Und ich hab ihr das Geld dafür gegeben und sie hat ihren Hund vom Rummel bekommen.

Also sparen als Herausforderung?

Genauso! Einige packen 200 Euro am Monatsbeginn auf ein gesondertes Konto und sehen, ob sie trotzdem über den Monat kommen. Ohne in den Dispo zu gehen. Der ist ja teuer. Oder sie holen sich eine Spar-App und tragen ihre Ausgaben da ein und schauen nach zwei, drei Monaten mal drauf und sagen: Okay, hier müsste ich mit fünfzig Euro weniger über die Runden kommen. Um ein bisschen Geld zur Seite zu legen. Denn Sparen hat ja den einen wichtigen Zweck: Wenn es mal eng wird, wenn ich in Kurzarbeit muss oder der Kühlschrank oder das Auto kaputt geht, dass ich dann trotzdem nicht in den Dispo muss.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Oktober 2020 | 13:45 Uhr

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