Gehalt: Mit Anfang 50 schon das Maximum erreicht?

Hey Chef – ich brauch mehr Geld! Wer tatsächlich ein höheres Gehalt verhandeln möchte, sollte das eher früher als später tun. Hier die Begründung.

Ein Mann hält Geldscheine in seiner Hand
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Man muss ja leider immer mal wieder dran erinnern: Wir hier im Osten verdienen im Deutschlandvergleich im Schnitt weniger – und arbeiten länger. Auch mehr als 30 Jahre nach der Wende ist das noch so. Das zeigte sich erst in dieser Woche wieder, als die Bundestagsfraktion der Linken eine Auswertung zu Zahlen des Statistischen Bundesamtes veröffentlichte: Demnach bekommen Arbeitnehmer im Osten knapp sechs Euro weniger pro Stunde als Arbeitnehmer im Westen.

Der durchschnittliche Bruttostundenlohn liegt demnach bei 20,28 Euro im Vergleich zu 26,26 Euro. Auch wenn man speziell auf die Jobs mit Niedriglohnanteil blickt, ist der bei uns in der Region besonders hoch.

Wer sich jetzt vornimmt, seine Chefin oder seinen Chef nach mehr Geld anzuhauen, bekommt von uns hier einen praktischen Tipp: Macht das lieber früher als später! Nicht weil es logischerweise schön ist, lieber heute als morgen mehr Geld in der Tasche zu haben – sondern weil Euer Gehalt rein statistisch gesehen ab einem bestimmten Lebensalter nicht mehr steigt. Und dieses Alter kommt verblüffend früh, wie André Schaefer vom Karriereportal Stepstone kürzlich bei der Analyse von 250.000 Datensätzen herausgefunden hat.

Mehr Erfahrung übersetzt sich nicht immer in mehr Gehalt

Demnach erreichen die Kunden der Webseite ihr Gehaltsmaximum mit 52 Jahren. Nie vorher oder nachher bekommen sie mehr Geld von ihrer Firma überwiesen. Im Schnitt liegt diese Summe dann übrigens bei 58.539 Euro. Wobei man sich klarmachen muss, dass auf dem Portal tendenziell eher gutbezahlte Tätigkeiten vermittelt werden und nicht unbedingt Niedriglohnjobs. Von daher ist die Zahl sicher ziemlich verzerrt.

Wie lässt sich das vergleichsweis niedrige Alter zum Zeitpunkt des Maximalgehalts nun erklären? Heißt es nicht immer, wer länger dabei ist, bekommt wegen seiner größeren Erfahrung auch mehr Geld? Diese Erfahrung geht ja mit 53 nicht weg, im Gegenteil. Für den Effekt ist allerdings ein anderer Zusammenhang verantwortlich: „Es gibt viele Menschen, die sich zwischen 50 und 60 etwas zurückziehen, sich weniger stressige Positionen suchen und dann auch entsprechend weniger verdienen“, so Experte Schaefer. Außerdem würden die Leute gerade in akademischen Jobs schon zwischen 30 und 40 große Gehaltssprünge machen. Später seien die Möglichkeiten dann bereits ausgereizt.

Es gibt aber auch Ausnahmen

Ausnahmen gibt es aber der Untersuchung zufolge auch: bei wissenschaftlichen Karrieren, wo die Fachfrauen und -männer wegen der langen Ausbildungszeit erst spät so richtig ins Geschäft einsteigen – und bei Managern. Hier macht es sich bemerkbar, wenn man Personalverantwortung für viele Menschen hat. Das ist dann auch auf dem Gehaltszettel zu sehen.

Interessant ist übrigens, dass Frauen den Zahlen zufolge im Schnitt noch einmal deutlich früher ihr Gehaltsmaximum erreichen. Das hat wohl einerseits mit der Frage von Familiengründung, Teilzeit und so weiter zu tun. Denn ihre Arbeitsstunden reduzieren nach wie vor überdurchschnittlich oft die Frauen. Und es hat wohl außerdem damit zu tun, dass die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen erst so richtig aufgeht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte im vergangenen Jahr berichtet, dass sich der sogenannte Gender Pay Gap ab etwa 30 auftut. Konkret heißt das: Der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen liegt bei unter 30-Jährigen bei neun Prozent, bei Beschäftigten über 50 dann aber schon bei 28 Prozent.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 01. Mai 2021 | 09:20 Uhr

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