Warnung vor Waldspaziergängen: Lebensgefahr!

Ein Waldspaziergang ist meist entspannend und schön - aber er birgt auch so einige Gefahren. Forstbetriebe warnen vor herunterfallenden Ästen und Bäumen und die damit verbundene Verletzungsgefahr.

Wald-Spaziergang
Bildrechte: imago images / Westend61

In diesem Herbst ist es schon zu einigen Unfällen durch herabfallende Äste gekommen. Im Harz kam es sogar zu einem tödlichen Unfall durch einen abgebrochenen Buchen-Ast. Diese Gefahr sei in den letzten Jahren für Waldbesucher und -besitzer sogar gestiegen, erklärt Horst Sproßmann vom Thüringen Forst:

Horst Sproßmann vom Thüringen Forst
Horst Sproßmann vom Thüringen Forst Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Ursächlich ist der Klimawandel und die damit verbundenen Folgen für unsere heimischen Wälder. Die Dürre 2018, 2019 hat zur Vitalitätsschwächung und schließlich zum Absterben von Bäumen geführt. Das passierte sowohl bei Nadelhölzern, wie auch bei Laubhölzern. Zugenommen hat damit auch der Schädlingsbefall.

Denn durch die lange Trockenheit seien die Bäume bereits schon vorgeschwächt gewesen. Dann haben Insekten oder Pilze leichtes Spiel und die Bäume sterben ab.

Nicht genug Regen

Zwar sei der vergangene Sommer etwas niederschlagsreicher gewesen, doch um alle geschwächten Bäume komplett wieder aufzubauen, habe der Regen nicht ausgereicht, sagt Horst Sproßmann:

Wir haben regelmäßig Niederschläge gehabt. Insofern hat sich schon eine gewisse Erholung gezeigt. Wir haben ein intensives Waldboden-Monitoring. Dort stellten wir den Bodenwasser-Gehalt im Waldboden fest und wir konnten auf vielen Standorten inzwischen eine gewisse Wasser-Sättigung erkennen. Allerdings gibt es nach wie vor Regionen in Thüringen, vor allem im Thüringer Becken, die mit Bodenwasser unterversorgt sind.

Familie macht einen Waldspaziergang im Herbst
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Auch wenn die Zahl der betroffenen Bäume im Thüringer Forst nicht sehr groß ist, so werden die Bäume sehr genau beobachtet, ob sie Dürreschäden aufweisen, sagt Horst Sproßmann. In den restlichen Wäldern in Deutschland sehe es mit den Dürreschäden ähnlich aus, erklärt Ulrich Dohle vom Bund Deutscher Forstleute:

Jeder Tropfen Regen hilft in gewisser Weise, aber wir haben natürlich noch lange keine Kehrtwende. Durch die Dürreperioden 2018 und 2019 hat sich einfach ein großes Niederschlagsdefizit aufgebaut unter dem die Wälder auch in diesem Jahr noch leiden. [...] Wir können noch keine Entwarnung für den Waldzustand geben - leider.

Wald-Spaziergang
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Von den Dürreschäden seien besonders Fichten und Buchen angegriffen. Denn Fichten sind Flachwurzler und kommen schlecht an das Grundwasser, wenn es sehr niedrig ist. Dass auch Buchen betroffen sind, hat Horst Sproßmann vom Thüringen Forst überrascht. Auch Ulrich Dohle vom Bund Deutscher Forstleute habe die Buchenschäden nicht erwartet, erzählt er:

Wir waren überrascht, dass sie so heftig auf die Dürre reagieren. Ein prominentes Beispiel ist der Nationalpark Hainich, der leider auch flächendeckend in einem schlechten Zustand ist.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft geht von etwa 285.000 Hektar Waldfläche aus, die in Deutschland abgestorben sind. Und die Tendenz sei auch durch die Borkenkäfer weiterhin steigend, weiß Ulrich Dohle.

So können sich Waldbesucher schützen

Wenn Äste von trockenen Bäumen abfallen, passiert das oft unvermittelt und ohne Vorzeichen. Ulrich Dohle vom Bund Deutscher Forstleute weist deshalb auf gestiegene Gefahrenquellen hin:

Wald-Spaziergang
Bildrechte: imago images / Markus van Offern

Durch den höheren Totholzanteil ist es leider auch gefährlicher in unseren Wäldern geworden. Man muss tatsächlich damit rechnen, dass Bäume, die abgestorben oder geschwächt sind, plötzlich umstürzen - auch ohne Wind-Ereignis. Oder das Äste abbrechen. Auch grüne Äste an Buchen. Das ist ein Phänomen, dass vorher nicht so bekannt gewesen ist. Darauf müssen sich die Menschen leider einstellen.

Damit sich beim Waldspaziergang niemand verletzt, appelliert Horst Sproßmann vom Thüringen Forst an den „gesunden Menschenverstand":

Das bedeutet, man sollte beim Waldspaziergang jederzeit aufmerksam sein. Man sollte wissen, welche Waldwege wohin führen. Man sollte die Wege nicht verlassen. Bei stärkerem Wind, Sturm oder starken Niederschlägen sollte man den Wald zügig verlassen. All das sind kluge Verhaltensweisen, mit denen sich der Waldbesucher selbst schützen kann.

Von einem entspannten Waldspaziergang rät Horst Sproßmann aber trotzdem nicht ab.

Waldwege werden gesperrt

Gesperrter Waldweg
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Aber viele Forstbehörden versuchen die Waldbesucher vor den herabfallenden Ästen und umkippenden Bäumen zu schützen, in dem sie beispielsweise gefährdete Wege absperren. Auf diesen Abschnitten werden die Bäume dann oft zurechtgestutzt und trockene Äste abgesägt. Aber das ist nicht ihre Pflicht, erklärt Horst Sproßmann vom Thüringen Forst:

Das Betreten des Waldes erfolgt nach Paragraph 6, Absatz 1 des Thüringer Waldgesetzes ausdrücklich auf 'eigene Gefahr'. Dem Waldbesitzer beziehungsweise dem Waldeigentümer obliegt also nur eine sogenannte begrenzte Verkehrssicherungspflicht. Er muss also jene Gefahrenquellen, die er verantwortet, beseitigen. Für Naturgefahren, wie es eben die Dürre ist, gilt diese Pflicht nicht. Das ist eine sogenannte waldtypische Gefahr.

Waldrettung ist bisher zu langsam

Damit es nicht zu noch mehr Waldsterben kommt, müssen die Menschen aber ihr Verhalten ändern, findet Ulrich Dohle vom Bund Deutscher Forstleute:

Beschädigter Wald
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Die wichtigste Maßnahme ist im Prinzip eine gesellschaftliche Aufgabe, die sich an uns alle richtet: Wir müssen dafür sorgen, dass durch unsere Lebensverhältnisse weniger CO2 ausgestoßen wird. Und damit dafür sorgen, dass der Klimawandel in seiner Geschwindigkeit reduziert wird. Das ist die Grundvoraussetzung. [...] Darüberhinaus müssen wir die Wälder weiterentwickeln hin zu arten- und strukturreichen Mischwäldern. Das ist auf einem Großteil der Fläche bereits gelungen. Das Problem ist das eine Viertel, das nadelholz-dominierter Reinbestand ist.

Pro Jahr werden zwar etwa 20.000 bis 25.000 Hektar dieser Waldflächen in Mischwälder umgewandelt, dennoch sei das ein jahrelanger Prozess, sagt Ulrich Dohle. Denn etwa 3 Millionen Hektar Waldfläche fehlen noch.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 09. Oktober 2020 | 17:40 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP