Wegen Selbstüberschätzung, Drogen oder Imponiergehabe - Zahl der Badetoten gestiegen

03.08.2018 | 14:12 Uhr

Ein trauriger Rekord: Die Zahl der Badeunfälle ist in diesem Jahr angestiegen. Besonders oft betroffen: Männer. Nur ein Land in Mitteldeutschland zeigt eine positive Tendenz.

Rettungsschwimmerinnen der DLRG in Prerow an der Ostsee
Bildrechte: IMAGO

In Deutschland sind in den ersten sieben Monaten diesen Jahres 280 Menschen ertrunken, 38 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Hatten wir im letzten Jahr durch den eigentlich nicht vorhandenen Sommer vergleichsweise geringe Ertrinkungszahlen, beweisen die anhaltenden Temperaturen und das schöne Wetter einmal mehr, dass es leider auch in die andere Richtung gehen kann.

DLRG-Sprecher Achim Wiese

Nach Zahlen der DLGR sind bereits im sehr warmen April mit 37 Menschen zwölf mehr gestorben, als im Vergleich zum Vorjahr. Eine ähnliche Tendenz im Mai: zehn Fälle mehr als im Vorjahr.

Die meisten Menschen seien an ungesicherten Badestellen im Binnenland ertrunken. Deutlich abgenommen hat nach Angaben der DLRG die Zahl der tödlichen Unfälle an den Küsten. Im Berichtszeitraum ertranken dort neun Menschen, im Vergleichszeitraum 2017 waren es noch 25.

Gründe für den Anstieg

Rund 80 Prozent der Todesopfer waren Männer. Marianne Starke, Rettungsschwimmerin in Leipzig überrascht das nicht:

Das liegt vor allem an der Selbstüberschätzung, Männer möchten ja häufig was beweisen.

Sie seien der Meinung, eine Strecke zu Ende schwimmen zu müssen, wenn sie erst einmal angefangen hätten, sagt die Rettungsschwimmerin. Da spiele es auch keine Rolle, ob sie zum Beispiel Krämpfe hätten. Es sei auch so, "dass Alkohol und Drogen da eine gewisse Rolle spielen, weil man in dem Zustand dann nicht mehr so zurechnungsfähig ist".

Häufig ereigneten sich Badeunfälle wegen Leichtsinns, einer hohen Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung, sagte Wiese. Aber auch Eltern, die sich in Wassernähe mehr mit ihrem Handy beschäftigen als auf ihre Kinder zu achten, bereiteten der DLRG Sorgen. 

Da sich die meisten tödlichen Unfälle an unbewachten Badestellen ereigneten, fordert die DLRG Länder, Kommunen und Badbetreiber auf, für mehr Sicherheit zu sorgen.

Ein Badeverbotsschild aufzustellen reiche nicht aus.

DLRG-Sprecher Achim Wiese

Die meisten Menschen, nämlich 45, ertranken in den ersten sieben Monaten des Jahres in Bayern.  

Sachsen stemmt sich gegen den Trend

In Sachsen sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bislang weniger Menschen beim Baden ertrunken als im Jahr zuvor. Zum Stichtag 20. Juli musste die DLRG zwölf Badetote in Sachsen zählen, im Vorjahreszeitraum waren es doppelt so viele. Nach Angaben der Polizeidirektionen Leipzig und Görlitz kamen seitdem drei Badetote in Sachsen hinzu.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 05. August 2018 | 07:15 Uhr

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