Neuer Energiemix: Steigt dadurch die Gefahr von Stromausfällen?

Am Montag ist in Dresden, in den umliegenden Städten und Gemeinden für etwa 30 Minuten der Strom ausgefallen. Menschen blieben in Aufzügen stecken, Straßenbahnen konnten nicht weiterfahren. Drohen uns in Zukunft öfter solche Blackouts?

Windräder stehen am Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine.
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Plötzlich geht das Licht aus, das Internet ebenfalls und Straßenbahnen können nicht weiterfahren. Diese Situation erlebten Menschen am Montag in Dresden. Ein metallischer Ballon hatte die gesamte Stromversorgung in der Stadt und der näheren Umgebung lahmgelegt. Und die Wahrscheinlichkeit solcher Blackouts, also totaler Stromausfälle, ist höher als man zunächst denken würde.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat in einer aktuellen Übersicht die Wahrscheinlichkeit einer durch einen Stromausfall verursachten Katastrophe höher als jede andere Gefahr bewertet. Auch das mögliche Auftreten von Schäden stuft die Behörde als ziemlich hoch ein. Sogar höher als eine erneute Pandemie oder Regenfluten, wie sie in diesem Sommer in Deutschland vorkamen.

Woran liegt die hohe Wahrscheinlichkeit von Blackouts?

Der Grund liegt bei unseren Energieträgern. Im ersten Halbjahr von 2021 war Kohle wieder der wichtigste und verdrängte Windkraft vom ersten Platz. Im Frühjahr sei es windarm gewesen – die entstandene Lücke wurde mit Kohle gefüllt. Doch die Verbrennung fossiler Rohstoffe ist wegen des Klimawandels umstritten. Bis 2038 soll Deutschland daher auf die komplette Kohlekraft verzichten. Durch das Abschalten der Kraftwerke entsteht aber auch ein ganz anderes Problem: Die Gefahr eines Blackouts, also eines kompletten Stromausfalls, erhöht sich. Wenn die alternativen Energiequellen nicht ausreichend liefern, könnte es schneller mal dunkel werden.

Ein großer Stromausfall hätte weitreichende Folgen

Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag hat sich mit den Folgen eines langandauernden und großflächigen Stromausfalls beschäftigt. Bereits nach wenigen Tagen sei im betroffenen Gebiet demnach keine Versorgung der Bürger mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen mehr sichergestellt.

Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden.

Planet Wissen hat das Szenario eines deutschlandweiten Blackouts durchgespielt: Ampeln würden ausfallen, in Krankenhäusern oder Altenheimen könnten hygienische Standards nicht mehr eingehalten werden und das Abwasser der Kanalisation könnte nur noch in Flüsse abgeleitet werden – Chaos pur.

Wird es also in Zukunft häufiger Stromausfälle geben?

In Dresden hatte die Ursache des Stromausfalls wenig mit der Energieversorgung selbst zu tun. Wichtig für das Verhindern eines Stromausfalls ist vor allem gesicherte Leistung. Wenn nachts zum Beispiel kein Wind weht, bringen Wind- und Solarenergie wenig bis keine Energie. Das heißt: Unser Netz wird durch den Ausbau der erneuerbaren Energien volatiler, also abhängiger von Wetterlagen. Der Energie-Experte und Mitarbeiter beim Energie-Unternehmen ENBW, Georgios Stamatelopoulos, erklärte beim Deutschlandfunk, dass er trotz des Kohle-Ausstiegs keine Knappheit des Stroms erwarte.

Ich rechne damit, dass auch im nächsten und auch im übernächsten Winter die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet sein wird. Die Erneuerbaren decken mittlerweile zirka die Hälfte des Bedarfs ab, darüber hinaus gibt es noch ausreichende sofort verfügbare Leistung im System und es besteht nach wie vor die Möglichkeit, Strom von unseren Nachbarn zu beziehen.

Derzeit gibt es also keine konkrete Gefahr für Bürgerinnen und Bürger, dass die Stromversorgung plötzlich nicht mehr verlässlich ist. Dass die erneuerbaren Energien in diesem Jahr nicht viel Strom produziert haben, hat aktuell eine viel greifbarere Auswirkung: Die Preise steigen. Vor allem Haushalte mit Erdgas sind von der Erhöhung betroffen. Langfristig könnten Blackouts zwar wahrscheinlicher werden, die Stromversorgung in Deutschland zählt aber nach wie vor europaweit zu den sichersten, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

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