Die fünf gefährlichsten Spinnen und Insekten Mitteldeutschlands

Borkenkäfer, Eichenprozessionsspinner, Ölkäfer – in unserer Region leben ein paar kleine Tiere, die uns durchaus Probleme machen können. Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Die wichtigste Nachricht vielleicht einmal zuerst, damit das nicht untergeht: Insekten sind wichtig, zum Beispiel weil sie Blüten bestäuben. Das tun nämlich längst nicht nur die Bienen. Auch viele andere Krabbler sind dafür verantwortlich, dass zum Beispiel unsere Nahrungsgrundlage gesichert bleibt. Spinnen wiederum sorgen für das ökologische Gleichgewicht, weil sie Insekten fressen udn sich so verschiedene Arten gegenseitig im Zaum halten. So können nach Möglichkeit keine Plagen entstehen.

Das alles sollte man im Kopf behalten, wenn man sich mit ein paar Arten befasst, die doch eher nervig und zum Teil sogar gefährlich sind. Wir haben die fünf fiesesten Insekten Mitteldeutschlands zusammengestellt.

Borkenkäfer

Borkenkäfer
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Kaum eine Insektenart vermehrt sich mit so großer Geschwindigkeit wie der Borkenkäfer. Erwachsene Tiere bohren sich durch die Rinde von Bäumen, legen in Gängen darunter ihre Eier ab. Die Larven fressen dort weiter, bis sie ihrerseits groß geworden sind und zu Tausenden wieder andere Bäume befallen. Besonders bekannt sind zwei Arten, die Buchdrucker und die Kupferstecher. Die heißen so, weil sie im Holz der von ihnen angegriffenen Bäume charakteristische Spuren hinterlassen. Vor allem in den Nadelwäldern unserer Region richten Borkenkäfer regelmäßig große Schäden an. Das klappt besonders gut, wenn die Bäume nach Stürmen oder durch die jahrelange Trockenheit sowieso geschwächt sind.

„Die immense Borkenkäferdichte in den sächsischen Wäldern führt dazu, dass die Schadholzmengen von Fichte, Kiefer und Lärche rasant steigen“, warnt etwa das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft. Die Lage war so dramatisch, dass sogar die Bundeswehr geholfen hat, auf 400 Hektar Wald in Sachsen den Borkenkäfer zu bekämpfen.

Eichenprozessionsspinner

Auch diese Fieslinge finden sich im Wald, auch sie haben es auf spezielle Bäume abgesehen. Aber, wie der Name sagt, stehen diesmal keine Nadelbäume auf dem Zettel, sondern ein bestimmter Laubbaum, nämlich die Eiche. Und deren Bäume können von den Wärme und Trockenheit liebenden Tieren auch gern mal komplett entlaubt werden.

Mehrere Raupen mit einem dichten Haarkleid liegen zu einem Knäuel zusammengerollt auf Blättern.
Bildrechte: ThüringenForst/Matthias Stürtz

Für Forstleute ist das eigentlich erst ein Problem, wenn sich die Tiere zu doll vermehren. Für Waldbesucher können die Raupen des Eichenprozessionsspinners allerdings schon vorher zur Gefahr werden. Das liegt daran, dass die feinen, fast unsichtbaren Gifthärchen der Raupen zu Hautjucken, Atemnot oder einem allergischen Schock führen können. Die Härchen setzen sich auch Kleidung und Schuhen fest und können bis zu zwei Wochen am Stück für Probleme sorgen. Also auf jeden Fall Abstand von befallenen Bäumen halten!

Der optisch unscheinbare und wärmeliebende Schmetterling tritt seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt in Deutschland auf. Der Befall ist regional sehr unterschiedlich. In Thüringen zum Beispiel war er zunächst vor allem im Süden des Landes zu finden, im Raum Heldburg und Colberg. Doch zuletzt breitete sich die Art auch in Ost- und Nordthüringen aus.

Zecke

Diese Spinnentiere lieben unser Blut – und das ist manchmal ein Problem. Aber bevor wir weiter über Zecken reden, müssen wir jetzt mal mit einem Mythos aufräumen: Die kleinen Biester lassen sich nämlich gar nicht wie immer wieder zu hören von Bäumen auf uns fallen. Sie leben im Unterholz und im Gras. Und wenn man beim Vorbeigehen eine Pflanze streift, kann man die Tiere sozusagen ungewollt mitnehmen. Und dann kann es problematisch werden.

Auwaldzecke auf menschlicher Haut
Auwaldzecke auf menschlicher Haut Bildrechte: IMAGO images/Frank Sorge

Zecken übertragen zum Beispiel die FSME. Und gerade in Sachsen und Sachsen-Anhalt sind die Fälle zuletzt angestiegen, während sie zumindest in Thüringen gesunken sind. FSME kann im schlimmsten Fall zu schweren Gehirn- und Rückenmarksschäden führen. Zum Glück kann man sich dagegen aber impfen lassen. Und das tun auch immer mehr Menschen bei uns in der Region. Zecken können übrigens auch eine weitere Krankheit übertragen, die Boreliose. Und gegen diese Erkrankung kann man sich leider nicht vorab schützen. Mit Antibiotika sollte sie aber eigentlich gut zu behandeln sein.

Zecken können übrigens auch für Hunde gefährlich sein, weil sich die Tiere ebenfalls mit FSME infizieren können. Für Katzen dagegen sind Zecken weniger gefährlich, sondern bestenfalls lästig.

Ölkäfer

Ölkäfer
Bildrechte: imago images/blickwinkel

Eigentlich sehen die schwarz-blau glänzenden Tiere, die im Frühjahr über Wege und durch Gärten wuseln, ziemlich tapsig aus. Sie sind aber eben auch ziemlich wehrhaft – und das macht sie für uns Menschen gefährlich. Denn wenn sich der Käfer gestört fühlt, sondert er aus Poren in den Kniekehlen eine Flüssigkeit ab. Und die enthält den giftigen Wirkstoff Cantharidin. Dieser kann bei Hautkontakt für Blasen sorgen, das Gewebe kann absterben. Außerdem kann es zu Nierenschäden oder Augenproblemen kommen.

Der Giftnotruf Erfurt empfiehlt, die Stellen mit Wasser zu spülen. Wenn nötig kann sogar ein Rettungswagen gerufen werden. Problematisch ist es, wenn ein Ölkäfer versehentlich verschluckt wird. Aber zum Glück macht das Insekt, wenn man es in Ruhe lässt, keine Probleme. In diesem Jahr ist der Ölkäfer sogar zum Insekt des Jahres gekürt worden.

Ammen-Dornfinger

Von dieser Spinne haben wahrscheinlich nur die wenigsten schon einmal gehört. Sie stammt eigentlich aus dem Mittelmeerraum. Durch die Klimaerwärmung hat sie ihren Lebensraum aber in unsere Region ausgedehnt. Sie lebt zum Beispiel in Teilen von Sachsen-Anhalt. Das ist für die Spinne ganz praktisch, denn sie hat hier keine Fressfeinde.

Dornfingerspinne (Cheiracanthium punctorium), am Gespinstsack an einem Blatt
Bildrechte: imago images / blickwinkel / F. Hecker

Wer allerdings von ihr gebissen wird, der hat ein kleines Problem. Die Kieferklauen dringen in die menschliche Haut ein, dann wird ein Gift abgesondert. Die Bissstelle schmerzt, auch der Rest des betroffenen Körperteils. Die betroffenen Gliedmaßen können teils auch extrem anschwellen. Man sollte also nach solch einem Spinnenbiss auf jeden Fall zum Arzt. Nicht kühlen und nicht kratzen!

Nach ein paar Tagen sollten die Beschwerden von allein wieder verschwinden. Der Ammen-Dornfinger lebt auf Waldlichtungen und auf Ackerbrachen auf. Die Tiere sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber.

Und sonst? Für Allergiker sind natürlich auch die Stiche von Bienen oder Wespen gefährlich. Alle anderen müssen sich vor den Tiere nicht fürchten und sollte sie einfach in Ruhe lassen, dann tun sie auch nichts. Das gilt übrigens auch für Hornissen. Die sehen zwar vielleicht ein bisschen furchteinflößend aus. Wenn man sie nicht ärgert, sind sie aber harmlos. Es heißt, dass Hornissen nie ohne Grund angreifen und einem Konflikt im Zweifel am liebsten per Flucht aus dem Weg gehen.

Dieses Thema im Programm DIE MDR JUMP MORNINGSHOW | 31. Juli 2020 | 05:40 Uhr

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