Nach Leoparden-Attacke: Welche Regeln gelten für Großtierhaltung?

In Nebra hat ein Leopard auf einem privaten Gnadenhof eine Frau schwer verletzt. Nach solchen und ähnlichen Vorfällen kommt immer wieder die Frage auf, wer gefährliche Wildtiere überhaupt halten darf.

Leopard in einem Käfig im Central Zoo in Kathmandu, Nepal
Leopard in einem Käfig im Central Zoo in Kathmandu, Nepal Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Im letzten Sommer wurde in der Unstrut zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen wochenlang nach einem Krokodil gesucht. In Haldensleben konnte eine entwischte Python noch immer nicht eingefangen werden. In Nebra in Thüringen hat ein Leopard auf einem Gnadenhof für Showtiere bei einem Fotoshooting ein Model gebissen. Solche Vorfälle sorgen bei vielen für ein mulmiges Gefühl. Sie verstehen auch nicht, warum solche gefährlichen Tiere privat gehalten werden dürfen und warum immer wieder einzelne Exemplare entwischen. Wir haben uns die Regeln dafür genau angesehen.

Deutschlandweite Regeln für bedrohte Tierarten

Ganz grundsätzlich dürfen in Deutschland auch wilde Tiere privat gehalten werden. Das gilt für kleine und große Tiere und auch für solche, die Menschen verletzen oder sogar töten können. Ein paar Gesetze des Bundes und der einzelnen Bundesländer schränken dieses Recht aber zumindest etwas ein. Marco König, Tierschutzbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt, sagte MDR JUMP:

Dr. Marco König, Tierschutzbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt
Bildrechte: Privat

Einige Tiere aus der Gruppe der ‚exotischen Tiere' unterliegen Artenschutzregeln. Das sind Tiere, die in der Freiheit in ihrem Wildbestand gefährdet sind.

Die geschützten Tierarten sind in der Datenbank WISIA vom Bundesamt für Naturschutz aufgelistet. Dazu gehören Amur-Leoparden oder auch Königskobras. Wer ein solches Tier halten will, muss das vorher anmelden. Vorschrieben ist zusätzlich der Nachweis, dass die Tiere aus einem Zuchtprogramm eines Halters oder eines Zoos kommen und nicht in der Wildnis gefangen wurden. Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund kritisiert aber:

Lea Schmitz
Bildrechte: © Deutscher Tierschutzbund e.V.

Bei Privatpersonen kann kaum oder gar nicht überprüft werden, ob die Tiere artgemäß gehalten und untergebracht sind. So wie es das Tierschutzgesetz beziehungsweise entsprechende Gutachten vorschreiben.

Dazu gehört etwa das sogenannte Säugetiergutachten. Zuständig für die Kontrolle sind die Veterinärämter. Einige Wildtiere dürfen in Deutschland gar nicht gehalten werden. Das sind so genannte „invasive Arten“, die sich hier vermehren und andere Tierarten verdrängen könnten. Dazu gehört etwa die Schnappschildkröte.

Thüringen: Gefährliche Tiere nur bei zuverlässigen Haltern

Im Freistaat regelt seit September 2011 ein Gesetz, wer welche gefährlichen Tiere halten darf. Auf einer Liste sind knapp 30 potentiell gefährliche Wildtiere aufgeführt. Dazu gehören etwa Vipern oder auch Skorpione. Halter müssen vorab nachweisen, dass sie die Bedürfnisse und Gefahren dieser Wildtiere kennen und diese auch zuverlässig und sicher unterbringen können. Zudem müssen sie eine Haftpflichtversicherung für Ernstfälle haben. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes hat die Thüringer Regelung mit der Tierarten-Liste aber Lücken. Privatleute könnten damit weiter viele andere Wildtiere halten, darunter auch gefährliche. Besser wäre eine Positivliste gewesen: Auf der stehen dann Tierarten, bei denen es keine Sicherheitsbedenken oder auch Sorgen um den Naturschutz gibt. Lea Schmitz sagt:

Wir begrüßen das Vorgehen der Nachbarländer Belgien und der Niederlande, welche Positivlisten - vorerst nur für Säugetiere - eingeführt haben. Die legen fest, welche Tierarten weiterhin bedenkenlos gehalten werden dürfen.

Sachsen-Anhalt: Gesetz für gefährliche Tiere gibt es seit 2005 nicht mehr

In Sachsen-Anhalt gab es schon mal eine gesetzliche Vorschrift für das Halten von gefährlichen Tieren. Die wurde aber 2005 außer Kraft gesetzt. Damit gilt: Sind die Tierarten nicht geschützt, können sich private Halter auch gefährliche Großkatzen, Würgeschlangen oder giftige Spinnen holen. Der Tierschutzbeauftragte Marco König sagt:

Vogelspinne
Vogelspinne im Terrarium Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

Dafür muss man die Haltung nicht einmal anzeigen und sich vorab auch keine Erlaubnis holen.

Grundsätzlich dürften die Ordnungsbehörden vor Ort zwar kontrollieren, ob die Tiere ausbruchssicher gehalten werden, so König. Die zuständige Veterinärbehörde dürfe sich zudem anschauen, ob die Tiere artgerecht gehalten und mit dem richtigen Futter versorgt werden. Dafür müssten die Behörden aber eben erst einmal wissen, wer wo große und gefährliche Tiere hält.

Das kann dann ein Hinweis aus der Nachbarschaft sein oder es hat Vorfälle gegeben wie eine ausgebüxte Schlange. Dann hat die Behörde Kenntnis davon erlangt und kann auch kontrollieren.

Diese Lücken bei der Kontrolle wurden nach mehreren Vorfällen mit gefährlichen Tieren von Tierschutzverbänden und aus der Landespolitik zuletzt scharf kritisiert. Sachsen-Anhalts Landesregierung sei daher bemüht, eine neue Regelung zu schaffen, sagt Marco König.

Sachsen: Kreise und kreisfreie Städte regeln selbst

Sri-Lanka-Grubenotter (Trimeresurus trigonocephalus)
Sri-Lanka-Grubenotter. Grubenottern sind eine Unterart der Vipern. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Auch in Sachsen fehlt eine einheitliche Regelung für das Halten von gefährlichen Tieren wie Schlangen oder Raubkatzen. Das werde auf kommunaler Ebene geregelt, heißt es auf MDR JUMP-Anfrage von der Landesdirektion Sachsen. In Dresden müssen Tierhalter laut Polizeiverordnung vorher anmelden, wenn sie sich eine Riesenschlange oder andere gefährliche Tiere ins Haus holen. Ähnlich haben das auch Leipzig oder Chemnitz geregelt. Eine Liste mit meldepflichtigen Tieren gibt es in Chemnitz beispielsweise aber nicht. Zuständig sind die Ordnungsämter.

Sämtliche Regelungen für das Halten gefährlicher Tiere von Bund, Ländern und Gemeinden hat das Aspe-Institut aus Recklinghausen in einer Übersicht aktuell zusammengefasst. Das Unternehmen rüstet Behörden mit einer Software aus. Mit der kann kontrolliert werden, ob die Regeln beim Handel mit exotischen Tieren eingehalten werden. Wer als Tierhalter auf Nummer sicher gehen will, kann sich vorab beim Veterinäramt vor Ort erkunden, was genau für das jeweilige Tier gilt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 25. August 2021 | 13:00 Uhr

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