Extrem hohe Gaspreise – so kannst du gegensteuern

Die Gaspreise auf dem Weltmarkt explodieren gerade. Bald dürften auch wir Verbraucher das zu spüren bekommen. Viele müssen sich auf deutlich höhere Heizkosten einstellen.

Flamme auf einem Gasherd
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Private Haushalte müssen so viel Geld für Gas ausgeben wie lange nicht. Verbraucherportale warnen, dass viele Versorger ihre Preise noch anheben werden. Grund sind insbesondere die stark gestiegenen Einkaufspreise.

Gaspreisanstieg um 451 Prozent

Zwischen September 2020 und September 2021 stieg der Preis pro Megawattstunde von 7,99 Euro auf 44,03 Euro – also um 451 Prozent. Die gestiegenen Preise gehen auf eine erhöhte Nachfrage sowie die derzeit leeren Gasspeicher in Europa zurück. Auch die steigenden CO2-Abgaben spielen bei der Preisentwicklung eine Rolle. Das schlägt sich demnächst auf die Verbraucherpreise nieder, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom unabhängigen Verbraucherportal Finanztip:

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Wer einen Gasetagenheizung betreibt oder im Eigenheim eine Gasheizung hat, hat vielleicht schon ein Schreiben vom Gasversorger mit der Ankündigung einer Preiserhöhung bekommen. Bei den Mietern zahlen erstmal die Vermieter, die dann die höheren Kosten in der Heizkostenabrechnung für 2021 im Sommer oder Herbst 2022 nachfordern. Am besten etwas Geld zurücklegen.

Geht der Preis auch wieder runter?

Politiker und Experten halten den Preisanstieg für vorübergehend. Thilo Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass es eine Erholung geben könnte, sobald sich die Reserven wieder füllen oder Nord Stream 2 in Betrieb geht. Laut Simone Tagliapietra von der Denkfabrik Bruegel könnte sich der Gaspreis bis April halbieren.

Logo der Hörfunkwelle MDR AKTUELL 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR AKTUELL Mi 13.10.2021 08:06Uhr 02:43 min

https://www.mdr.de/mdr-aktuell-nachrichtenradio/audio/audio-1859068.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Anbieterwechsel kann sich lohnen

Hast du deinen aktuellen Gastarif nicht bewusst gewählt, sondern steckst in der Grundversorgung, dann könnte sich ein Wechsel im Geldbeutel bemerkbar machen. Die Grundversorgung ist fast immer teurer als ein selbstgewählter Tarif. Am besten machst du einen Preisvergleich. Laut dem unabhängigen Verbraucherportal Finanztip unterscheiden sich Gastarife in der Regel um bis zu 3 Cent pro Kilowattstunde. Doch Hermann-Josef Tenhagen sagt, im Moment erstmal abwarten:

Für einen Wechsel ist jetzt nicht der günstigste Zeitpunkt. Besser ist es, zunächst abzuwarten, ob der bisherige Anbieter überhaupt die Preise erhöht. Nach der Ankündigung der Erhöhung heißt es dann: Preise vergleichen.

Wie schnell komme ich aus meinem Vertrag heraus?

Das hängt ganz vom jeweiligen Tarif ab. Wer noch nie gewechselt hat und noch die Grundversorgung erhält, kann jederzeit mit einer Frist von 14 Tagen kündigen. Ansonsten steht die Kündigungsfrist im Vertrag. Bei einer Preiserhöhung hat jeder Kunde das Recht auf eine sofortige Kündigung. In der Regel dauert es ein bis zwei Monate, bis die Wechselformalitäten abgeschlossen sind.

So funktioniert der Wechsel

Der neue Anbieter übernimmt nach Vertragsabschluss in der Regel kostenlos die Abwicklung. Dafür fragt er beim neuen Kunden dessen persönliche Daten sowie zum Beispiel die Kundennummer beim bisherigen Anbieter und die Nummer des Gaszählers ab. Teils empfiehlt es sich, den Stand des Anbieterwechsels zwischenzeitlich beim alten Versorger zu überprüfen. Naht die Kündigungsfrist des aktuellen Vertrags und somit eine automatische Verlängerung, sollten Verbraucher lieber zeitnah selber kündigen und sich ihre Kündigung schriftlich bestätigen lassen.

Neuer Vertrag: Darauf musst du achten

Die Erstvertragslaufzeit sollte laut Verbraucherschützern nicht mehr als ein Jahr dauern, die Kündigungsfrist bei maximal einem Monat liegen. Meiden solltest du sogenannte Pakettarife über eine bestimmte Gasliefermenge. Bei niedrigerem Verbrauch gibt es dabei kein Geld zurück. Als ungünstig werten Verbraucherschützer darüber hinaus Tarife mit Neukundenbonus. Solche einmaligen Wechselprämien werden nur unter bestimmten Umständen und manchmal gar nicht ausgezahlt, lassen den Tarif aber im Vergleich billiger aussehen, als er mit Blick auf den Gaspreis tatsächlich ist.

Darauf sollten Häuslebauer achten

Wer gerade ein Haus baut oder kauft oder die Heizung modernisiert, sollte auf die Energieform achten. Auf Erdgas zahlt man seit diesem Jahr einen CO2-Preis, auf Holz und Strom zum Betrieb einer Wärmepumpe nicht. Für Hausbesitzer kann sich also die Investition in moderne Technik lohnen, zumal es auch Zuschüsse und Förderungen vom Bund gibt.

Gibt es staatliche Hilfen für einkommensschwache Familien?

Einige EU-Länder haben aktuell Maßnahmen eingeleitet, um Verbraucher zu schützen. Frankreich hat eine Tarifbremse für Strom und Gas angekündigt und will ärmeren Haushalten je 100 Euro zahlen. Italien will 3 Milliarden Euro ausgeben, um Haushalten einen Teil ihrer Strom- und Gasrechnungen zu erlassen, etwa durch Steuersenkungen. In Deutschland ist derzeit nichts Vergleichbares geplant. Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip rät:

Wer noch kein Wohngeld beantragt hat, sollte dies schnellstmöglich machen. Momentan erhalten 660.000 Haushalte den Zuschuss, bis zu zwei Millionen wären aber berechtigt. Wer Wohngeld bekommt, erhält aktuell einen zusätzlichen Heizkostenzuschuss. Außerdem: Aktuell kommen die Heizkostenabrechnungen für 2020 oft mit einer Rückzahlung, weil das Gas voriges Jahr sehr günstig war.

Dieses Geld solle, so Tenhagen, als Rücklage für die Nachzahlungen in 2022 beiseite gelegt werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 13. Oktober 2021 | 13:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP