15 Jahre YouTube: Die wichtigsten Videos

14.02.2020 | 07:40 Uhr

Anfangs war die Videoplattform vor allem schöner Zeitvertreib mit süßen Katzenvideos und Musikclips. Mit lustigen Werbefilmen und Clips aus dem Privatleben selbst selbsternannter Stars. 15 Jahre später ist YouTube erwachsen geworden: Schüler nutzen die Plattform zum Lernen, Hausbesitzer zum Werkeln und Videoblogger stoßen von hier aus deutschlandweite Politikdiskussionen an.

YouTube-Logo und Mauszeiger auf einem Bildschirm.
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Am 14. Februar 2005 registrierten Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim die Webadresse für ihr Video-Internetportal: YouTube.com. Die drei arbeiteten damals für den Zahlungsdienst PayPal. In einem Interview mit USA Today erzählte Jawed Karim später: Zwei voneinander völlig unabhängige Ereignisse hätten ihn auf die Idee für die Video-Plattform gebracht.

Tsunami und Nipplegate

Janet Jackson und Justin Timberlake auf der Bühne
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In der Halbzeitpause vom Super Bowl im Februar 2004 traten die Popstars Justin Timberlake und Janet Jackson auf. Er zog ihr das Korsett herunter und entblößte dabei eine Brust: Ein Skandal im prüden Amerika. Am Ende des Jahres bebte die Erde im Indischen Ozean: Die riesigen Tsunami-Flutwellen rissen an verschiedenen Küsten mehr als 200.000 Menschen in den Tod. Von diesen beiden so unterschiedlichen Ereignissen fand Jawed Karim kaum Videos im Netz, wie er sagte. Dabei gab es die auf vielen Handys. Mit Jaweds Software konnten Videos einfach geteilt werden.

Gründer aus Merseburg

Das erste Video auf YouTube war im Vergleich noch vergleichsweise unspektakulär. "Me at the zoo" (auf Deutsch: Ich im Zoo) ist gerade mal 18 Sekunden lang und zeigt einen jungen Mann mit dunklen Haaren vor einem Elefantengehege. Jawed Karim.

Okay, also hier sind wir bei den Elefanten. An denen ist wirklich cool, dass sie wirklich, wirklich lange Rüssel haben… - so weit, so belanglos!

Der YouTube-Gründer kommt aus Sachsen-Anhalt, wurde 1979 in Merseburg geboren. Seine Mutter stammt aus Wernigerode im Harz, sein Vater aus Bangladesch. Die beiden fühlten sich in der DDR nicht willkommen und reisten Anfang der 1980er Jahre in den Westen aus. Erschrocken über die Übergriffe auf Ausländer in den 90ern suchte sich die Familie dann in den USA eine neue Heimat.

Ein Tanzlehrer landet einen Hit

In den Anfangsjahren von YouTube waren die am meisten aufgerufenen Clips virale Videos: Lustige, herzerweichende oder schlicht schräge Filme, die man unbedingt an Freunde und Familie weitergeben musste. Wie einen Virus. Dazu zählt etwa "Evolution of Dance": Judson Laipply tanzt sich in kurzen Abschnitten durch die Musik der letzten Jahrzehnte, zu Elvis Presley, Die Idee wurde dutzendfach erfolgreich kopiert: Zu den unbestritten Besten gehört US-Talkshow-Moderator Jimmy Fallon.

"Mache Eier!"

Einen viralen Hit zumindest im Osten Deutschlands landeten auch Sven Wittek und Gilbert Rödiger. Besser bekannt als "Elsterglanz". Die beiden unterlegten die Tonspur einer Szene aus Rambo mit der rauhen Mansfelder Tonart. "Mache Eier" und "Wosworsledzde" sind seitdem in den Sprachgebrauch eingezogen. Die Komiker füllen Hallen und wurden im Lutherjahr sogar als Kulturbotschafter ins Land geschickt. Auf YouTube können deutsche Nutzer das Video wegen Verstößen gegen die Copyright-Regeln der Plattform nicht mehr sehen - nur kleine Schnipsel tauchen immer wieder auf. Die Plattform Vimeo zeigt den "besten Koch der Welt" noch.

Klick-Hit aus dem Familienleben

Extremradfahrer, lustige Erdmännchen, verhinderte Opernsänger: In den frühen Jahren von YouTube kamen diese Videos in kurzer Zeit auf Dutzende Millionen Klicks. Das mit Riesenabstand meist geklickte Internetvideo aus dieser Zeit ist aber ein einminütiger Clip aus dem Alltag einer britischen Familie. Fast eine Milliarde Menschen haben sich inzwischen angesehen, wie Baby Charlie seinem tapferen Bruder Harry in den Zeigefinger beißt. Mit dreckiger Babylache und einem charmantem Grinsen. So richtig erklären konnte auch Papa Howard den Riesenerfolg seiner zwei Jungs nicht:  

Es sind einfach diese ganz vielen Emotionen: Charlie mit seinem perfekten Einsatz, seinem Lachen am Ende. Und wie Harry mit Charlie umgeht, er zieht den Finger nicht weg, er versucht, sich vor der Kamera ordentlich zu benehmen. Und auch, wie Charlie völlig verträumt aussieht, als er auf den Finger beißt.

Musikfernsehen im Internet

Wer in den Achtzigern oder Neunzigern groß geworden ist, hat viel Lebenszeit mit MTV oder VIVA verbracht: Musikvideos der großen und kleinen Stars in Dauerschleife. Die zeigten, welche Musik man hören musste, welche Tanzschritte wirklich zählten und für welche Klamotten man die Eltern um Geld anbetteln musste. Aber dafür war Geduld nötig. Warten, bis der Lieblingshit lief. YouTube ist seit seinen Anfangsjahren und bis heute immer auch das Musikfernsehen des Internetzeitalters: Ohne Wartezeit, alle Videos sofort verfügbar, nur einen Klick entfernt.  Wer will, kann sich darin für Stunden verlieren. In diesem Millionen-Musikvideo-Gewimmel leuchten einige Clips besonders hell: Sie haben rund um die Welt Milliarden Nutzer begeistert und zum Mitsingen und Tanzen gebracht. Dazu gehört das erfolgreichste Musikvideo aller Zeiten auf YouTube Despacito (7 Milliarden Klicks), der verrückte Gangnam-Style von Korea-Rapper Psy (3,5 Milliarden Klicks) und natürlich der liebevoll-schräge Song über die Sprache von Füchsen von Ylvis aus Norwegen. Selbst Siri und Alexa wissen inzwischen, "wie der Fuchs macht": Hatee-hatee-hatee-ho!

Lifehacks und Mathe-Lösungen

Robert Lewandowski
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Im Vergleich zum Fuchs-Hit und den vielen anderen nerdigen, schrillen und lustigen Klickwundern aus den Anfangsjahren wirkt YouTube in seinem 15. Jahr schon fast ein bisschen erwachsen. Inhalte und auch die Nutzung haben sich verändert. Kinder und Jugendliche beispielsweise nutzen die Videoplattform laut einer aktuellen Studie vor allem zum Lernen: Auf YouTube sind selbst schwere Aufgaben aus Mathe, Physik oder Chemie lustig und kurz erklärt. Wer was nicht verstanden hat, kann zurückspulen. In den Top-Ten der beliebtesten Kanäle finden sich daher auch der gut gemachte Erklärkanal "Kurzgesagt - In a Nutshell" oder "Freekickerz" mit Freistoß-Tutorials und Tipps von Profis. Millionen Fans haben auch Lifehack-Angebote: In fünf Minuten wird anschaulich erklärt, wie man Schleim herstellt, eine Melone richtig schält oder Eier wie ein Chefkoch zubereitet. 2019 wirkte es dann auch nicht mehr ungewöhnlich, dass Politiker, Zeitungen und Fernsehsender wochenlang über das Video eines YouTubers diskutierten: Rezo hatte in einem knapp einstündigen Video mit guten Argumenten die CDU zerlegt.

Im letzten Jahr legte der Konzern Alphabet – zu dem Google und YouTube gehören – das erste Mal offen, wie viel unsere Klicks auf Videos inzwischen wert sind: YouTubes Werbeerlöse lagen bei fast 4,7 Milliarden Dollar. Laut Bundesverband Influencer Marketing (BVIM) verdienen allein im deutschsprachigen Raum bis zu 165.000 Menschen mit YouTube-Videos und Instagram ihr Geld.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Februar 2020 | 10:15 Uhr

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