Freiwillige für himmlisches Projekt gesucht

Ihr interessiert euch für den Nachthimmel? Wir haben da eine tolle Idee für Euch! Es geht darum, am heimischen Rechner bisher unbekannte Objekte im Sonnensystem zu erspähen.

Illustration - Der Asteroid 2012 DA14 nähert sich bis auf knapp 28 000 Kilometer der Erde.
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Gefühlt eine halbe Ewigkeit war der Blick zum Nachthimmel zuletzt einfach nur frustrierend. Weil Regenwolke nach Regenwolke über unsere Region gezogen ist, gab es keine Sterne zu sehen. Wenn jetzt das Wetter doch mal wieder besser ist oder wird, sollte sich das ändern. In den immer länger werdenden Nächten im September ziehen die ersten Herbststernbilder auf, ab und zu glimmen noch ein paar Sternschnuppen – und an einem lichtarmen Ort lässt sich gerade zu dieser Zeit des Jahres auch unsere Milchstraße sehr gut beobachten.

Doch jetzt haben wir einen Tipp für die Astro-Fans unter euch, wenn der Himmel sich doch mal wieder einmummelt: Ihr könnt zu Hause am eigenen Rechner sozusagen in den Himmel schauen und damit sogar noch die Weltraumforschung voranbringen. Konkret geht es um das Projekt "Active Asteroids". Dabei sollen Freiwillige sogenannte aktive Asteroiden in unserem Sonnensystem finden.

Diese kleinen Himmelskörper ziehen vor allem zwischen den Planeten Mars und Jupiter ihre Bahn um die Sonne – und sie sind erkennbar an einem kometenähnlichen Schweif. Wer von euch sich noch an den Kometen „Neowise“ aus dem vergangenen Sommer erinnert, so ähnlich sehen die Dinger auch aus. Nur dass sie so lichtschwach sind, dass man sie nicht mit bloßem Auge von der Erde aus sehen kann.

Komet Neowise am Nachthimmel
Bildrechte: FlorianxGaertner/photothek.net

Bilder eines Teleskops aus Chile

Stattdessen, so teilt die Northern Arizona University in Flagstaff mit, sollen Interessierte die aktiven Asteroiden, auch Hauptgürtelkometen genannt, auf Bildern des mächtigen „Victor M. Blanco“-Teleskops erspähen, das in der dünnen und sauberen Bergluft Chiles in den Himmel späht.

Eigenartige Muster auf Bildern finden - solche Aufgaben können Menschen interessanterweise noch immer besser erfüllen als eine künstliche Intelligenz. Mehr als zehn Millionen Einzelbilder sollen deswegen im Rahmen des Projekts von Hand untersucht werden.

Aktive Asteroiden sind erst seit ein paar Jahrzehnten überhaupt bekannt – und bis heute sehr selten. Nur 30 Exemplare kennen Forscherinnen und Forscher bisher. Es ist auch nicht ganz klar, wie die Dinger entstanden sind. Immerhin gilt als gesichert, dass ihr Material aus der Frühzeit unseres Planetensystems vor etwa 4,5 Milliarden Jahren stammt.

Doch nur einer von etwa 10.000 Asteroiden schießt einen Schweif aus Staub hinaus ins All.

Mit der großzügigen Hilfe von Bürgerwissenschaftlern hoffen wir, die Zahl der bekannten aktiven Asteroiden zu vervierfachen

sagt der Astroforscher Colin Orion Chandler, der das Projekt leitet. Interessant ist das für die Wissenschaft, weil die Himmelskörper womöglich auch Hinweise auf die Herkunft des Wassers auf unserer Erde liefern können - und Erkenntnisse, wo Wasser auch in anderen Sonnensystemen Voraussetzung für Leben sein könnte.

Keine Vorkenntnisse nötig

Vorkenntnisse brauchen Teilnehmer an dem Projekt nicht, man wird mit Hilfe von Beispielbildern geschult. Tatsächlich gibt es offenbar ein großes Interesse unter den Freiwilligen. Auf der Webseite von „Active Asteroids“ war zwischenzeitlich zu lesen, dass alle zur Verfügung stehenden Fotios bereits analysiert worden seien – und bald welche nachgeliefert werden.

Dass sich Geduld bei der Analyse von Himmelsfotos absolut auszahlen kann, hat übrigens schon einmal jemand in Chandlers Heimatstadt Flagstaff bewiesen. Und auch er war zunächst nicht mehr als ein Hobby-Astronom. Der Farmerssohn Clyde Tombaugh hatte sich in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts am dortigen Observatorium gemeldet. Und weil er ganz offensichtlich talentiert war, bot man ihm an, bei einem Projekt mitzumachen, bei dem zahllose Himmelsaufnahmen verglichen werden mussten. 

Tombaugh entdeckt dabei einen bis dahin unbekannten Himmelskörper: den Pluto.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 04. September 2021 | 06:20 Uhr

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