Freiwillige Corona-Tests: Was kosten sie? Wo kann man sie machen?

Interessant können freiwillige Corona-Tests vor allem für Urlauber sein, wenn sie in ferne Länder wollen oder aus einem Hotspot innerhalb Deutschlands kommen. Wir haben zusammengefasst, was man dazu wissen muss.

Vielleicht auch bald in Deutschland? Eine Urlauberin aus Stockholm wird am Flughafen in Rhodos, Griechenland getestet.
Vielleicht auch bald in Deutschland? Eine Urlauberin aus Stockholm wird am Flughafen in Rhodos, Griechenland getestet. Bildrechte: imago images / TT / Stina Stjernkvist

Seit Beginn der Pandemie hat es in Deutschland mehr als 18,1 Millionen Corona-Tests gegeben. So steht es in der jüngsten entsprechenden Statistik des Robert Koch-Instituts aus dieser Woche. Und nur bei einem Bruchteil davon wird der Sars-CoV-2-Erreger nachgewiesen. Aktuell liegt die sogenannte Positivquote bei 1,64 Prozent. Allerdings ist sie zuletzt beständig gestiegen, was ein klares Zeichen dafür ist, dass sich die Infektionen in unserer Gesellschaft wieder mehr verbreiten – und dass steigende Corona-Zahlen nicht allein durch eine steigende Anzahl von Tests zu erklären sind.

Normalerweise werden ja entweder Leute getestet, die entweder Symptome haben oder die eventuell engen Kontakt mit einem Erkrankten hatten. Doch inzwischen ist ein Corona-Test womöglich auch für Leute interessant, die zu keiner der beiden Gruppen gehören – als mehr oder weniger aussagekräftiger Beweis dafür, dass man gesund ist. Interessant kann das zum Beispiel für Reisen sein, einerseits in ferne Urlaubsländer wie Ägypten, Tunesien oder Dubai. Andererseits können auch Leute solch einen Test brauchen, selbst wenn sie nur innerhalb Deutschlands Urlaub machen wollen - und zwar wenn sie aus einem Corona-Hotspot wie Berlin, Frankfurt am Main oder dem Kreis Hamm kommen.

Nicht einfach zum Flughafen fahren

Wie aber kommt man nun an einen – hoffentlich negativen – Coronatest? Anlaufstelle für den Mund-Nase-Rachen-Abstrich ist der Hausarzt. Regional gibt es oft weitere Teststellen. Spezielle Praxen für Reisemedizin haben in einer Stichprobe von MDR JUMP unter anderem an sogenannte Fieberambulanzen oder die Nummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, 116117 verwiesen. Auch bei den örtlichen Gesundheitsämtern sollen entsprechende Teststellen vermittelt werden.

"Auf keinen Fall sollte man unmittelbar vor Reiseantritt zum Flughafen fahren in der Hoffnung, dass dort ein Abstrich gemacht wird, dessen Ergebnis in wenigen Minuten vorliegt, sodass man an Bord gehen kann", sagt Andreas Bobrowski vom Berufsverband Deutscher Laborärzte.

Die Sache ist nämlich so: Für die aktuell genutzten Corona-Tests kommt das sogenannte PCR-Verfahren zum Einsatz. Dabei wird in der Probe nach charakteristischen Erbgutabschnitten des Virus gesucht. Und das dauert mindestens vier Stunden. Dazu kommt die Zeit für die Probenvorbereitung, den Transport und die Rückübermittlung der Resultate.

Kosten werden nicht von der Kasse übernommen

Man ist ja normalerweise gesund, wenn man einen Corona-Test vor einer geplanten Reise macht. Das heißt: Man will das Ergebnis sozusagen für sein Privatvergnügen. Und das wiederum bedeutet, dass die Analyse nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird. Man muss privat in die Tasche greifen. Individuelle Gesundheitsleistung heißt dann das Ganze, kurz IGel.

Laut Gebührenordnung kostet der Test 128 bis 147 Euro pro Person. Durch Nebenkosten kann die Summe aber in der Realität durchaus höher ausfallen. Preise wie 169 Euro sind möglich. Der Preis versteht sich immer pro Person, nicht pro Familie. Wobei es durchaus einzelne Labore gibt, die weniger abrechnen. Sie argumentieren, dass ihre Geräte ja fast 100 Proben gleichzeitig analysieren können und sie deswegen nicht so abrechnen müssen, als finde immer nur eine Untersuchung nach der anderen statt.

Interessant ist übrigens, dass in Ausnahmefällen auch Tierärzte testen dürfen – und zwar für eine viel niedrigere Gebühr von 55 Euro. Aber man muss schon großes Glück haben, damit man eine Praxis in seiner Umgebung findet, die das tatsächlich anbietet.

Neue Tests sind schneller, billiger - aber weniger aussagekräftig

Das Ergebnis eines PCR-Test sollte möglichst schnell vorliegen, um einigermaßen aussagekräftig zu sein. Aber wie schnell klappt es in der Praxis? Der Abstrich ist schnell gemacht, wenn man erst mal dran ist. Anschließend, so schreibt es eine Rechtsverordnung des Gesundheitsministeriums vor, soll das Ergebnis nach der Analyse im Labor innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Und zwar beim Arzt, nicht beim Patienten. "Wir als Labore dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Befunde über das Internet schicken", erklärt Bobrowski.

Als geht die Nachricht erst zum Arzt, der stellt dann eine Bestätigung aus. Das klappt aber eben nicht immer innerhalb von 24 Stunden, zum Beispiel weil im Labor kurzfristig die Test-Materialien knapp sein können. Dann kann es auch 48 und mehr dauern, bis ein Ergebnis vorliegt. Für manche Reisen wäre das übrigens schon wieder zu spät.

Schneller – und billiger – sollen übrigens sogenannte Antigen-Tests sein. Sie suchen nicht direkt nach dem Erbgut des Virus, sondern nach anderen charakteristischen Molekülen, die bei einer Immunantwort des Körpers entstehen. Hier sollen die Kosten pro Test nur bei 10 bis 20 Euro liegen. Außerdem soll ein Resultat schon nach 15 Minuten vorliegen. Allerdings sind die Antigen-Schnelltests auch nicht ganz so zuverlässig wie der PCR-Test: Von 100 Personen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind, zeigt er bei etwa vier Menschen keine Infektion an.

In der kommenden Woche soll die neue Teststrategie vorgestellt werden

Trotzdem, so hofft man, könnte sich der Test für den Einsatz zum Beispiel in Schulen oder Altenheimen eignen, um dort mehr Sicherheit über die aktuelle Corona-Situation zu ermöglichen. Apotheken können die Tests inzwischen abgeben, allerdings nicht an Privatpersonen, sondern nur an Arztpraxen und Krankenhäuser. Die Frage, wann und unter welchen Bedingungen die Schnelltests von den Krankenkassen bezahlt würden, soll in einer Nationalen Teststrategie geregelt werden. Die will Gesundheitsminister Jens Spahn am kommenden Donnerstag vorstellen.

Update vom 13.10.2020: In einer früheren Version dieses Artikels wurde darauf verwiesen, dass spezielle Praxen für Reisemedizin die Coronatests durchführen würden. Diese Information gilt nicht flächendeckend. Daher wurde der Hinweis und ein entsprechender Link entfernt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 12. Oktober 2020 | 10:00 Uhr

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