Fotos von Einschulungsfeiern - erlaubt?

Das eigene Kind mit einer Zuckertüte so groß wie das Kind selbst. Die Einschulung gehört zu den schönsten Momenten im Leben - und das wollen Eltern auch festhalten. Wir klären, was dabei rechtlich zu beachten ist.

Vorsicht, Zuckertüte! Einschulung an der Grundschule Benneckenstein
Bildrechte: MDR JUMP

Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist lang und vor allem eins: sehr kompliziert. Wo früher die Schulen selbst noch Fotoalben herausgaben, gibt es heute einiges zu beachten. Kinder genießen in der neuen Datenschutzgrundverordnung einen ganz besonderen Schutz. Wir haben den Datenschutzbeauftragen von Thüringen - Dr. Lutz Hasse - gefragt, was es bei Fotos zu beachten gilt.

Entscheidend ist, wer die Fotos macht

Das Fotografieren auf Einschulungsfeiern stellt nach der Datenschutzgrundverordnung ein klares Verarbeiten von personenbezogen Daten dar. Das führt aber nicht gleich dazu, dass jeder einen Zettel mit Einverständiserklärungen einsammeln muss, der Fotos machen will, erklärt Hasse:

Die Beurteilung der Zulässigkeit der Verarbeitung hängt davon ab, wer die Fotos erstellt und zu welchem Zweck dies erfolgt.

Und dabei sind in diesem Fall zwei verschiedene Akteure zu berücksichtigen:

Eltern haben weniger Vorschriften, als Schulen

Eltern können auf Schulveranstaltungen Fotos machen, wenn die üblichen Sozialstandards eingehalten werden und alle Betroffenen davon ausgehen müssen, dass solche Fotos gemacht werden. Aber auch in dem Fall sollten alle darüber informiert werden. Das klingt einfach, muss aber vor dem Fotografieren sichergestellt werden, verdeutlicht Hasse:

Die subjektive Behauptung, man wolle die in der Öffentlichkeit gemachten Fotos von Dritten nur für private Zwecke nutzen, genügt [...] nicht mehr.

Wenn die Schule Fotos auf der Einschulungsveranstaltung machen lassen will, muss immer eine Einverständniserklärung der betreffenden Eltern vorliegen. Das kann im Form von einem Formular sein. Darin muss übrigens auch darauf hingewiesen werden, dass die Einverständniserklärung widerrufen werden kann. 

Veröffentlichen nie ohne Einverständnis

Egal, wer die Fotos anfertigt, der Fall einer Veröffentlichung ist immer getrennt zu betrachten, von dem Aufnehmen der Fotos an sich. Für jede Veröffentlichung müssen Einverständniserklärungen vorliegen. Schulen können dies einfach mit der Einverständnis einholen, die sie sowieso anfragen müssen. Eltern müssen im Fall einer geplanten Veröffentlichung jeden Betroffenen anfragen. Und dabei ist es unerheblich, ob man die Bilder auf einer Website einstellen will oder im Messenger-Dienst verwendet.

Wohin wenden, wenn Fragen bestehen?

Oft gibt es ganz bestimmte Situationen, in denen eine Frage auftaucht, die in einem Antwort-Katalog im Netz nicht beantwortet wird. Für solche speziellen Fälle rät Hasse, sich an den Datenschutzbeauftragen der Schule zu wenden. Alternativ kann natürlich auch jeweils der Datenschutzbeauftrage des Landes kontaktiert werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 29. August 2020 | 10:00 Uhr

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