Erstklässler mit ihren Schultüten auf dem Weg zur Einschulung in die 1. Klasse.
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Einschulung - besser später?

04.09.2018 | 15:32 Uhr

Länger im Kindergarten bleiben oder doch lieber so früh wie möglich in die Schule? In dieser Frage deutet sich eine Trendwende an. Mehrere Bildungsexperten fordern die Einschulung flexibel zu gestalten. Wann ist der beste Zeitpunkt?

Erstklässler mit ihren Schultüten auf dem Weg zur Einschulung in die 1. Klasse.
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Die Zahlen zeigen den Trend: In Sachsen-Anhalt starteten im August vergangenen Jahres 190 Jungen und Mädchen mit fünf Jahren ihre Schullaufbahnen. Zum Schuljahr 2005/2006 waren es noch fast 600 Kinder und damit knapp dreimal so viele.

Trend: Kinder werden später eingeschult

Ähnlich sieht es in Thüringen aus: Von 18 446 Schulanfängern waren im vergangenen Jahr 1375 Kinder mindestens bereits sieben, aber nur 236 erst fünf statt sechs Jahre alt. Allerdings warnt Frank Fritze vom Thüringer Lehrerverband im MDR JUMP-Interview davor, gleich alle Kinder später einzuschulen.

Das sollte immer eine Entscheidung im Einzelfall sein. Eltern sollten das auch nicht alleine entscheiden, sondern gemeinsam mit der Schule, den Betreuern in der Kita und dem Arzt, der die Schuleingangsuntersuchung macht.

Schließlich würde es auch keinem Kind helfen, länger in der Kita zu bleiben wenn es sich dort langweilt, meint Bildungsexperte Fritze.

Entscheidend ist nicht, welches Alter die Kinder haben wenn sie in die Schule kommen, sondern, was dort mit ihnen passiert.

Frank Fritze vom Thüringer Lehrerverband

Grundsätzlich beginnt in Thüringen für Kinder die Schulpflicht, wenn sie Anfang August sechs Jahre alt sind. Ist das Kind aber schon Ende Juni mindesten fünf Jahre alt, können Eltern beantragen, dass ihre Tochter oder ihr Sohn vorzeitig zur Schule gehen darf. Umgekehrt können Eltern von Sechsjährigen die Einschulung ihres Kindes um ein Jahr hinauszögern, wenn mit einer erfolgreichen Teilnahme am Unterricht noch nicht zu rechnen ist. In beiden Fällen muss vorher mit der Schule gesprochen werden.

Vorbild Berlin?

Der Stichtag für die Einschulung in der Hauptstadt wurde zum Schuljahr 2017/18 um drei Monate verschoben: Schulpflichtig sind seither alle Kinder, die bis zum 30. September des Einschulungsjahrs sechs werden. Vorher wurden Kinder zum Teil schon mit fünfeinhalb Jahren eingeschult. Die neue Regelung scheint bei den Eltern anzukommen, denn die Zahl der sogenannten Zurückstellungen um ein Jahr ging prompt deutlich zurück.

Noch weiter geht Bildungsforscher Dirk Zorn von der Bertelsmann Stiftung. Er sagt im MDR JUMP-Interview, der feste Einschulungstermin könnte komplett wegfallen.

Das ist ein Vorschlag um zu zeigen, wie weit man da gehen kann. Wenn man nämlich ernst nimmt, dass Kinder in ihren Entwicklungsständen sehr unterschiedlich sind. In dem typischen Einschulungsalter liegen sie teilweise um bis zu drei Jahre in ihrer Lernentwicklung auseinander.

Und um das zu berücksichtigen, müssten Schulen individuelle Angebote schaffen, meint Zorn. Dazu zähle letztlich auch, den Einschulungstermin flexibel zu gestalten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow mit Nora Sanne und Tino Close | 04. September 2018 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2018, 15:35 Uhr

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