Aufräumen nach der Flut: So helfen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Eine Woche nach den Flutkatastrophen mit 170 Toten laufen die Aufräumarbeiten. Die Schäden an Häusern und Straßen sind unvorstellbar groß. Auch Helfer aus unserer Region sind in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Die DLRG hilft beim Aufräumen an einer Brücke bei Erfstadt an der vierspurigen B265.
Die DLRG hilft beim Aufräumen an einer Brücke bei Erfstadt an einer Bundesstraße. Bildrechte: IMAGO / Klaus W. Schmidt

Der Nürburgring ist eine beliebte Rennstrecke in der Eifel. Wenn dort jetzt Motoren im Fahrerlager dröhnen, sind es die Motoren von Hubschraubern, Rettungswagen und Panzern. Mehr als 2.000 Helfer schwärmen vom Nürburgring zu Einsätzen in den von der Flut schwer getroffenen Gebieten im Landkreis Ahrweiler in der Eifel aus. Darunter sind auch hunderte Helfer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Einsatz der Leipziger Feuerwehrleute wird vom Nürburgring aus koordiniert

Schon Anfang der Woche hatte Leipzigs Feuerwehr zwei Löschzüge und 60 Einsatzkräfte in die Eifel geschickt. Ihre Arbeit wurde vom Nürburgring aus koordiniert. Die professionellen Helfer wurden am Mittwoch abgelöst. Ihre Kollegen von der Leipziger Feuerwehr sollen zunächst bis Samstag helfen.

Auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Sachsen hat Helfer und Technik in die Hochwassergebiete im Westen Deutschlands geschickt. So seien Entfeuchtungsgeräte, Hochdruckreiniger und Notstromaggregate nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gesendet worden, teilte der Bund mit. Zudem werden Einsatzkräfte der Katastrophenschutzeinheit des ASB Leipzig in die betroffenen Regionen reisen. Weitere Helfer stünden schon bereit.

Mit insgesamt 50 Helferinnen und Helfern will das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Diakonie aus Sachsen vom Hochwasser Betroffene unterstützen. Schon am Montag wurden sechs Einsatzkräfte aus dem Bereich „Krisenintervention und Notfallseelsorge“ nach Rheinland-Pfalz geschickt. Teamleiter Innocent Töpper schrieb zu dem Einsatz auf dem Facebookprofil des DRK Sachsen:

Bereitstellungsraum zur Hilfeleistung der Opfer der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz vom 14.07.2021 für die Helfer und Fahrzeuge vom Technischen Hilfswerk (THW), Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste und der Bundeswehr im Fahrerlager des Nürburgring
Fahrzeuge der Helfer am Nürburgring: Die Rennstrecke ist derzeit ein Einsatzzentrum. Bildrechte: IMAGO / Marc John

Wir wissen noch nicht genau, welche Situationen und Eindrücke uns vor Ort erwarten. Dennoch sind wir sehr gewiss, dass in einer derartigen Katastrophe der seelische Beistand für die unzähligen Betroffenen nicht zu kurz kommen darf.

THW aus Quedlinburg sichert Retter ab

In den besonders betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hilft seit Anfang der Woche auch das Technische Hilfswerk (THW) aus Sachsen-Anhalt. Der THW Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt hat insgesamt 190 Helfer geschickt. Der Landesbeauftragte Sebastian Gold sagte, man habe unter anderem bei den Hochwassern 2002 und 2013 wertvolle Erfahrungen gesammelt:

Damals unterstützte uns das THW aus allen Bundesländern und wir haben diese Hilfe sehr gebraucht. Jetzt ein Stück weit in den Katastrophengebieten von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unsere Hilfe einbringen und mit den dort unermüdlich arbeitenden Einsatzkräften des THW und der anderen Einsatzorganisationen gemeinsam eine Verbesserung der Lage erreichen zu können, ist eine große Aufgabe für uns.

Die Helfer vom THW Quedlinburg sichern dabei andere Retter ab. Sie setzen ein Einsatzstellen-Sicherungs-System ein, dass beispielsweise einsturzgefährdete Gebäude überwachen kann.

Die Gemeinde Mayschoß im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz wurde vom Hochwasser hart getroffen. Bewohner des Ortes warteten tagelang auf Hilfe. Seit Sonntag sind Bundeswehr und THW im Ort.
Die Gemeinde Mayschoß im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz wurde vom Hochwasser hart getroffen. Bewohner des Ortes warteten tagelang auf Hilfe. Seit Sonntag sind Bundeswehr und THW im Ort. Bildrechte: IMAGO / Reichwein

Seit Montag sind bereits 85 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Harz in der Eifel und helfen dort. Die Feuerwehr Halle/Saale schickte am Dienstag mehr als 80 Helfer nach Rheinland-Pfalz. Die würden vor Ort von der Einsatzleitung verteilt, so die Stadt Halle. Sachsen-Anhalt hat schon am Wochenende über 60 Beamte der Bereitschaftspolizei, drei Diensthundeführer und Polizeihubschrauber in die betroffenen Gebiete geschickt. Sie sollen die Suche nach Vermissten unterstützen, Zufahrten kontrollieren und die Rettungswege freihalten. In Sachsen-Anhalt stehen viele weitere Helferinnen und Helfer bereit. Innenminister Michael Richter (CDU) sagte am Dienstag:

Wir reagieren ja auf die Anforderungen.

Thüringer transportieren Patienten und versorgen Einsatzkräfte

In den von der Flut betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz sind auch 200 Helfer aus Thüringen dabei. Der Freistaat hat 140 Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes und der Polizei mit insgesamt 50 Fahrzeugen geschickt. Dazu kommen noch 60 Mitarbeiter des THW Thüringen. Sie kümmern sich gemeinsam um den Brandschutz in den zerstörten Gebieten, transportieren Patienten, versorgen die Einsatzkräfte und stellen den Funk sicher. Auch acht Helfer der psychosozialen und seelsorgerlichen Notfallversorgung (PSNV) Thüringens sind vor Ort. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte dazu am Mittwoch:

Die in ihren Ausmaßen und Auswirkungen weiterhin kaum zu begreifende Flutkatastrophe verlangt von den direkt betroffenen Menschen vor Ort und von den haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern fast Übermenschliches.

Er dankte allen Menschen aus Thüringen, die bei den Aufräumarbeiten helfen und rief zu Geldspenden für die Betroffenen auf.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 21. Juli 2021 | 15:00 Uhr

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