Das tut sich am Flughafen Leipzig/Halle

Die Ferienflieger kommen zurück - und die Frachtmaschinen waren nie weg. Ganz im Gegenteil. Am Airport Leipzig/Halle ist es wieder recht lebendig. Wer nicht selbst verreisen kann, kann sich vielleicht als Planespotter auf interessante Beobachtungsziele freuen. Oder er ist wegen Fluglärms genervt.

Flugzeuge auf dem Flughafen Leipzig
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Der 14. April vergangenen Jahres war ein historisches Datum für den Flughafen Leipzig/Halle. Als die Corona-Pandemie die Welt voll im Griff hatte, als das gesellschaftliche Leben in zahlreichen Ländern massiv zurückgefahren wurde, hatte der Airport für einen Tag den Titel als Europas geschäftigster Flughafen inne: Mit 185 Starts und Landungen lag man vor Frankfurt am Main (179) und Oslo (169). Das hatte vor allem damit zu tun, dass der Frachtverkehr - etwa von DHL und AeroLogic - trotz und gerade wegen der Pandemie boomte. Da machte es nicht so viel, dass der Passagierverkehr wegen Corona de facto komplett zum Erliegen gekommen war.

Der an den Autobahnen 9 und 14 gelegene Flughafen ist bei der Fracht bereits jetzt Nummer zwei deutschlandweit - hinter Frankfurt. Der Frachtverkehr soll außerdem noch weiter ausgebaut werden. Man habe in den ersten vier Monaten dieses Jahres mehr als 20 Prozent Plus verzeichnet, erklärte Flughafensprecher Uwe Schuhart im vergangenen Monat. Der Umschlag steige außerdem weiter - und man sei optimistisch, dass sich das über das Jahr weiterentwickeln werde. Der Flughafen soll zusätzlich auch zum Drehkreuz für humanitäre Hilfe werden. Das Deutsche Rote Kreuz baut dafür ein Logistikzentrum auf, bei Volga-Dneps hat man ähnliches vor.

Riesige Frachter im Einsatz

Eine Luftfrachtmaschine der Marke Antownow steht dem Landefeld des Flughafens Halle/Leipzig. Ein Hubschrauber der Bundeswehr wird von Mitarbeitenden aus dem Flieger entladen.
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Für Planespotter bietet sich am Airport dieser Tage oft ein besonderes Bild. Neben den riesigen hier stationierten Transportmaschinen vom Typ Antonow-124 der Fluggesellschaft Wolga-Dnepr, die vor allem viel herumstehen, kann man aktuell regelmäßig diese Jets von Antonow-Airlines sehen, wie sie tatsächlich starten und landen, um militärisches Material der Bundeswehr im Rahmen des Afghanistan-Abzugs zu uns zurückbringen. Rund ums Flughafengelände gibt es gleich mehrere Stellen, an denen sich Start und Landung des riesigen vierstrahligen Fliegers gut verfolgen lassen.

So eindrücklich das auch aussehen mag: Dass der Frachtverkehr in Leipzig/Halle boomt, gefällt längst nicht jedem. Das hat auch damit zu tun, dass die Frachtflugzeuge vor allem nachts unterwegs sind. In Leipzig/Halle gibt es im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Flughäfen nämlich kein Nachtflugverbot. Und deswegen schlafen nicht wenige Menschen bei uns in der Region eben eher schlecht, wenn grade wieder eine Boeing 767, ein Airbus A300 oder ein Jumbojet übers Haus donnert. Aktuell wird sogar darüber debattiert, ob der Flughafen so ausgebaut wird, dass gleichzeitig bis zu 96 Frachtflüge abgewickelt werden können, auch nachts, bisher liegt diese Zahl bei 60.

Neuer Fluglärmbeauftragter

Bürgerinitiativen und zum Beispiel die Grünen in Sachsen sind dagegen, aber auch mehrere Kommunen bei uns in der Region. Die sächsische Landesregierung verweist auf die hohe wirtschaftliche Bedeutung. Ab Herbst soll ein Fluglärmbeauftragter die vertrackte Lage klären helfen.

Auch das Passagiergeschäft ist nach Monaten der Flaute inzwischen so langsam wieder in Gang gekommen. Mit Condor oder Eurowings geht es derzeit zum Beispiel nach Mallorca, Rhodos oder Heraklion. Austrian bietet Flüge nach Wien an. Und auch andere Fluggesellschaften wollen schon bald das Angebot für Urlauber aufstocken: Dann wollen etwa gleich mehrere Ferienflieger wie etwa SunExpress das türkische Antalya ansteuern, aber auch Ziele in Bulgarien, Tunesien, Ägypten, Spanien und Portugal sind geplant.

„Wir haben alle Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz getroffen und Passagiere können sich selbstverständlich vor Ort testen lassen. Jetzt kommt es entscheidend darauf an, dass sich auch unsere Gäste verantwortungsvoll verhalten und konsequent die Abstands- und Hygieneregeln beachten – von der Ankunft am Flughafen, über den Check-in und Flug bis zum Aufenthalt am Reiseziel“, sagt Götz Ahmelmann, CEO der Mitteldeutschen Flughafen AG.

Interessant ist auch die Möglichkeit für Umsteigeverbindungen, wie sie die Lufthansa ab Ende Juni über Frankfurt anbietet. Und Turkish Airlines will den Flughafen im Juli wieder für die Verbindung nach Istanbul anfliegen, von wo aus es dann an zahlreiche andere Ziele weitergehen kann.

Start- und Landebahn wird saniert

Luftaufnahme Flughafen Leipzig Halle
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Um sich fit für die Zukunft zu machen, saniert der Flughafen übrigens gerade seine 3.600 Meter lange nördliche Start- und Landebahn. Dort hatte nach rund 20 Jahren und rund 400.000 Starts und Landungen der so genannte Betonkrebs zugeschlagen. So nennt man eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion, die zu Brüchen und Rissen in der Betondecke der Bahn sorgt. Nun wird die Piste bis voraussichtlich Ende September neu gemacht. Mit der Diskussion um einen möglichen Ausbau hat das aber nichts zu tun.

Und egal wie die ausgeht: In nicht allzu ferner Zukunft sollen am Flughafen nicht nur Flugzeuge starten und landen – es sollen auch welche gebaut werden. Dazu will ein Unternehmen namens Deutsche Aircraft hier sparsame Regionalflugzeuge vom Typ D328eco bauen. Im Jahr 2025, wenn alles glatt geht, sollen schon die ersten Maschinen ausgeliefert werden. „Die D328eco ist die einzige Plattform, die in der Lage ist, den grünen Wandel der Branche voranzutreiben“ gibt sich Firmenchef Dave Jackson selbstbewusst.

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