Festivals und Open-Air-Veranstaltungen: Worauf können wir uns im Sommer freuen?

Seit einem Monat wird gegen Corona geimpft. Offen bleibt, ob wir im Sommer unser normales Leben zurück haben. Mit Konzerten, Festivals und Open Air-Feiern. Die Veranstalter planen. Trotz aller Unsicherheiten.

Festival-Atmosphäre am Abend beim Melt! in Ferropolis 2018
Festival-Atmosphäre am Abend beim Melt! in Ferropolis 2018 Bildrechte: IMAGO / ZUMA Press / Emmanuele Contini

Mit vielen anderen Menschen singen, feiern und Spaß haben: Das war im letzten Sommer unmöglich. Viele Konzerte, große Musik-Festivals und Veranstaltungen unter freiem Himmel mussten wegen Corona abgesagt werden. "Das wird nachgeholt und wir sehen uns 2021 wieder!" So machten sich Fans, Musiker, Veranstalter und die vielen Menschen Hoffnung, die Großveranstaltungen wuppen. Doch jetzt im Januar ist Deutschland im Lockdown und niemand kann sicher sagen, ob im Sommer das Corona-Virus besiegt ist. Die Sehnsucht ist trotzdem bei allen riesig.

Melt! und Splash! in Ferropolis: "Alles in der zweiten Jahreshälfte ist sicherer"

Ferropolis-Geschäftsführer Thies Schröder ist Optimist. Aus seiner Sicht liegt die Chance bei über 50 Prozent, dass Anfang Juni das Melt Festival und im Juli das Splash! stattfinden können. Der Ticketverkauf läuft, Musiker wie Kitschkrieg und Sido (Splash!) und Jamie XXX und FKA Twigs (Melt!) sind vom Veranstalter Goodlive angekündigt. Thies Schröder sagt:

Ferropolis - Die Stadt aus Eisen
Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN

Wir können jetzt noch nicht mit voller Kraft dafür planen. Wir warten wie andere Branchen auch auf Informationen und hoffen, dass wir im Februar alle mehr wissen. Aktuell ist es ein Wettlauf mit dem Impfen. Alles in der zweiten Jahreshälfte ist etwas sicherer.

Wenn man etwas mehr Planungssicherheit habe, werde es vielleicht ab Februar etwas hektisch. Die Großveranstaltungen könne man trotzdem stemmen. Ferropolis biete schon viel Infrastruktur, damit seien die Aufbauzeiten auch kürzer als an anderen Veranstaltungsstätten. Die dafür nötigen Dienstleister halte man in der Reserve. Das sei aktuell die schwerste Aufgabe. Schließlich gebe es eben keine hundertprozentige Sicherheit, dass die Veranstaltungen stattfinden.

Immerhin gab es Zusagen aus dem Bundesfinanzministerium: Man sei bereit, dass Risiko abzufedern. Wenn man alles vorbereitet, aber eine Veranstaltung nicht stattfinden kann.

Wenn die Corona-Pandemie auch 2021 wieder alle Konzert-Pläne zunichtemacht, hole man wieder Plan B aus der Schublade: Dann werde das Ferropolis-Gelände wieder zum Campingplatz. So habe man schon im letzten Jahr wenigstens ein paar Einnahmen gehabt.

Highfield: "Wir halten euch auf dem Laufenden."

Wie stehen die Chancen für das Highfield-Festival Mitte August am Störmthaler See bei Leipzig? Auf die MDR JUMP-Anfrage verweist Veranstalter FKP Scorpio auf den Facebook-Post vom Donnerstag. Danach laufen die Planungen für das Highfield seit Monaten. Für das sind Stars wie Clueso, Deichkind, Limp Bizkit, Madsen und Bosse angekündigt.

Der Veranstalter bereitet die Highfield-Fans im aktuellen Facebook-Post auch darauf vor, dass bei Großveranstaltungen auch 2021 wohl noch nicht alles beim Alten sein wird. Man arbeite seit längerem auch mit anderen Veranstaltern zusammen an einem "abgestimmten Hygiene- und Infektionsschutzkonzept". Das soll dann auch der Politik ermöglichen, über Open Air-Veranstaltungen im Sommer zu entscheiden.

Rudolstadt-Festival: "Wir haben alle eine große Sehnsucht nach Live-Musik"

Mit 300 Konzerten auf zwanzig Bühnen ist das Rudolstadt-Festival Deutschlands größtes Festival für Folk- und Weltmusik. In der kleinen beschaulichen Stadt in Thüringen traten in den letzten Jahren unter anderem Amy Macdonald und Calexico auf. Fans und Musiker aus der ganzen Welt hoffen, dass sie Anfang Juli wieder gemeinsam feiern können. Die Macher haben nach dem Ausfall des Festivals im letzten Jahr gleich alle Musiker für 2021 angefragt und bisher auch keine Absage bekommen, sagt Sprecherin Miriam Rossius. Ob das Rudolstadt-Festival wirklich stattfinden kann, dazu wagt sie derzeit keine Vorhersage:

Miriam Rossius, Sprecherin Rudolstadt-Festival
Bildrechte: Doris Joosten

Unser Publikum und wir, wir haben eine große Sehnsucht nach Live-Musik. Und wir vermissen die Begegnungen auf dem Festival. Darum stehen wir auf jeden Fall bereit und versuchen, uns auf unterschiedliche Varianten einzustellen: Was die Zahl der Bands betrifft, die Zahl der Bühnen und auch der Besucher.

Aktuell planen die Veranstalter mehrgleisig. Mit einer kleineren und einer mittelgroßen Festivalvariante. Die gewohnte große Ausgabe wird es nicht geben können.

Da ist die Frage, wie viele Menschen lässt man dann zu den großen Bühnen und wie viele können zu den Indoor-Bühnen? Dafür orientieren wir uns an dem, was im letzten Sommer für große Veranstaltungen galt. Das ist alles hypothetisch, aber wir brauchen eine Grundlage für die Planung.

Jetzt warte man auf konkrete Ansagen aus der Politik, welche Konzerte erlaubt werden und wie Veranstalter und Musiker bei weiteren Ausfällen entschädigt werden. Falls das Festival im Sommer doch ausfallen müsse, werde das Rudolstadt-Festival trotzdem wiederkommen. Dann eben 2022.

Wave-Gotik-Treffen: "Arbeiten an verschiedenen Formen der Umsetzung"

Die Gesichter des WGT 2019
Bildrechte: MDR/Jeannine Völkel

Für Ende Mai ist das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig geplant, dass auch dank seiner extrem kreativen Fans deutschlandweit für Aufsehen sorgt. Im letzten Jahr wurde das Treffen nach langem Hin und Her erst am Freitagabend vor der Veranstaltung abgesagt. Bereits gekaufte Tickets wurden auf dieses Jahr übertragen. Für das WGT 2021 arbeite man an verschiedenen Formen der Umsetzung, so Sprecher Cornelius Brach auf MDR JUMP-Anfrage. Genaueres könne man derzeit nicht sagen.

Eisleber Wiesenmarkt: "Bei uns gibt es nur Entweder-Oder"

Eine Vergnügungsmeile über vier Kilometer, ein historischer "Jahrmarkt von anno dazumal" mit historischen Fahrgeschäften, Hochseilartisten, Zauberern und Gauklern: Der 500. Geburtstag der "Eisleber Wiese" soll vom 17. September an groß gefeiert werden. Dafür plane man seit fünf Monaten, sagt Marktleiter Siegmund Michalski:

Festumzug Eisleber Wiese am 13.09.2019
Bildrechte: MDR JUMP/Hagen Wolf

Für den kommenden September bin ich sehr optimistisch und erwarte das auch irgendwie, dass die Pandemie da beendet sein muss. Einen Plan B will ich gar nicht aufzeichnen. Denn das ist bei uns ähnlich wie beim Oktoberfest. Bei uns gibt es Entweder-Oder, keine Wiese light oder nur ein bisschen.

Entweder man könne den Wiesenmarkt so machen wie gewohnt oder eben gar nicht. Um die 1.000 Bewerbungen von Fahrgeschäften, Händler, Süßwaren und Essensanbieter gebe es jedes Jahr für den Wiesenmarkt. Die Hälfte der Verträge mit den Ausstellern habe man auch schon unterschrieben zurückbekommen, erzählt Marktleiter Michalski:

Da hat die Qualität der Angebote für unsere Veranstaltung bisher nicht nachgelassen. Trotz Pandemie. Wir haben für unsere Frühlingswiese das qualitativ beste Angebot seit Jahren!

Festumzug Eisleber Wiese am 13.09.2019
Bildrechte: MDR JUMP/Hagen Wolf

Er bemerke aber in Gesprächen mit Händlern und Schaustellern auch Unsicherheit. Niemand könne derzeit sagen, wie der Start aus dem Stillstand gelinge. Nach Kurzarbeit und Entlassungen.

Ob die Betriebe da von heute auf morgen eine gewisse Anzahl von Mitarbeitern bekomme, das ist offen. Und wenn ich nicht genügend Personal habe, kann ich das eine oder andere Geschäft vielleicht auch nicht betreiben. Das merken wir alle aber erst, wenn es losgeht.

Große Musikfestivals: "Für konkrete Ansagen ist es noch zu früh"

In der Branche herrsche derzeit eine große Unsicherheit, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft Jens Michow der Nachrichtenagentur dpa:

So lange Abstandsregeln erforderlich sind, lassen sich allenfalls sehr kleine Veranstaltungen wirtschaftlich durchführen.

Für die Festivals im Sommer benötige man bis spätestens Mitte März Entscheidungen, wie diese stattfinden können. Schließlich brauchten die Großveranstaltungen eine Mindestzeit zur Vorbereitung. Ob und wie traditionsreiche Festivals wie "Rock am Ring" oder "Rock im Park" stattfinden, können die Veranstalter derzeit nicht sagen. Auftritte von Headlinern wie Green Day oder System Of A Down wurden zwar von 2020 auf 2021 verlegt. Mehr als 130.000 Besucher haben ihre Tickets bereits für dieses Jahr umgetauscht. Die Veranstalter eventimpresents und Live Nation teilten aber mit, man wolle die "die konkreten Entwicklungen" abwarten. "Deshalb ist eine Aussage über das Stattfinden erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich". Auch die "Wacken Open Air"-Macher geben sich zurückhaltend. Mitbegründer Thomas Jensen sagt:

Die aktuellen Planungen sind trotz Kurzarbeit in vollem Gange, und wir hoffen, dass die staatlichen Maßnahmen greifen und eine Rückkehr zu Live-Events im Sommer möglich sein wird.

Die Gesundheit und Sicherheit stünden dabei an erster Stelle, betont er. Für Wacken ist unter anderem Rammstein-Sänger Till Lindemann mit seiner ersten Solo-Festivalshow angekündigt.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 31. Januar 2021 | 12:10 Uhr

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