Wegen Corona: Viele große und kleine Musik-Festivals werden abgesagt

Seit fast drei Monaten wird gegen Corona geimpft, flächendeckende Schnelltests sollen zusätzliche Sicherheit bieten: Für den Festivalsommer 2021 reicht das nicht. Einige Veranstaltungen wurden schon auf 2022 verschoben.

Sputnik SpringBreak Festival 2019 auf der Halbinsel Pouch bei Bitterfeld
Bildrechte: IMAGO / STAR-MEDIA

In den letzten Wochen hatten Musiker, Fans und Veranstalter noch gehofft, dass es in diesem Jahr wieder große Live-Konzerte und Musikfestivals geben kann. Zumindest für die zweite Hälfte des Jahres war die Hoffnung groß. Doch die Fortschritte im Kampf gegen das Corona-Virus reichen nicht aus. Zu groß ist die Unsicherheit, was im Frühling und Sommer wirklich erlaubt sein kann. Zahlreiche Festivals auch in unserer Region fallen erneut aus und müssen auf 2022 verschoben werden. Das ist nicht nur für die Fans ein harter Schlag.

"Wir können die fehlende Planungssicherheit nicht ausgleichen"

Wegen der Corona-Pandemie müssen die großen Festivals Rock am Ring, Rock im Park, Hurricane, Southside und Deichbrand auf 2022 verschoben werden. Das teilte am Mittwoch Eventim Live mit, ein Zusammenschluss großer Konzertveranstalter. Wer schon Tickets gekauft habe, könne die im kommenden Jahr nutzen und online umbuchen. Auch das Open-Air-Festival SonneMondSterne (SMS) am Bleilochstausee in Thüringen muss in diesem Jahr ausfallen. Das wird ebenfalls von Eventim Live veranstaltet und findet eigentlich am zweiten August-Wochenende statt. Festival-Sprecher Philipp Helmers sagte dem MDR:

Es geht ja nicht nur darum, dass wir im August nicht veranstalten können. Oder dass wir da mit tausenden Besuchern die Veranstaltung machen können. Sondern es geht auch darum, dass wir die fehlende Planungssicherheit überhaupt nicht ausgleichen können.

Es sei einfach nicht abzusehen, wie sich die Lage in der Corona-Pandemie in diesem Jahr weiter entwickle. Auch der Sputnik Spring Break auf der Halbinsel Pouch bei Bitterfeld muss auf Pfingsten 2022 (3. bis 6. Juni) verschoben werden. Unter den aktuellen Bedingungen sei einfach kein Festival mit vielen tausend Besuchern ohne Abstand möglich. Die Tickets könnten wie schon 2020 in Eintrittskarten für das folgende Jahr umgetauscht werden, so der Veranstalter. Das Line-Up mit den angefragten Künstlern solle bleiben.

Auch Melt, Splash! und Full Force werden auf 2022 verschoben

Die drei großen Festivals im Juni und Juli in Ferropolis werden auch 2021 nicht stattfinden können. Das gab Veranstalter Goodlive am Donnerstagnachmittag bekannt.

In den letzten Wochen und Monaten haben wir unermüdlich Konzepte ausgearbeitet und mit den verschiedensten Stellen in der Branche gesprochen. Darüber hinaus haben wir aber auch veranstalterübergreifend Ansätze entwickelt und getestet und zuletzt einfach nur gehofft, dass wir das irgendwie hinbekommen, denn die Entscheidung liegt nicht in unseren Händen.

Man hoffe, zumindest die Festivals im späten Sommer veranstalten zu können. Informationen zu den Tickets sollen noch bekannt gegeben werden.

"Arbeiten an verschiedenen Formen der Umsetzung"

Das Viktorianische Picknick ist wie immer gut besucht, und zwar nicht nur von Szene-Anhänger*innen wie diesen beiden, sondern auch von neugierigen Leipzigern
Das WGT in Leipzig ist auch wegen seiner extrem kreativen Besucher berühmt. Bildrechte: MDR/Felicitas Förster

Die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens in Leipzig planen derzeit noch mit einem Festival für dieses Jahr. 2020 wurde das Treffen nach langem Hin und Her erst am Freitagabend vor der Veranstaltung abgesagt. Bereits gekaufte Tickets wurden auf dieses Jahr übertragen. Für das WGT 2021 arbeite man weiterhin an verschiedenen Formen der Umsetzung, so Sprecher Cornelius Brach auf MDR JUMP-Anfrage am Mittwoch. Weitere Details zum WGT soll es voraussichtlich Ende März geben.

"Eine Entscheidung wird es nach dem 22. März geben"

Das Rudolstadt-Festival ist bisher ebenfalls noch nicht abgesagt. Das ist mit 300 Konzerten auf zwanzig Bühnen Deutschlands größtes Festival für Folk- und Weltmusik. In der kleinen beschaulichen Stadt in Thüringen traten in den letzten Jahren unter anderem Amy Macdonald und Calexico auf. Fans und Musiker aus der ganzen Welt hoffen noch, dass sie Anfang Juli wieder gemeinsam feiern können. Die Veranstalter planen dafür mehrgleisig mit einer kleineren und einer mittelgroßen Festivalvariante. Die gewohnte große Ausgabe wird es nicht geben können. Sprecherin Miriam Rossius sagte dazu MDR JUMP im Interview Ende Januar:

Miriam Rossius, Sprecherin Rudolstadt-Festival
Bildrechte: Doris Joosten

Da ist die Frage, wie viele Menschen lässt man dann zu den großen Bühnen und wie viele können zu den Indoor-Bühnen? Dafür orientieren wir uns an dem, was im letzten Sommer für große Veranstaltungen galt. Das ist alles hypothetisch, aber wir brauchen eine Grundlage für die Planung.

Jetzt warte man auf den 22. März und damit das nächste Treffen der Ministerpräsidenten, sagt Miriam Rossius am Mittwoch. Erst danach werde es eine definitive Entscheidung für das Festival geben.

"Der Schmerz sitzt tief"

Der MDR will nach den zahlreichen Festival-Absagen Musik-Fans trösten und auf die schwierige Lage der Künstler und Veranstalter aufmerksam machen. So sendet MDR SPUTNIK über Pfingsten (21. bis 24. Mai) im Radio und im Livestream 70 Stunden lang ein Spring-Break-Festival-Programm. Jana Cebulla leitet beim MDR die Redaktion Junge Angebote und sagte:

Natürlich sitzt auch bei uns der Schmerz tief über die Festival-Absagen, gerade in unserer Region. Wir wollen dazu beitragen, die Enttäuschung aller Beteiligten aufzufangen.

70 überwiegend regionale Künstlerinnen und Künstler werden rund um die Uhr und auch live im MDR-Studio in Halle auflegen. Zudem können sich so wie auf dem richtigen Festival Nachwuchs-DJs für Auftritte bewerben. Auch MDR JUMP bietet Musikern eine Bühne. In "Friede, Freu(n)de, Eierkuchen – Die Sonntagsshow mit Sissy Metzschke" ist immer sonntags von 10.00 bis 14.00 Uhr jeweils ein Künstler vier Stunden lang zu Gast, um über den Alltag, den Sonntag und die Musik zu sprechen.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 10. März 2021 | 14:00 Uhr

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