Bei offenem Fenster schlafen: Forscher raten davon ab

Nachts Fenster auf oder zu? Die Frage beschäftigt viele Paare. Forschungsergebnisse legen nun nahe, dass es durchaus eine sinnvolle Antwort auf die Frage gibt. Die hat nur am Rande mit der Schlaftemperatur zu tun.

Frau steht am offenen Schlafzimmerfenster (Symbolfoto)
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In vielen Schlafzimmern bei uns herrscht – im wahrsten Sinne des Wortes – ein kalter Krieg. Fenster auf oder Fenster zu? Das ist ja ein Konflikt, der durch viele Partnerschaften und Ehen verläuft. Manche haben es gern frisch und wollen bei offenem Fenster schlafen. Andere wiederum fürchten dann den Kältetod und sperren sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die nächtliche Abkühlung.

Optimale Schlaftemperatur oberhalb von 15 Grad

Ein Junge hat seinen Hund mit ins Bett genommen.
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Experten sagen: Die beste Schlafzimmertemperatur liegt irgendwo zwischen 15,5 und 19,5 Grad. Ist die Umgebung deutlich kälter, kann unser Körper seine Temperatur nicht halten. Darauf weist Heizungshersteller Vaillant hin. Eine eindeutige Festlegung in der Fenster-Frage ist das aber nicht. Zwar liegt die angegebene Spanne sicher unter der normalen Wohnungstemperatur. Die empfohlene Schlafzimmertemperatur ließe sich statt mit dauerhaft angekipptem Fenster auch durch Stoßlüften erreichen.

Dass das übrigens nicht nur aus Energiespargründen sondern vor allem im Sinne eines erholsamen Schlafes sinnvoll ist, darauf deutet eine wissenschaftliche Studie hin, die an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz koordiniert wurde. Das Problem: Wer das Fenster in der Nacht dauerhaft offen hat, lässt nicht nur frische Luft hinein – sondern auch Verkehrslärm.

Lärm stresst den Körper

Dieses Problem betrifft natürlich Stadtbewohner tendenziell eher als Menschen in den ländlichen Regionen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, könnte man argumentieren. Doch auch dort sind vielerorts Bundesstraßen und Autobahnen ja nicht fern. Und wer etwa im weiteren Umkreis des Flughafens Leipzig-Halle wohnt, hat außerdem längst leidvoll erfahren, dass nächtlicher Lärm auch aus der Luft kommen kann und es keine Rolle spielt, ob einen ein landender Jet in der Metropole aufschreckt oder im kleinsten Kaff.

Klar ist: Lärm bedeutet für unseren Körper Stress. Selbst bei einem einzelnen vorbeifahrenden Auto können Stresshormone freigesetzt werden, die Cholesterinspiegel und Blutdruck in die Höhe treiben. Das Team um den Mainzer Mediziner Thomas Münzel hat in seiner Übersichtsstudie zeigen können, dass Verkehrslärm in der Nacht das Herz mehr schädigt als am Tag.

Keine Gewöhnung an Lärm

Wer wegen Verkehrslärm zu kurz schläft oder oft geweckt wird, hat zudem ein höheres Risiko, zukünftig eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Nachtlärm erhöht den Blutdruck, steigert die Ausschüttung von Stresshormonen und lässt die Gefäße steifer werden. Das sind allesamt wichtige Einflussfaktoren auf die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so die Forschenden.

Straßenverkehr in der Nacht
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Dazu kam: Wenn bei den Patienten bereits eine Herzerkrankung festgestellt wurde, waren insbesondere die durch Nachtfluglärm verursachten Gefäßschäden deutlich ausgeprägter. Ebenfalls medizinisch relevant seien psychische Erkrankungen wie Depression und Angststörungen, die als Folge der negativen Emotionen hinsichtlich des Nachtlärms auftreten können, so die Forschenden.

Das Team kommt außerdem zu einem weiteren wichtigen Fazit: Im Körper und da insbesondere bei den Gefäßen gibt es keine Gewöhnung an den Lärm. Das heißt, die Frage ist eigentlich entschieden. Das Fenster sollte nachts zumindest in von Lärm geplagten Gegenden eher zublieben. Zu warm muss es im Schlafzimmer ja trotzdem nicht sein. Vor dem Schlafen und morgens nach dem Aufstehen also einfach mal 15 Minuten lang lüften und gut ist’s.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 30. November 2021 | 19:40 Uhr

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