Felix Lobrecht: „Ich betrachte es als Privileg, arm aufgewachsen zu sein!”

Felix Lobrecht hat gerade zwei Deutsche Comedypreise gewonnen: als bester Comedian und für den besten Podcast mit „Gemischtes Hack”. Außerdem werden gerade Darsteller gecastet - für die Verfilmung seines ersten Romans „Sonne und Beton”. Und demnächst erscheint sein zweites Streaming-Special „Hype”. Er erzählt mir, warum Comedy seiner Meinung nach nicht politisch korrekt sein muss. Außerdem geht es um Felix’ Jugend in Neukölln. Da waren blutige Schlägereien, wenig Geld und ein Messer in der Tasche Alltag für ihn.

Felix Lobrecht im Interview mit MDR JUMP-Musikredakteur Felix Heklau 41 min
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MDR JUMP Mo 19.10.2020 11:29Uhr 41:00 min

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Felix Lobrecht ist bekannt für seine derben Sprüche, teuren Klamotten und ein gehöriges Maß an Selbstliebe. Der Felix, der mich begrüßt, ist hingegen freundlich, ruhig und bietet mir erstmal ein Getränk an. Als er hört, dass ich aus Halle komme, fängt er an von unserer Altstadt zu schwärmen: "Halle ist übrigens voll die under-ratete Stadt!" Angefangen hatte Felix Lobrecht mit Kurzauftritten bei Poetry Slams. In Halle sei die Stimmung immer gut gewesen, aber ihm habe die Slam-Szene generell nicht gefallen. Die Darbietungen waren ihm einfach zu aufgesetzt: "Ich finde es gibt nichts Schlimmeres als so pseudopolitische Statements, die jeder Abnicken kann, wo jeder sowieso dieser Meinung ist, einfach nur für ein bisschen Applaus." Und dann bringt er ein Beispiel: "Ich bin gegen Armut! … Wer ist für Armut?", wundert er sich.

Felix Lobrecht
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Felix Lobrecht möchte in seinem Comedy-Programm nicht gefällig sein und auch nicht zwangsläufig politisch korrekt. "In der Comedy müssen ja andere Regeln gelten als in der Wissenschaft oder im Journalismus oder in wissenschaftlichen Reden oder in politischen Beiträgen. Du kannst ja nicht alles nach dem selben Maßstab bewerten. Diese Missinterpretation von Political Correctness macht das aber und das halte ich für Blödsinn.", erklärt der 31-Jährige. Und dann wird er konkreter: "Leute verwechseln oft Kritik an der Form mit Kritik am Inhalt. Nur weil ich die Form, wie Leute Political Correctness kommunizieren und vorantreiben wollen, kritisiere, heißt es ja nicht, dass ich Rassismus nicht auch scheiße finde." Abseits der Bühne ist Felix da deutlicher. Er unterstützt unter anderem die Organisation "EXIT-Deutschland", die Leuten dabei hilft aus der rechtsradikalen Szene auszusteigen, wenn sie das wollen.

"Was emotionales Verarbeiten angeht von irgendwelchen Missständen, da ist Humor, glaube ich, das beste Tool, das es gibt.", betont Felix. "Einfach aus etwas Negativen etwas Positives machen." Und so versteckt sich in seinen Gags nicht nur hin und wieder Gesellschaftskritik, sondern auch die Verarbeitung von berückenden Erlebnissen aus seiner Kindheit. Felix’ Mutter starb als er vier Jahre alt war. Er wuchs mit zwei jüngeren Geschwistern und wenig Geld bei seinem Vater in Neukölln auf. Tatsächlich erzählt er all das in seinem Stand-Up-Programm und macht daraus witzige Geschichten. Klamotten konnte er sich kaum leisten und üble Schlägereien gab es auch. Trotzdem denkt Felix positiv an seine Jugend zurück: "Ich betrachte das rückblickend total als Privileg, so aufgewachsen zu sein, weil das wirklich Charaktereigenschaften stärkt, die einem später eine Menge bringen."

MDR JUMP-Musikredakteur Felix Heklau trifft regelmäßig Stars zum Gespräch. Das Ergebnis kannst auch auch in unserem Podcast "Wartungsfläche Fuhrpark" hören. Einfach abonnieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 19. Oktober 2020 | 20:20 Uhr

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