Lockanruf: Ping-Anruf
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Nicht zurückrufen: Verpasste Anrufe aus Russland

10.01.2019 | 11:31 Uhr

Das nervt viele Handynutzer gerade richtig: Ihr Smartphone klingelt kurz, auf dem Display erscheint eine Nummer aus Russland und dann legt der Anrufer scheinbar auf. Ruft man zurück, wird es richtig teuer. Gegen die Ping-Anrufe geht die Bundesnetzagentur schon seit einem Jahr vor.

Lockanruf: Ping-Anruf
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Seit Anfang des Jahres setzen Betrüger offenbar wieder vermehrt auf eine bekannte Abzock-Masche: Sie lassen zufällig ausgewählte Handys oder Festnetztelefone nur ganz kurz klingeln. Meist sind die Angerufenen nicht schnell genug oder hören nur Stille in der Leitung, wenn sie doch zügig abnehmen.

Bis zu drei Euro pro Minute für Anrufe nach Kasachstan

Wer neugierig zurückruft, tappt in eine Kostenfalle. Die Nummern sind meist kostenpflichtige Hotlines, die mit Bandansagen Nutzer möglichst lange in der Leitung halten wollen. Laut den Verbraucherzentralen kosten solche Lockanrufe oder auch "Ping-Anrufe" bis zu drei Euro pro Minute. Aktuell verwenden die Anrufer offenbar häufig Nummern mit der Vorwahl 079 aus Kasachstan. Seit Januar haben Hunderte Handykunden auf Meldeseiten wie "Wer hat angerufen" nach den ausländischen Nummern gesucht und Kommentare und Beschwerden hinterlassen.

Verbote der Bundesnetzagentur helfen nur teilweise

Eine Frau bedient ein Smartphone.
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Die Zahl der Ping-Anrufe ist im letzten Jahr etwas zurückgegangen: 2018 gingen bei der Bundesnetzagentur aus ganz Deutschland 110.000 Beschwerden ein. Im Vorjahr waren es noch fast 300.000 Beschwerden. Die Behörde versucht schon seit einiger Zeit, Verbraucher vor den Lock-Anrufen zu schützen. Sie verpflichtet seit Anfang 2018 Mobilfunk-Betreiber und Telefonanbieter, Warnhinweise vor bestimmten Ländervorwahlen zu schalten. Die sollen Anrufer darauf hinweisen, dass die Gespräche teuer werden können. Wer während der Ansage auflegt, bezahlt nichts. Aktuell gilt die Ansage für 23 Vorwahlen. Die Betrüger sind also offenbar mit Anrufen aus Russland auf eine Vorwahl ausgewichen, für die keine Ansage gemacht werden müssen.

Für diese Länder ist eine Kostenansage vorgeschrieben Burundi (00257), Tschad (00235), Serbien (00381), Seychellen (00248),Tunesien (00216), Elfenbeinküste (00225), Guinea (00224), Sudan (00249), Marokko (00212), Tansania (00255), Benin (00229), Mali (00223), Uganda (00256), Madagaskar (00261), Albanien (00355), Bosnien-Herzegowina (00387), Somalia (00252), Liberia (00231), Malediven (00960), Jemen (00967), Mazedonien (00389), Sierra Leone (00232), Global Mobile Satellite System (00881)
(Material von heise.de, Bundesnetzagentur und Verbraucherzentralen)

Gegen Gebühren wehren

Wer auf einen der Lockanrufe reingefallen ist, kann sich zumindest für einige der Nummern die angefallenen Gebühren zurückholen. Die Bundesnetzagentur hat dafür im Internet eine Maßnahmenliste mit Nummern veröffentlicht, über die sich Kunden beschwert haben. Marcel Reifenberg von der Behörde sagte MDR JUMP:

In der Maßnahmenliste stehen unter anderem Rufnummern, für die ein Inkassierungs- und Rechnungslegungsverbot erlassen wurde. Ein Verbot der Rechnungslegung und Inkassierung bedeutet, dass Telefonkunden nicht mit den Kosten eines Anrufs zu der entsprechenden Rufnummer belastet werden dürfen.

Steht die angerufene bereits auf der Liste der Behörde, können Handynutzer die Rechnung vom Mobilfunkanbieter entsprechend kürzen.

Wichtig ist, dem Telefon- oder Mobilfunkanbieter mitzuteilen, dass man den Rechnungsbetrag kürzt und sich dabei auf das Inkassierungs- und Rechnungslegungsverbot der Bundesnetzagentur beruft.

Zudem sollten Handynutzer die Nummer an die Bundesnetzagentur melden, um andere Nutzer zu schützen. Außerdem können die Rufnummern gesperrt werden, um so keine Anrufe mehr zu erhalten. Das klappt bei Android-Geräten und iPhones (beide Anleitungen von heise.de) über eine Sperrliste in den Kontakten. Ruhe hat man dann aber nicht automatisch: Die Anrufer weichen oft auf andere Nummern aus (siehe großes Bild am Anfang des Artikels).

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 10. Januar 2019 | 14:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 11:31 Uhr

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