Sächsischer Polizei-Skandal: Top Fahrrad für 50 Euro?

Beamte sollen Hunderte sichergestellte Fahrräder illegal verkauft haben. Was lange Zeit geheim blieb, wurde durch einen Zeitungsartikel erst öffentlich. Viele Details nennen Polizei und Innenministerium dennoch nicht.

Vorder- und Hinterrad zweier Fahrräder.
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Die Fahrräder aus der Asservatenkammer der Leipziger Polizei sollen an Beamte und Angestellte der Polizeidirektion Leipzig verkauft worden sein. Das ist der Vorwurf, den ein Zeitungsportal am 11. Juni veröffentlicht. Intern soll das bereits seit Juli 2019 bekannt sein. Insgesamt sind laut der Berichte etwa 1.000 hochwertige Fahrräder verkauft worden sein.

Pressekonferenz erst gut eine Woche später

Sowohl die betroffene Polizeidirektion Leipzig, als auch das Innenministerium hielten sich lange Zeit bedeckt. Eine ausführliche Aufklärung über den Fall fand nicht statt. Erst nach gut einer Woche wurde kurzfristig eine Pressekonferenz mit Innenminister Wöller und dem Leipziger Polizeipräsidenten Schultze einberufen. Journalisten kritisieren, dass selbst hier keine wichtigen Fragen zum Fahrrad-Skandal beantwortet wurden. Wie viele Beamte involviert sind und wie viele Fahrräder tatsächlich intern verkauft worden bleibt weiter unklar.

Es ist deutlich erkennbar, dass der Vertrauensverlust in die Polizei gewaltig ist.

Torsten Schultze Polizeipräsident Leipzig

Mehr Details deutlich zu spät

Erst am 24. Juni gab es mehr Details. Allerdings auch nicht von offizieller Seite. Die Chemnitzer Zeitung „Freie Presse“ berichtet über einen internen Vermerk des Justizministeriums. Demnach sollen knapp 120 Personen in den Fall involviert sein. Im Mittelpunkt des Verfahrens stehe eine Polizistin, die lange Zeit zur Spezialeinheit zur Fahrradkriminalität gehört haben soll. Laut dem Bericht geht die Staatsanwaltschaft Leipzig von insgesamt 111 Beschuldigten aus, die ein Fahrrad aus der Asservatenkammer gekauft haben sollen. Darunter Beamte und Angestellte der Polizeidirektion Leipzig, Bereitschaftspolizisten, Beamte des Landeskriminalamtes Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft. Sie sollen die Räder für einen Preis zwischen 20 und 50 Euro gekauft haben.

Innenausschuss des Landtages soll Fall aufklären

Mittlerweile befasst sich auch der Innenausschuss im Landtag mit dem Thema. Vor diesem hatte auch Innenminister Wöller gesprochen und Fragen beantwortet. Er hat dabei Konsequenzen bei der Leipziger Polizei angekündigt und umfassende Aufklärung versprochen.

Roland Wöller (CDU), Innenminister von Sachsen
Roland Wöller (CDU), Innenminister von Sachsen Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 24. Juni 2020 | 15:00 Uhr

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