Altenpflegerin betreut ältere Frau
Bildrechte: IMAGO

Fachkräftemangel in der Pflege Ausgebrannt, unterbezahlt und überfordert – Pflegekräfte am Limit!

14.06.2018 | 15:22 Uhr

Schon jetzt fehlen Tausende Pfleger, um in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Kranke und alte Patienten ordentlich zu pflegen. Und die Situation droht sich weiter zu verschlimmern.

Altenpflegerin betreut ältere Frau
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Allein in Sachsen-Anhalt sind derzeit rund 1.200 Stellen in der Pflege unbesetzt. In Thüringen sind es sogar noch gut hundert Stellen mehr, für die keine geeigneten Bewerber gefunden werden. Das Problem: Gebraucht werden vor allem Fachkräfte. Viele Arbeitslose streben allerdings eine Helfertätigkeit an. Die Folge ist ein sogenanntes Missmatch: „Bei Fachkräften in der Altenpflege haben wir zum Beispiel nicht mal einen Bewerber pro Stelle. Bei den Altenpflegehelfern kommen rechnerisch mehr als drei Arbeitslose auf einen Job“, erklärt Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Keine Pflegekräfte - Patienten leiden

Kaum Pflegepersonal oder überarbeitete Mitarbeiter – das hat auch konkrete Nachteile für uns Patienten. Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch im exklusiven MDR JUMP-Interview:

Immer mehr hören wir, von der Praxis draußen, das hier Menschen anrufen, die sagen, der Pflegedienst hat mir gekündigt beziehungsweise ich bekomme überhaupt keinen Pflegedienst mehr, der zu Mama oder Papa kommt.

Situation jetzt angespannt - zukünftig drohen Fachkräfteengpässe

Dabei droht die Situation sich weiter zu verschärfen: Schließlich steigt seit Jahren das Lebensalter der Menschen. Bedeutet: Sie müssen auch länger gepflegt werden. Experten sind sich sicher, dass da ein gewaltiges Problem auf uns zukommt. Kristian Veil von der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen:

Es dauert für Arbeitgeber immer länger, Stellen mit Fachkräften zu besetzen. Im Bereich Pflege kann man deshalb schon von Fachkräfteengpässen sprechen. Inwieweit sich die Lage bis zum Jahr 2030 weiter entwickelt, kommt darauf an, ob es gelingt mehr Nachwuchskräfte für Pflegeberufe zu gewinnen oder Pflegekräfte im Ausland anzuwerben. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in dem Bereich wird in Anbetracht einer alternden Gesellschaft sicherlich nicht nachlassen.

Auch in Sachsen fehlen Pflegekräfte. Die zuständige Enquete-Kommission im Dresdner Landtag hat konkrete Zahlen ermittelt und dem MDR schon vorab mitgeteilt. So wird der Bedarf an zusätzlichen Pflegekräften im Freistaat bis 2030 zwischen 2.500 und 5.000 liegen.

Hilft mehr Geld?

Die Konzepte gegen den Pfleger-Mangel sind vielfältig. Ganz vorne steht die bessere Bezahlung der Pfleger. Oliver Wehner, Chef der Enquete-Kommission zur "Sicherstellung der Versorgung und Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege älterer Menschen im Freistaat Sachsen" im MDR-Interview:

Es gibt Pflegeanbieter, die bezahlen ihren Mitarbeitern ein sehr gutes Gehalt. Es gibt aber auch Bereiche, wo man schwer damit auskommt. Da muss man sich als Politiker fragen, ob es nicht günstiger wäre, so einen einheitlichen Tarifvertrag zu machen. Das ist das letzte Mittel, das die Politik hat. Ich bin da auch sehr zögerlich damit. Aber wenn es nötig ist, dann muss man das auch so machen.

Bislang gilt für die Pflegebranche nur ein Mindestlohn von jetzt 10,05 Euro in Ostdeutschland. Bei einer 40 Stunden-Woche verdient man so rund 1.600 Euro Brutto im Monat. Wo jetzt schon Tarifabschlüsse gelten, sind die Gehälter höher. Außerdem werden in einem Tarifvertrag auch Urlaub, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen geregelt.

Offene Diskussion über Pflege notwendig?

Die Kosten für die Pflege sollten transparent diskutiert werden, damit auch jeder weiß, was gute Pflege kostet, meint Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz:

Ehrlichkeit mit den Menschen - sowohl mit den Beitragszahlern, als auch mit den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. Und das heißt: Wir müssen endlich eine gute Pflege finanzieren. Das lohnt sich, weil wir dadurch die Krankenversicherung sparen können.

Fazit

Es wird ein langer Weg, bis der Mangel bei den Pflegekräften beseitigt ist. Die Pfleger besser zu bezahlen ist sicherlich ein wichtiger Punkt. Damit sich die wichtige Arbeit auch auf dem Lohnzettel auszahlt und sie damit auch etwas mehr anerkannt wird. Allein dadurch bekommt man die Personalnot in der Pflege aber nicht in den Griff. Skeptisch sind die Experten, bei der Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. So sei bei ähnlichen Anwerbeversuchen in der Vergangenheit selten die nötige Zahl an Bewerbern erreicht worden. Außerdem sei die Hürde der Sprache sehr hoch. Die Pflegekräfte müssten häufig nachgeschult werden oder kämen auf den Stationen und mit den Patienten nicht gut zurecht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 14. Juni 2018 | 19:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 15:14 Uhr