Fachkräfte gesucht – Wie Pendler gelockt werden!

13.07.2018 | 13:54 Uhr

In vielen Branchen in Mitteldeutschland können Jobs nicht besetzt werden, weil gut Fachkräfte fehlen. Mit speziellen Rückkehr-Programmen sollen Pendler überredet werden, eine Arbeit in der Heimat anzunehmen.

Gesucht werden vielerorts in Mitteldeutschland Ingenieure, Krankenpfleger, Software-Experten – und die Situation wird sich noch verschärfen, sind sich Arbeitsmarktexperten sicher. So kämen etwa auf mehr Ausbildungsstellen immer weniger Bewerber. Zuletzt hieß es etwa in einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Erfurt, dass 47 Prozent der befragten Unternehmen nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen könnten. Branchenübergreifend würden 67 Prozent der befragten Firmen den Fachkräftemangel als großes Risiko bewerten. Sabine Woche, Leiterin der Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (ThAFF) im MDR JUMP-Interview:

Die Thüringer Wirtschaft wächst, wir haben große Erfolge erzielt bei der Ansiedlung von Unternehmen. Gleichzeitig hinterlässt die demografische Entwicklung ihre Spuren.

„Bis 2025 rechnen wir im Freistaat mit einem Fachkräftebedarf von etwa 280.000 Menschen“, sagte Kay Senius, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Ein Problem, mit dem auch Sachsen und Sachsen-Anhalt zu kämpfen haben. Allein in Sachsen werden im Jahr 2023 91.000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des IHK-Fachkräftemonitors hervor. 

Pendler sollen direkt von den Vorzügen überzeugt werden

Als ersten Schritt will man deshalb in Thüringen an Pendler herantreten und ihnen einen Job in der alten Heimat anbieten. Und da scheint ein großes Potential zu sein. Schließlich verlassen rund 125.000 Menschen den Freistaat zum Arbeiten außerhalb der Landesgrenze.

In unserer Pendlerwoche wollen wir gezielt die Menschen auf der Straße ansprechen und sie überzeugen eine Arbeit in Thüringen anzunehmen.

Auf insgesamt elf Pendlertagen und zwei Pendlerwochen können sich in diesem Jahr Pendler und Rückkehrwillige über Jobangebote im Freistaat informieren. Damit wurde das Beratungsangebot der ThAFF deutlich erweitert - im letzten Jahr gab es insgesamt nur sechs Pendlertage.

Thüringen Vorreiter bei der Pendlerwerbung

Angesprochen sind Pendler, die zwar in der Region Erfurt wohnen, jedoch woanders arbeiten, sowie potenzielle Rückkehrer, die Erfurt der Arbeit wegen verlassen haben, gern aber wieder dort leben und arbeiten möchten.

Das ist ein einmaliges Modell, das wir in Thüringen auch mit anderen Playern, die im Bereich Fachkräfte unterwegs sind, zusammenarbeiten. Das wir Koordinieren und Beraten und versuchen, ein ganzheitliches Angebot für ganz Thüringen zu machen. Also wir sind in dieser Hinsicht einmalig.

In der Tat: In Sachsen und Sachsen-Anhalt gibt es nur regionale Angebote. Der Erzgebirgskreis hat sachsenweit eine der höchsten Industriedichten und derzeit die niedrigste Arbeitslosenquote. Doch immer mehr Unternehmen suchen händeringend nach Mitarbeitern. Mit einer eigenen Jobbörse im Internet will die Region gegensteuern. Auch für die Region Magdeburg gibt es ein Jobportal, um Menschen im Norden Sachsen-Anhalts zu halten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 15. Juli 2018 | 20:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 13:54 Uhr

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