Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
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Facebook will Messenger, WhatsApp und Instagram verknüpfen: Die Folgen für Nutzer

28.01.2019 | 16:44 Uhr

Facebook-Chef Mark Zuckerberg plant offenbar, seine Chat-Dienste Whatsapp und Messenger mit Instagram zusammenzulegen. Das berichten zahlreiche Medien und Facebook hat Überlegungen in die Richtung auch bestätigt.

Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
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Bei der Übernahme von WhatsApp und Instagram hatte Facebook noch versprochen, die Dienste eigenständig bestehen zu lassen. Nach den jetzt bekannt gewordenen Plänen will Facebook-Chef Mark Zuckerberg die drei Chatdienste Ende 2019/Anfang 2020 im Hintergrund zusammenlegen.

Warum verknüpft Facebook die Dienste?

Mit dem Zusammenlegen könnte das US-Unternehmen die Dienste WhatsApp, Instagram und Facebook attraktiver machen. Wenn reine WhatsApp-Nutzer Freunde oder Angehörige auf Facebook oder Instagram einfach erreichen können, erhöht das den Komfort der einzelnen Dienste. Alexander Kuch vom Telekommunikationsmagazin teltarif.de sagte MDR JUMP:

Die interne Kontaktaufnahme zwischen den Nutzern von Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram wäre tatsächlich eine Neuigkeit, die bislang offiziell noch kein bekannter Messenger-Anbieter unterstützt hat. Ob Facebook das wirklich einführen oder doch nur die technische Basis hinter den Kulissen vereinheitlichen wird, muss man abwarten.

Zudem könnte Facebook so versuchen, die eigenen Werbeerlöse deutlich zu erhöhen. Stephan Dörner vom Magazin für digitale Wirtschaft t3n sagte MDR JUMP:

Stephan Dörner vom Magazin für digitale Wirtschaft t3n
Stephan Dörner vom Magazin für digitale Wirtschaft t3n Bildrechte: t3n

Facebook kann so die Metadaten besser analysieren zwischen den verschiedenen Diensten: Das sind Daten wie wer mit wem schreibt und zu welchen Uhrzeiten und wie verhält sich ein Nutzer.

Werden die gesammelten Daten gleich von mehreren Diensten zusammengefasst, wisse Facebook deutlich mehr über die Nutzer als bisher schon. Dann könne Werbung noch zielgenauer auf die Nutzer zugeschnitten werden. teltarif-Experte Kuch sagt:

Alexander Kuch, Redakteur und CvD teltarif.de
Alexander Kuch, Redakteur und CvD teltarif.de Bildrechte: teltarif.de Onlineverlag GmbH

Statt bisher drei Werbeplattformen muss Facebook nur noch eine betreiben und kann das den Werbepartnern besser verkaufen.

Zudem könnte sich Facebook mit den Plänen besser gegen eine mögliche Zerschlagung wappnen. Die wird von US-Politikern regelmäßig gefordert. Sind WhatsApp, Instagram und der Messenger miteinander verwoben, könnte das Geflecht schwerer zerschlagen werden.

Was ändert sich für Nutzer?

Auf den ersten Blick soll sich aus Sicht unserer Experten nicht viel ändern. Die Nutzer von WhatsApp, Instagram und dem Facebook Messenger werden weiterhin eigenständige Apps oder Internetportale zu sehen bekommen. Sie können aber anders bisher etwa aus WhatsApp heraus einem Nutzer auf Instagram schreiben. Dafür müssen sie gar nicht bei dem Dienst angemeldet sein. Anders herum werden Nutzer auch nicht für Dienste angemeldet, die sie bisher gar nicht genutzt haben.

Wer nur WhatsApp genutzt hat, bleibt nach dem Zusammenschluss auch nur bei diesem einen Dienst angemeldet. Offen ist derzeit noch, ob zum Beispiel Instagram-Nutzer über Facebook gefunden werden können, wenn sie dort gar nicht Mitglied sind. Das plane das US-Unternehmen seit Jahren, sagt teltarif-Experte Kuch. Derzeit sei noch unklar, ob die Pläne umgesetzt werden können und ob sie von Datenschützern und Wettbewerbshütern geändert werden können. Ein positives Ergebnis der Verknüpfung sieht t3n-Experte Dörner:

Facebook hat vor, den durchaus hohen und auch von vielen Experten gelobten Verschlüsselungsstandard auf alle Dienste auszurollen.

Dann wären auch alle Chats über Messenger und Instagram von Ende zu Ende verschlüsselt.

Können sich Nutzer wehren?

Das lässt sich Stand jetzt noch nicht richtig genau sagen. Die Datenweitergabe an andere Dienste, bei denen man nicht angemeldet ist, könnte aus Sicht von Alexander Kuch aber problematisch sein:  

Wenn Facebook bei der Zusammenlegung der Dienste gegen europäisches Recht verstößt, kann der Anwender sich bei einer Verbraucherzentrale beschweren und bei Facebook Widerspruch gegen die Datenweitergabe einlegen. Das kann aber dann auch bedeuten, dass Facebook das Kundenverhältnis von sich aus beendet.

t3n-Experte Stephan Dörner weist darauf hin, dass sich für Nutzer vordergründig gar nichts ändert. Wer die Verknüpfung der Technik der drei Dienste Hintergrund nicht wolle, könne immer noch auf andere Dienste ausweichen.

Vielleicht legt man nicht alle Eier in einen Korb und es gibt ja Alternativen zumindest bei den Messengerdiensten. Threema zum Beispiel oder Signal. Signal ist aus Datenschutzgründen ein sehr empfehlenswerter Dienst.

Da bleibt aber das bekannte Problem: Die alternativen Dienste müssen auch die Freunde oder die Familie nutzen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 28. Januar 2019 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2019, 16:44 Uhr

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