Neue Betrugsmasche: Angebliche Anrufe von Europol

Sie geben sich am Telefon als Kripo-Mitarbeiter oder Ermittler von Europol aus und warnen, dass persönliche Daten gestohlen wurden. Damit würden jetzt Straftaten wie Geldwäsche oder sogar Morde begangen.

Ein Mann bedient ein iPhone (Symbolbild)
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Mit Schockanrufen versuchen Betrüger seit Ende März, andere um ihre Ersparnisse zu bringen. Sie geben sich als Mitarbeiter der Kriminalpolizei oder von Europol aus und warnen, das eigene Bankkonto sei für Geldwäsche und andere Straftaten genutzt worden. Diese Betrugsmasche wird in den letzten Wochen auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen benutzt. Mehrere Polizeidirektionen und Landeskriminalämter warnen davor.

Angst machen, einschüchtern und ausnutzen

Die Leipzigerin Lina K. bekommt Ende März einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Eine Frau meldet sich und gibt sich als Mitarbeiterin der Kriminalpolizei in Berlin aus. Lina K. sagt dem MDR:

Die hatte sich dann als eine Mitarbeiterin von der Kripo in Berlin ausgegeben. Ganz förmlich. Sie meinte dann, sie hätten da einen Fall, wo es um Geldwäsche geht und Menschenhandel.

Das Hauptquartier von Europol in Den Haag in den Niederlanden
Das Hauptquartier von Europol in Den Haag in den Niederlanden Bildrechte: IMAGO / ANP / Peter Hilz

Dafür hätten die Kriminellen die Identität von Lina K. gestohlen. Für den Fall sei Europol zuständig und dahin wollte die angebliche Kripo-Mitarbeiterin dann auch verbinden. Europol ist als angeblicher Anrufer gut gewählt. Die Behörde mit Sitz in Den Haag in den Niederlanden unterstützt die 27 Mitgliedsstaaten in der EU bei Ermittlungen zu internationaler Kriminalität. Zuletzt hat Europol auch tatsächlich zu Geldwäsche ermittelt. Wer danach sucht, wird auch auf diese Tagesschau-Meldung stoßen. Lina K. sagt:

Der war auch nett und zuvorkommend und hat versucht, mich erstmal zu beruhigen. Weil ich auch verstört war.

Die Leipzigerin ist aber zunächst misstrauisch und bitte den Anrufer zu beweisen, dass er wirklich bei Europol arbeitet. Daraufhin fordert der Lina K. auf, seine Telefonnummer zu googeln. Die Telefonnummer gehört laut Google tatsächlich zu einem offiziellen Anschluss bei Europol. Doch das ist nur ein Trick. Die Täter nutzen laut Bundeskriminalamt eine Software , mit der die Opfer tatsächlich die Nummer von Europol oder einer deutschen Polizeidienststelle auf dem Display sehen. Das ist aber gar nicht die Nummer, von der die Betrüger anrufen.

Geschickt Ängste ausgenutzt

Die eigene Identität wurde gestohlen und die nutzt jemand anders für schwere Straftaten wie Geldwäsche: Die Betrüger haben das Szenario für ihre Anrufmasche geschickt an aktuellen Nachrichten ausgerichtet. Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Hacker Logins und Passwörter und andere private Daten erbeutet haben. Damit können die Kriminellen dann Angst machen und Geld erbeuten. Lina K. wird von dem vermeintlichen Mitarbeiter von Europol vier Stunden lang am Telefon gehalten und immer wieder aufgefordert, niemandem etwas von dem Anruf zu sagen. Schließlich könnte jemand aus ihrem privaten Umfeld ihre Identität gestohlen haben. Die Leipzigerin wird dann aufgefordert, ihr Geld von ihrem Konto zu Europol zu überweisen und damit in Sicherheit zu bringen. Lina K. lädt insgesamt vier Gutscheinkarten im Supermarkt mit 1.200 Euro auf und gibt dem Anrufer die Gutscheincodes durch. Das Geld ist jetzt weg. Dazu schreibt das Bundeskriminalamt (BKA) auf der eigenen Webseite:

Bitte beachten Sie: Die Polizei wird Sie niemals um die Überweisung von Geldbeträgen bitten. Das gilt auch für Europol.

Zudem werde versucht, auch ganz private Daten am Telefon zu erlangen, warnt das BKA:

Die Täter versuchen, auch an Informationen über die persönlichen und finanziellen Verhältnisse zu gelangen, um weitere Straftaten vorzubereiten.

Das BKA rät, sich nicht in Gespräche verwickeln zu lassen und überhaupt keine Daten herauszugeben. Einfach auflegen ist bei allen diesen Versuchen die beste Methode. Wenn möglich, sollten Angerufene den Vorfall bei der nächsten Polizeidienststelle melden. Dafür sollte aber besser nicht die Rückruftaste genutzt werden. Die richtige Nummer findet man über „Polizei“ und dem eigenen Wohnort ganz schnell im Internet.   

Hartnäckige Anrufer sperren

Wer aktuell immer wieder von solchen Anrufern gestört wird, kann die Nummer beim Anbieter sperren lassen. Bei der Telekom ist es sogar möglich, neben einzelnen Rufnummern auch gleich Vorwahlen eines Landes sperren zu lassen. Das hilft, wenn offenbar ein Betrüger-Callcenter aus einem Land von verschiedenen Nummern aus immer wieder durchklingeln will. Wer zu Hause über einen Vodafone-Anschluss telefoniert, kann unerwünschte Anrufer mit wenigen Klicks ebenfalls sperren.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 02. Mai 2022 | 19:50 Uhr

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