Familie beim Vorlesen
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Tipps für Eltern Die besten Erziehungstipps von Jan-Uwe Rogge

20.04.2018 | 13:45 Uhr

Zum Thema Erziehung gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Für Eltern ist es deshalb manchmal gar nicht so einfach eine gemeinsame Linie zu finden. Damit das bald besser klappt, haben wir einen Erziehungsexperten nach seinen Tipps gefragt.

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Dr. Jan-Uwe Rogge ist Buchautor vieler Erziehungsbücher und Erziehungsberater. Viele seiner Bücher wurden Bestseller und in verschiedene Sprachen übersetzt.

Was kann man machen, wenn das Kind mal wieder auf Durchzug schaltet?

Ich dreh das mal um: Wenn ich mich mit Pubertierenden unterhalte, dann höre ich häufig: "Meine Eltern hören nicht richtig zu! Sie wissen immer alles besser und kommentieren immer alles." Wenn aber Gleichaltrige sich unterhalten, passiert etwas Wunderbares: Man schaut sich an, man hört zu, man nickt. Man macht also das, was man in der Pädagogik 'aktives Zuhören' nennt. Und ich denke, wir können daraus etwas lernen. Das wir uns gemeinsam Zeit nehmen und ein gemeinsames Ritual am Abend haben, wo ich was sage und mein Kind zuhört. Oder wo mein Kind was sagt und ich zuhöre.

Sind die Eltern von heute zu besorgt?

Ich finde die Eltern von heute klasse. Sie machen eine ganze Menge richtig, sie sorgen sich. Manchmal auch zu viel. Sie müssen Abstand nehmen von Perfektionismus und von dem Satz: Ich will es alles richtig machen, ich will keine Fehler machen. Eltern sollen auch von ihren Kindern lernen, denn Kinder wollen nicht alles richtig machen.

Was kann man tun, wenn das Kind ständig mit den Smartphone beschäftigt ist?

Vor 40 Jahren gab es die Fragen nach dem Handy noch nicht. Da ging es um den Fernseher und um Videorekorder - wie lange, wie häufig. Das heißt, es wiederholt sich beim Handy alles. Es ist wichtig, dass man auch zuhause medienfreie Zeiten hat, die für alle gelten, also für die Eltern und Kinder. Und dann gibt es Medienzeiten, wo ich telefonieren und das Smartphone nutzen kann. Aber auch dafür sollte es Grenzen geben und auch Mutter und Vater sollten sich daran halten.

Sollten Eltern kontrollieren, dass die Hausaufgaben gemacht werden?

Wenn sich Eltern dazu setzen, wenn das Kind Hausaufgaben macht, führt das zu Stress. Die Hausaufgaben werden alleine gemacht und die Eltern können sie danach kurz überfliegen und kontrollieren. Ansonsten halte ich mich raus. Man muss einen Weg finden, damit daraus nicht ein Machtkampf wird. Sonst zerstört das die Atmosphäre.

Müssen Kinderzimmer immer aufgeräumt sein?

Es gibt für Mütter ein Leben jenseits des Kinderzimmers. Und das sollte man auch einhalten. Kinder lieben ihre Streuordnung. Was anderes ist es, wenn Kinder ihre Streuordnung ins Bad oder Wohnzimmer ausdehnen. Dann ist es wichtig, dass ich klar sage: Du kannst in deinem Zimmer machen was du willst, in den anderen Zimmern erwarte ich Ordnung.

Kinder werden bei Oma und Opa immer verwöhnt - Ist das in Ordnung?

Kinder lieben Großeltern, weil Eltern gelebtes Leben darstellen. Das finde ich wunderbar. Oma und Opa haben die Gelassenheit des Seins. Viele Eltern rümpfen die Nase: Da kommt das Kind von Oma und da darf es viel mehr, da ist es viel besser. Aber die Unterschiedlichkeit halte ich für wichtig. Dass die Eltern auf der einen Seite da sind und bestimmte Normen und Werte verkörpern und auf der anderen Seite sind die Großeltern, die aus der Unmittelbarkeit der Erziehung ausgegliedert sind .

Ist es schlimm, wenn Kleinkinder noch bei ihren Eltern schlafen?

Man sollte daraus kein Dogma machen. Wenn Kinder älter werden, finden sie es gemein: Ich bin jetzt in der düsteren Kammer und meine Eltern sind drüben und vergnügen sich. Da orientiert man sich am besten immer am Kind und an den Bedürfnissen des Kindes. Das bedeutet natürlich auch, wenn in einer Familie Stress oder Sorgen sind, dann wollen die Kinder häufig noch in der Nacht eine Bezugsperson, die ihnen Halt gibt.

Wann sollte ein Kind ins Bett gehen?

Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Und dann kommt noch das Einschlafen dazu: Manche Kinder schlafen eben sehr früh ein, manche sehr spät. Unabhängig davon, finde ich es wichtig, dass Kinder ein Einschlafritual haben. Das heißt, man liest eine Geschichte, man singt ein Lied und dann ist Schluss. Und wenn ein Kind dann nicht einschlafen will, dann lässt man vielleicht das Licht an, sagt dem Kind aber auch: Ich bin in deiner Nähe. Dann können die Kinder ein Stück weit auch individuell entscheiden, wann sie ihre Äuglein zumachen wollen. Aber wichtig: sie kommen nicht mehr zu den Eltern.

Darf man als Vorbild manchmal auch eine Notlüge erzählen?

Notlügen sind mal in Ordnung. Nur muss ich dann als Mutter oder Vater akzeptieren, wenn meine Kinder flunkern, dass das genauso in Ordnung ist. Dass das zum Leben gehört. Man muss nicht ständig perfekt sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 21. April 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2018, 13:12 Uhr

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