Bei Problemen und Krisen: So können Kollegen und Freunde gezielt Erste Hilfe leisten

Die Gedanken kreisen nur, nichts macht Freude und allein kommt man nicht aus dem Tief: Wenn jemand psychische Probleme hat, sind Kollegen und Chefs, Freunde und Familie oft hilflos. Das sollen Ersthelfer-Kurse ändern.

Nur ein Tief oder ein ernstes Problem? Und wie können Kollegen und Freunde beistehen, bis der Profi hilft? (Symbolfoto)
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Im Ernstfall sollen Laien helfen können, bis die Profis eintreffen: Das ist die Idee hinter Erste-Hilfe-Kursen. Die kennen die meisten aus der Fahrschule oder wenn sie sich auf Arbeit als Helfer für die Kollegen ausbilden lassen.

Sicher sein: Was mache ich im Ernstfall?

Inzwischen gibt es auch Erste-Hilfe-Kurse bei psychischen Problemen und Krisen. Durch die muss sich mehr als jeder Dritte durchkämpfen. Diese Erkrankungen sind also gar nicht so selten. Lange wurde aber nicht drüber geredet. Dabei ist auch da schnelle Hilfe von Laien wichtig, um Leben zu retten.

Herr Wich, sie bilden Ersthelfer für psychische Gesundheit aus. Was genau heißt das?

Diplom-Kommunikationspsychologe und Instruktor für MHFA-Ersthelfer-Kurse Marcel Wich aus Erfurt
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Viele von uns erkennen schon, wenn es anderen auch psychisch nicht gut geht. Aber viele haben dann einfach eine Hemmschwelle, den anderen da anzusprechen und was Falsches zu sagen. Und deshalb wird in dem 12-Stunden-Kurs darüber gesprochen, was psychische Erkrankungen sind und wie man jemand darauf ansprechen kann. Damit es eben diese Hemmschwelle nicht mehr so gibt. So dass man helfen kann, bis der Profi übernimmt.

Stabile Seitenlage oder den Notruf 112 kennt man. Aber was sind Hinweise darauf, dass jemand in meinem Umfeld nicht nur schlechte Laune hat sondern wirklich meine Hilfe bei psychischen Problemen braucht?

Meist hat das einen längerfristigen Verlauf: Das sind dann zwei, drei, vier Wochen mit großer Traurigkeit. Wo man sagt, die hat keinen Grund. Oder Probleme beim Denken, im Verhalten, beim Konzentrieren oder beim Merken. Und da kann man sagen, jetzt spreche ich denjenigen, diejenige mal drauf an und teilt dem auch die eigenen Sorgen mit – die man um ihn oder sie hat.

Warum sind solche Ersthelfer-Kurse wichtig?

Die Zahl von Menschen in Deutschland mit psychischen Erkrankungen nimmt stark zu. Und die Wartezeiten beim Profi, bei Psychiatern und Psychotherapeuten sind sehr lang. Aber es ist wichtig, die Menschen schon in einem frühen Stadium ihrer Erkrankung anzusprechen. Zu sagen, ich mache mir Sorgen um dich! Und die Kurse sollen auch dabei helfen, dass man mehr aufeinander Acht gibt. Und sich unterstützt, damit vielleicht aus einer psychischen Besonderheit keine Krankheit wird.

Viele Betroffene machen sich auch Sorgen, wie das in ihrem Umfeld, auf Arbeit ankommt. Sie bieten die Kurse auch in Unternehmen an: Wie kommt das bei den Arbeitgebern an?

Ich wurde jetzt auch von einem großen Handwerksbetrieb und einem Maschinenbauer angefragt. Die Kurse sind noch relativ neu, aber die werden angenommen. Sowohl die Online-Kurse als auch die Präsenzkurse. Die Arbeitgeber möchten ihre Mitarbeiter auch ähnlich schulen wie die Ersthelfer für körperliche Gesundheit. Und ihre Mitarbeiter auch fit machen, dass sie untereinander erkennen, wenn es jemandem nicht gut geht. Denn die Ausfallquoten bei psychischen Krankheiten, die sind dreimal so hoch oder viermal so hoch, als wie wenn jemand an Erkrankung am Skelettsystem hat. Da ist jemand mal schnell sechs, acht Wochen krank bei Depression, bei Burn-Out, bei Ängsten.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 11. Oktober 2021 | 14:10 Uhr

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